Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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8e«vi«-ehlatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Otgoti deA GemeinbEvorstandes <A>i»W»i»»lW»»»»»li>miii»i»milWiiii»r> Mit Rttteilungsblatt -es SLAWAen WaeWchen GememdeverbandeS Vnanttoortl. Gchristleituag: Bürobinttor L-Plormachcr, Dresden-Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresden-Druck: Kaden LEomp-, Dresdrn-A. Alleinige Annahmestelle für Inserate: Iac. Sternlicht. Zrughausstraßt 3,1. Telephon 14051 - Die 29-mm.Ronpareillvile tostet 30 Pf., lausend Rabatt 4. Jahrgang Dresden, September 1928 Nummer 5 Ehrfurcht Eine Nenjahrsbetrachtung von Gemeinderabbiner G u st a v Eoh», Leipzig DaS Tiefste und letzte, »vas in diesen heiligen Tagen noch Ausdruck sucht, loht sich in die Worte zusammensassen: der kleine Mensch die große Unendlichkeit. Ein Jahr ist dahingegangen. Ein Jahr unsres doch so kurzen Lebens. Wie zahlreich schienen uns diese »ünfzig Wochen, als wir. dieses Jahr begannen; und nun, da sic hinter uns liegen: wie sind sie verflogen. - Wir schmiedeten Pläne: wieviel von ihnen müssen wir in die neuen Wochen mit hinübernehmen. - Manches von dem. »vas »vir erstrebt, ist unS gelungen: wie wenig ist es, gemessen an dem, was »vir gewollt. Menschen haben sich zusammengeschlossen, um in der Verbindung der Einzelleistung ein Großes zu verivirklichen, das dem einzelnen versagt bleiben muß. Sie wollten der Rot der Leidenden steuern, wollten den Bedürftigen die Sorge nehmen: nun, da sie überblicken, inwieweit ihr Werk gelungen ist, müssen sie sich gestehen, daß sie nur Stückwerk aussllhren konnten. — Oder sie wollten tiesen Gedanken Eingang in den menschlichen Geistern bereiten» der Frömmigkeit eine Stätte schaffen, Wissenschaft verbreiten. Liebe zu in Edlen und Schönen erwecken: es bleibt ihnen noch fast alles zu tun, iveil so winzig klein der Schritt, den sie vorwärtsfllhren konnten. Völker haben den Sinn für Gerechtigkeit heben, haben den Frieden sichern »vollen: dürften wir glauben, daß »vir dem .'jiele nahe, ja, auch nur merklich näher gekominen sind? - Was vermag der kleine Mensch gegenüber den gewaltigen Aufgaben zu vollführen — in diesem Gedanken grpfelt diese Zeit der ehrfurchtgebietenden Tage. Den Hochmut, der da spricht: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand liaben mir das alles bereitet", wollen sie auf das rechte Maß .urllckfllhren, das Augenmerk auf das lenken, »vas hätte geleistet werden sollen, und doch nicht vollbracht »vorbei» i st, auf das, »vas Menschen Ersehnen, ohne je es verwirklichen zu können. Die satte Zufriedenheit inenschlichen Selbstgefühls bedarf der Berichtigung durch die Ehrfurcht, die ihn bescheiden macht vor dem Größeren, dem Erhabenen, dem Vollkommenen. Durch alle Gebete der heiligen Tage zieht sich diese Betonung der Ehrfurcht. Uw'chen ten pachd'cho: so lege denn die Ehrfurcht vor dir. Ewiger, unser Gott, auf alle deine Geschöpfe, ui»d die heilige Scheu vor dir aus alles, »vas du geschaffen hast. W'jeeßoju kaut l'oivdecho: Alle kommen herbei, dir zu dienen ..., sie erröten bei ihren Bildern, neigen ihren Nacken zu deinen» Dienste und bekunden dir Ehrfurcht, solange die Sonne strahlt, deine Gegeimwrt suchend. Ehr^ furcht atmet Un'tzane taufef; sie läßt uns niederfallen beim Llenu l'fchabeach. Ehrfurchtgebietende Tage sollen es »verden. Was ist Ehrfurcht? Man hat aus diefein altbiblischen Begriff einen Tiefstand der jüdischen Frömmigkeit beweisen »vollen. Der Jude stehe seinem Gott gegenüber in eine»»» Verhältnis der bangen Furcht, kenne nicht das Band der vertrauenden Liebe, das ihn ohne Zagen und Schrecken all sein Hoffen und Sehne» vor seinen Gott bringen lasse. Aber nie hat Jir'oh diese zitternde, bebende Angst bezeichnen sollen, die entmutigt, Hn diesem Begriffe, der die Empfindung eines Abstandes ansdrückt, klingt ge»viß auch ein Ton de» Zagens Mit. Aber nicht vor der Unnahbarkeit des Größerem sondern vor der Schivere der Aufgabe, die eigene Kleinheit zu überwinden. Wer unsre Psalmen kennt, nicht nur ober» flächlich sie gelesen hat, sondern in die Innigkeit ihrer Ge» fühle sich einfühlte, der »veiß, daß Ehrfurcht im jüdische»» Sinne nur der empfindet, der gerade durch die heilige Scheis vor dem Erhabenen, Reine»», Gewaltigen das Verlangen bet Hinwendung zu ihm gewinnt. Aus der Anerkennung der eigenen Unzulänglichkeit »nächst die Sehnsucht nach den» Größeren; die Ehrfurcht, die das Judentum ineint. ist. das Bewußtsein, daß der Mensch nicht vergeblich nach diese» Größeren sich sehnt: „Tenn also spricht der Hohe und Erj Habens, der Eivigthronende, Heiliger ist sein Raine: Hoch unh heilig throne ich und bin doch bei dein Zerschlagenen und dem, der gebeugten Geinütes ist." (Jes. 5,7.15.) — Diesss Gefühl der Ehrfurcht »var deshalb Urkeim jüdischer Fröm^ rnigkeit, nicht einer lähmenden, sondern einer anspornenden; zur Tat aufrufenden Frömmigkeit. Und es »var die befon-j bere Kraft dieser heiligen Tage, daß sie mit ihrer eindrucks-» vollen Hinlenkuii'g auf die Ehrfurcht viel Starkes kiervorriefeist Wie vernimmt der Jude unsrer Zeit den Ruf der ehr-» furchtgebietenden Tage? — Ehrfurcht ist ein Begriff, den der heutige Mensch am liebsten ganz aus seinem Wortschätze streichen möchte. De»; Mensch unsrer Tage ist in den Wundern der Technik groß Automobil - Reparaturwerkstatt and -Vertrieb Dr. Harns Gerhardt Dresden«A., Wiener Platz 3 (gegenüber dem Hauptb&hnhof) Fernruf: 17197 Reparaturen an Wagen aller Systeme Autorisierte Werkstatt für Cbierrrolet * Automobile