Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4 iemeindeblatt der Jsra « litischen Religion-gemeinde Dresden Nr. 4 zur Idee. Hat die Musik, sagt Plato, unseren Charc kter an das Schöne gewöbnt, haben die mathematischen Wissenschäften uns vom Sinnlichen zum Uebersinniichen tinübergeleitet, so trägt uns die Philosophie zum Wesentlichen des Denkens, zu den Ideen. Tie Ideen sind die Urbilder der Erscheinungen, der Tinge. Tie Tinge sind den Ideen immanent. Sie gehören der Körperwelt an, aber ils Ab» glanz einer höheren Welt, mit der die Seele uns vermittelnd verbindet. Aus einer höhern Welt in den irdisch n Leib berabgekoinmen, kehren die Seelen nach dem Tode, nenn sie ein reines und dem Höheren zugewendetes Leben geführt haben, wieder in ihre .Heimat zurück, während bi< Besse - rungsbedürftigen teils jenseitigen Strafen, teils einer Wanderung durch menschliche und tierische Leiber unterivorien werden. In einem früheren Tasein hat uns:r Geist —die Ideen geschaut, an die er'sich beim Anblick ibr:r sinn- «'lichen Abbilder wieder erinnert. Ta die Seele als» ihrem wahren Wesen nach der übersinnlichen^ Welt angeh. irt und mir in dieser ein wahres, dauerndes Lein zu finden ist, so wird sich der Besitz des Guten oder die Glückseligkeit, welche das letzte Ziel des menschlichen Lebens bildet, nur durch Erhebung in jene höhere Welt erreichen lassen; der Leib dagegen und die Sinnlichkeit sind ein Grah und Ke ker der Seele. Tie wabre Bestimmung des Menschen lief t daher in jener Flucht aus dem Tiesseits, in jenem philoscphischen Sterben, zu dem der göttliche Eros den Philosophe r, d. h. den wahren Menschen berechtigt. (Dgl. Phädo und Theätet). Tie Gottesliebe befreit den Menschen. Sie g bt ihm „seliges Vertrauen", d. h. die Kraft, die auf das L bjektioc autzerbalb feiner gerichtet ist: auf die Gerechtigkeit. Turch gerechtes Tun, so lehrt sie, durch Mischpat und Zedala. durch Werke der Liebe und des Erbarmens, Cbesed und Rachamim. am andern, am Nebenmenschen, kommt der Merscy zur Ejgenwürde. Ter Zweck seines Daseins ist in diesem System der Nebenmensch, das Weib, das sich der Pflicht »er Ehe beugen, der Mann, der sich der Pflicht am Ganzei unterordnen kann. Nicht also ist die Befreiung, die der Eros bring Ganz auf den Intellektualismus des Erkennenden aufgeba it. weist er diesen nur auf sein Ich, auf die Erhebung seimr Seele anr dein Kreise des ihn Bedrängenden, auf seine Gl ücks.'ligkeit hin. Nicht nur die körperliche Außenwelt. euch der eigene Körper erfährt in diesem System das Urteil d<r Wertlosigkeit. Von bier aus wird das Fleisch „sündig", d e ganze Natur das Reich der Sünde. Im System Platos in der Lehre vom Eros, liegt jene Lehre der Weltilncht jene Aufforderung zur Abtötung des. Körpers vorbereitet, die später in den Mittelpunkt der Lehre des Juden aus Tarüs. des paulinischen Systems, getreten ist. Tie Lehre von der Gottesliebe kennt nur den rrcndcn Menschen, die Eroslehre den wertlosen Mensche i. Tie Gottesliebe heisit den Menschen zu seiner Befreiung am Leben „wirken", strebend sich bemühen und weift hm als Ziel: Erhöhung. Derüttlichung des Lebens. Tie Le »re vo»n Eros heisit ihn sich hinauszusehnen aus der Irdis hkeit in die Glückseligkeit, in das in sich ruhende Ich. Hier stärkster Subjektivismus, dort die ewige Lehre: Wer Gott licbt. liebt die Menschen! ' «Frankfurter Gemeinde Katt.) Tagung des Wellveibaudes sür religiös-liberales Judentum Don Rabbiner Dr. Albert Wolf, Dresden Dom 18. bis zum 22. August 1928 fand in Berlin die Tagung des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum . statt. j Ter Eindruck der Tagung ivar überwältigend. Schon in den Vorkonferenzen am Freitag zeigte sich die eigenartig . jüdisch-religiöse Wirkung, die von der Tagung ausging. Am; Abend fand ein Gottesdienst statt im Rahmen der Freitagi abend-Gottesdienste, die dH liberale Verein Berlin-Norden! allwöchentlich abhält. Die Synagoge war überfüllt. Dicht gedrängt standen die Menschen in den Gängen. Dieser Gottesi dienst, eine Schöpfung des jüdischen Liberalismus unsrer Tage ,ist ein wahrer Gottesdienst. Kein > Kunstgesang, ein kleiner freiwilliger Chor aus Gemeindemilgliedern gebildet.! aber die ganze Gemeinde singt mit. Der Gottesdienst, jedem verständlich, jeden fesselnd und innerlich erhebend. Die Prej digt hielt der amerikanische Rabbiner Morgenstern in eng- 'lischer Sprache. Man empfand, die Sprache braucht die Menschen nicht zu trennen, Gott ist der Vater aller Menschen.; So sie zu ihm, dem einen, beten, bilden die Völker eine! Einheit. Den eigentlichen Auftakt der Tagung bildete der Feftgottesdienst in der Synagoge in der Oranienburger Straße am Sabbatvormittag. Noch stärker war da der Eindruck, da Tausende die weiten Räume der Synagoge füllten. Uebern»ältigend, als beim Schmäh aus innerstem Empfinden heraus die 3000 Besucher des Gottesdienstes mitsangen, ergreifend, als der zuerst zur Thora Aufgerufene laut vernehmlich den Segensspruch über die Thora in sephardischer Aussprache vortrug. Gespannt lauschten die Zuhörer der einstündigen Predigt, die Rabbiner Dr. Seligmann, der Vorsitzende der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands, hielt. Er kündete das Lebensrecht des religiösen Liberalismus, besten Bottchast. wie die Botschaft des wahren Propheten, , auS göttlicher Berufung stamme. Dem Gottesdienst schloß [ sich ejn Frühstück an, das der Vorstand der Jüdischen Gel.meinde Berlin den Delegierten und Gästen gab. Am Nach-! mittag fanden sich die Delegierten zum Tee bei Frau Sachs ein. die ihre Räume zur Verfügung gestellt hatte, damit die Delegierten aus den vielen Ländern sich persönlich näherkommen sollten. Abends um 8 Uhr fand die feierliche Eröffnung der eigentlichen Tagung statt. Gewaltig der Eindruck und die Stimmung! Da war der Geist und die Kraft des Judentums der Welt vereinigt. In den Räumen des' ehemWigen Herrenhauses drängten sich die Menschen, alle festlich gekleidet. Bis auf den letzten Platz war der Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses gefüllt. An den Wänden und auf den Tribünen stand dicht gedrängt die Menge und viele, viele fanden keinen Einlaß. Am Tische des Präsidiums der greise Claude Montefiore. Daneben Lily Montagu, Rabbiner Germain Levy aus Paris, Rabbiner Mattuck, London, .Heinrich Stern. Vorsitzender der Verein igun-> für das liberale Judentum in Deutschland. Ein Gebet leitete die Tagung ein, Montefiore begrüßte die Versammlung. Es folgten die Berichte der Vertreter aus Amerika, England, Deutschland, HAUSFRAUEN,VORSICHT BEIM EINKAU^gJ^UTTER KAUFT NUR VOLLWERTIGE M BUTTER!f DR E M A A.G. BUTTER DRhMA A.ü., WURZBUPbEk oTH.'?, r-ERNk jr "1"''" 5