Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 iemeindeblatt der Isra E,s> n i geworden. »der vielmehr: er sieht in den Wundern d nik nichts Außergewöhnliches mehr. Nichts überro inenr. Tast er demnächst wird sehen können, was des großen Meeres sich abspielt, zwingt ihm kein inedr ab. denn er in ja gewohnt, dast er Uber den Erdball biuiveg hören kann. Wenn der Mensch meistert er jedes Problem. Wohl ist es noch ein Unternehmen. mit dein Flugapparat über den £ ilii'neii; aber wie lange noch, und es ivird eine Selbstvb lickkeit sein, wie beute die regelmästigen Fluglinie i wie in den Fortschritten der'Technik nichts Verwuni mehr empfunden wird, so in den menschlichen uehinungeu überhaupt. Tie Hörnten des Gebens, die noch neu waren, sind beute schon veraltet, und die I iverdeu morgen schon wieder überholt sein. Ein klnqcr ein grostes Werk aufgebaut? Ein klügerer wird ihjt übertrumpfen. Ein genialer Forscher bat eine iiinsli Entdeckung gemacht? Ein glücklicherer Entdecker wird binausragen: Alle (tröste gilt beute als nur relatic inan Ebriurcht eiuptiudeu vor menschlichem Schass« i vielleicht nur zu bald der „Nimbus des (Genialen" aei ieii: wird? sticht g:wa r Techihn jenseits tanneu ganzen r «vill, agtes :ean zu rstäud Und erlickes Untergesteru eutigen 4ops hat morgen iirzende ber ihn Soll i, dem oniuien a i ein ' .'l i Ter .moderne Europäer ift in einen anierikaup Taumel geraten. Wolkenkratzer. Meetings von Zeh den. Milliardenunternehiuungeu und Ebriurcht s ausgleichbare (N'gcnsätze. ,7ort mit den Hcininunc das Bewusttfeiu der Uuausfübrbarkeit bereitet: Ter kaner in grost geworden, weil er den Mut batte, sich zu Zutrauen. Er ivar nickt belastet mit Rücksichten ditionen, vor denen er ück hätte beugen müssen: ke üttaftlicheii Geiseln, keine klgisenmästigen Pindungen ibn ein. Wir aut dem alten Erdteil »liiiscu uns in? Schule begeben, wenn ivir vorivärts wollen, lind al frei werden von der Ebriurcht. von dem ^ageu vor möglichen: es gibt keine Unmöglichkeiten. .stvangläufig in auch der aiide in diesen ainerikani Taumel gezogen worden. Maucker bat sich willig Reiz des Uneriuestlichen überlassen. Seine Schas ergriff gerne diese Steigerung der Ansprüche an denn feind Geistigkeit-liest ihn schnell, das Geheimni Wachsens ertanen. Sehr viele andre haben nur limi.' uiitreisteu lauen, denn ein. sicherer Instinkt sagte ihr etivas lkugestziides in dieser Entwicklung liege. 'J hielten ne für unausweichlich: wer nickt mit den vorivärts jagt, über den ran der Gang der Tinge zern hinweg. Und iebr. sehr viele auch von denen, deren kreis einen nur engen Turchmeiser bat. wollen ive jn dem Einen sich als „modern" erweise». Säst sie die E übenvindeu. dast sie das ganze Register der Schlagw herrschen, mit denen das Selbstgefühl, des Moden brüstet. Und nun erleben wir in unsern jüngsten Tagen. Amerika selbst die eindringlichste Warnung vor Amerikanismus.zu uns heriiberfciiaUt.-Tic neueste Ü in der weitschanende Tenker die Zustände zeichne» dem-seltner der Perbältnisse sichtbctr sind, zeigt uns Wirklichkeit in jenen io gepriesenen Landen so ganz in. als 7vir vermeinten. Und aut .Kongressen ln' litischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 6 nischen istauieund unen. die Auierialle s s Tragefellengten lerikas erstes: t Undun i'ttschen diesem ienslust selbst, dieses ru fick?n. dast ber sic lgenden alntenü.-?cbensligstenS iriurckt Veen sich an, von diesem erakur, wie sie dast die anders :n wir Amerikaner unverhohlen anerkennen, dast ihr Weg der 1 falsche gewesen, dast sie nach dem bedächtigen Europa ansschauen, tu dem alten Erdteil ihre Lehrer suchen. Tie Sckosarklänge der Neujahrstage sollten uns vor allem wieder'zur Ehrfurcht ausrnjen. Sie ist ein seelisches Bedürfnis des Menschen, das er nicht ungestraft preisgeben darf. Tie Entwicklung unsres modernen Lebens frifjt am Marke des Menschlichsten am Menschen: an seiner Seele, gerade indem sic ihn ebrsurchtslos machen möchte. Sie kehrt den tiefsten Sinn aller Lebensäusterungen um. 8iel aller menschlichen Arbeit sollte sein, das.Leben innerlich reicher und damit schöner, glücklicher zu machen. a« Wahrheit entfernen wir uns mehr und mehr vom Genüsse des Lebens. Stuiim dast cs ivahrc Feierstunden gibt, in denen der Mensch ganz er selbst sein darr. Er kan n es nur sein, wenn er die Ehrfurcht kennt, wenn er weist, dast auch die höchste Steigerung seiner Leistung nur immer (Gebrechliches zu schassen vermag, dast auch die stärkste Anspannung seines Wollens ihre Grenze findet in der naturgegebenen Hinfälligkeit seines ^iörpers. das; er eben doch nur Mensch ist. Es scheint nur. als ob solche Betonung der dem Menschen gesetzten Grenzen ihn lähmt: in Wahrheit steigert sie seine Lebenskraft, denn sie schasst ihm erst die wahre Befriedigung über sein .stöniien: Was bedeutet das (.Gelingen eines Planes dem. der darin Selbstverständliches sieht! Tein Suchen des modernen Menschen liegt unverkennbar ein Sehnen nach Ebriurcht zugrunde. Ein Ahnen dessen, was sie ihm zu geben vermag, dämmert in ihm auf. Er bat sich von der Tradition losgesagt, in der Meinung, dast die (Gegenwart sie nickt vertrage. Aber der dringliche Ruf nach neuer Lebensform verrät den Schmerz darüber, daß die alte zerbrochcni wurde. Im neuen Geschlecht wollte jeder nur sich' selbst bejahen, den andern verächtlich beiseite stosten. Aber nun pflegt er die Gemeinschaft, er süblt. daß er den andern nicht entbehren k a n n. Und mit der Erfurckt vor der Vergangenheit, vor dem Mensclten im anderen keimt auch die Ehrfurcht des Menschen vor seinem besseren Selbst. ’ Es war Brauch geworden, dast man Idealisten mit lächelnder Ueberlegcnheit bespöttelte. Ueber den wirklichkeitsfremden Weltverbesserer kann doch das Leben nur rücksichtslos hinivegschreiten. Und im Stillen finnt hentc wobl jeder, wie er beitragen könnte zur Beseitigung oll des Triickenden, das unsre Zeit belastet. Es war eine Verarmung, als man die Ehrfurcht überwinden zu müssen meinte. Und sie hat traurige Wirkungen auf unsre jiidisclte Frömmigkeit ausgeübt. Tie heiligen Tage mögen die Erkenntnis reifen -lassen, dast der Weg, den so viele eingcichlagen haben, falsch gewesen ist, und den Mut, es ein-;ugestehen„ Pflegen wir die Ehrfurcht vor dem Edlen in uns: sie wird »ns wahrhaft wachsen lassen: die Ehrfurcht vor dem Menschen: sie wird uns initbauen lässen an dein Glücke der^ Menschen und dadurch auch uns beglücken: die Ehrfurcht vor unsrer jüdischen Vergangenheit: sie wird unser Selbstbewusttsein stützen: die Ehrfurcht vor unsrer Zukunft: sie wird be deutsanic Ziele setzen. Und in alledem betätigen wir Ehrfurcht vor Gott in dem weitesten Umsange des Begriffes: Ehrjurckt vor all dem Erhabenen, das wir in Gott verehren, und dem wir uns nähern sollen. S DERJPORTVEREIN BAR KOCHBA, E.V veranstaltet am 13. Oktober l£2S anläßlich der Einweihung seiner Sportplatzanlage einen großen Festball. Näheres wird noch besonders bekanntgegeben.