Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4 iemeindeblatt der Jsra elitischen Religionsgemeinde Dresden Seid 5 Frankreich. Schweden, Belgien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Polen. Rumänien, Ungarn,- Südafrika, Australien und Indien. Die Berichte, die in den Sprachen der Länder, meist englisch, gegeben wurden, lagen im Auszug gedruckt und in engli scher- und deutscher Sprache vor. Die deutsche Reichsregierung sowie die preußischen Behörden hatten sich zur Eröffnungsfeier vertreten unii Grütze und Glückwünsche überbringen lassen. Ebenso war ne Berliner Gemeinde, die großen deutschen Verbände, die Landesverbände, der Centtal-Verein, die Zionistische Vereinigung vertreten und überbrachten Glückwünsche. Am Sonntag vormittag fand in der Synagoge der Berliner Reformgemeinde ein Festgottesdienst statt. Klar kam bei den Erörterungen der Tagung der Unterschied zwischen Reform und Liberalismus zum Ausdruck. Die Reform hat an die Stelle des alten Judentums ein yeues gesetzt, an stelle des Sabbatgottesdienstes hat sie den Sonntagsgoti esdienst, die Gebete sind vorwiegend in deutscher Sprache geh Uten, es fehlt die Verbindung zum alten. Ter Liberalismus teht aus dem Boden der Tradition, er will eine organische Fortentwicklung des Jrcdentums. Für seine Schöpfungen ist nicht maßgebend, was neu oder zeitgemäß ist, vielmehr auf dein Boden des traditionellen Judentums stehend, will er die Gedanken und die Lebensformen des Judentums in Uebereinsi immung bringen mit den Erfordernissen des Denkens, mit de r Forderungen der Sittlichkeit und den Notwendigkeiten de<> tätigen Empfindens. Dennoch soll und muß auch die Refc rm dem liberalen Weltverband angehören, da das liberale Judentum aus keine Richtung verzichten will, die ihre Zilgehörix keit zrim Judentum betont und den Gedanken der Entwicklung anerkennt. Es wurde im Verlauf der Tagung mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß, während die orthodoxe Gemeinde Adas Jisroel von ihren Mitgliedern -en Austritt aus der Hauptgemeinde verlangt und sich damit aus der Gemeinschaft ganz Israels hinausbegibs, die Berliner Reformgemeinde von allen chren Mitgliedern verlangt, -aß sie zugleich Mitglieder der großen Berliner .Hauptgemeinde sind. Aber so sehr der Gottesdienst der Reformgeme nde aus denr Rahmen jüdischer Tradition herausfällt, hatte > ran dennoch auch bei diesem Gottesdienst die Empfindung bc r Gegenwart Gottes: auch dieser Gottesdienst war wieder überfüllt und die Teilnehmer waren andächtig ergriffen. Eine Frau hielt die Predigt, Lily Montagu aus London. In der anschließenden Sitzung, die wieder im ehemaligen Herrenhausc stattfand, kamen die Hauptredner zum Wort.- Es prachen: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin, über „Die Bots, hast des liberalen Judentums von heute." Mr. C. G. Mcntefiore," London, über „Die Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben des einzelnen". Rabbi Tr. David Philipson, Cincinnati, über , „Religiöses Leben des einzelnen und der Gemeinschaft". Rabbiner Dr. Joseph Lehmann, Berlin, über „Der Einfluß des liberalen Judentums auf die soziale Arbeit". Nach einem gemeinsamen Frühstück fand eine geschäftllclie Sitzung statt, in der die'Fragen der Organisation besprov>en wurden. Um 6.30 llhr veranstaltete die Vereinigung ür das liberale Judentum in Deutschland eine Gedenkfeier ur ihren verstorbenen Vorsitzenden und Gründer Bernhard Breslauer. Für abends hatte Herr und Frau Lachmaun Masse die Delegierten und Ehrengäste zu einem Festabend im Mosse-Haus am Leipziger Platz eingeladen. Es um rin wunderbares Bild, die 475 Anwesenden aus allen Ländrrn durch die großen herrlichen Räume des Mosse-Hauses flusen zu sehen. , Die Festtagsstimmung, von der alle Teilnehmer srgriAen uxrren, hielt auch am kommenden Tage an, als in der 1 is kussion die Gedanken des Liberalismus neuen Ausdruck urib neue Klärung fanden. Man war überwältigt von der Fille der Gedanken und enipfand, daß in Wahrheit der'Libera ismus dem Judentum und der Welt eine Botschaft zu r erkllnden hat. Es ist nicht möglich, in einem kurzen Bericht diese Gedanken wiederzugeben. Auch vermag mir das gesprochene Wort einigermaßen das ganze Erlebnis zum .Ausdruck zu bringen. Ich hocke die Absicht, der Dresdner Gemeinde in einem Vortrag die Gedanken und Stimmungen )es Kongresses zu vermitteln. In besonderen Sektionen tour >en am Nachmittag Fragen des Gottesdienstes, der Jugend erziehung und des häuslichen Lebens erörtert. Da die 1ersammlung fast einstimmig einen Antrag auf Schluß der 2 iä kussion, die am Vormittag um 12.30 Uhr beendet sein sollte, sich aber bis 2 Uhr ausgedehnt hatte, abgelehnt hatte, mutzten mich am Abend nach den Sektionssitzungen noch mehrere Stunden der Aussprmhe gewidmet lverden. Statt um 7 Uhr konnte die Tagung erst um 10 Uhr geschlossen werden. Mit einem Gebete des Rabbi Mattuck ms London sollte die Sitzung schließen, aber nach dem Gebete erhob sich spontan die Gemeinde und sang stehend En kelauhc nu. Die Tagung war der gewaltigste Eindruck, das größte relig öse Ereignis meines bisherigen Lebens. Das Ganze war ein Gottesdienst. ■ «SCHOKOLADE - PRALINEN KAKAO /• Erlangen Sie bei Jhflem Zigarrenhändler die neue 6 A vmane ZIGARETTE