Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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«t.4 ■'iw;pa <v«-y jw.» - — feiltejnbebtatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seile wachte in seiner Brust ui^d braute alle Qualen, deren Liebende fähig sind. Und als sie sein drittes Kind ihm geboren,! verlieh sie ihn ganz — sie war schon lange nicht mehr sein Weib, und auch chre Kinder waren! nicht - seine Kinder. Aber jetzt erst, nach der Trennung, fijhlte Hosea die ganze Tiefe seines Schmerzes, so daß er vor sich selbst erschreckend erkenjnt: das! ist die Liebe, die Liebe, mit der er auch jetzt noch dieses Weib! liebt, trotz allem, was geschehen. Und als sie in Not gerate».i und man sich an ihn wendet, da will er zuerst sich r icht er-! barmen und erbarmt sich schließlich doch. Sie war einmal! reiner Gefühle fähig gewesen, sprach er zu sich, vielleicht i wußte ich nicht genug, sie zu festigen. Sicherlich glichen auch jetzt noch die Funken dieser Liebe unter dem Staube, der das Herz bedeckt: warum sie nicht schüren, bis sie zur lichten flamme werden? Vergessen mutz er alles, was Gewesen, und sich ihr zuwenden mit einer alles verzeihende r, alles (Geschehene vergessenden Liebe. Uird er holt die Ungetreue ui sein Haus zurück und ist gut zu ihr und milde, aber abrvartend und prüfend, und legt ihr Taten auf, bei denen edle Handlung mit reiner Gesinnung sich paart, in Werken der Liebe -und des Erbarmens sich zu üben. Und er weckt so ihr Vertrauen zu sich selbst, ihre Liebe zu Gott!! Spricht der Prophet von sich, von seinem eigenen Schicksal, spricht er von dem, was Gott ihn als Schicksal seines verirrten Volkes scheuen lieh? Wäre es nicht das Erlebnis ieineS Herzens gewesen, es hätte nicht sein Gotteserlebnis iverden können. Hätte nicht Gott seine Seele wacigcküht, er wäre der Schwere seines Erleidens, seinem Schiksal erlegen. Nur soweit wir in Gott den Grund alles <schicksalbasten erkennen, sind wir Ueberwinder des Lebens, j erwacht tief in unsrem Inneren „seliges Vertrauen". Alle unsre Propheten halten daran fest, haß sie nur davon Zel» nis oblegen, wovon die Seele zeugen kann, von dem, was Gott für ihr Erleben bedeutet. Ter Drang nach Liebe r nd Gerechtigkeit zwingt sie zur Gottesliebe, macht sie zu Bezwingern des Schicksals, läßt sie auch bei drohendem Üntergcng, bei der politisch unvermeidlichen Katastrophe, die dein Volke bevorsteht, sprechen: Kehret zurück zu der ursprünglichen Reinheit, in der Gott euch ^erschaffen, und ihr werdet gerettdt. Hasset das Böse, liebet das Gute, stellet das Recht, das niedergetretene, wieder auf; suchet so Gott, und ihr werdet leben! Und die Geschichte hat ihnen recht gegeben. ^)!ie hat sich das Volk der Propheten dem Schicksal ergeben, Schicksal-1 schlüge weckten bei ihm entschlummertes Vertrauen, und es erstrebte die soziale, die gerechte Tat zu seiner Erlösung. Sein Vertrauen ist nach außen.auf das Objektive gerichtet: auf d'e (Gerechtigkeit. Darum kämpft dies Volk und kaitn nicht sterben. Seine Sünde ist nur die gedankliche Verirrung. Erkenntnis Gottes, wo sie erstrebt wird, führt asich den tiefsten Sünder immer wieder auf den rechten Weg, den Weg des Lebens. In dieser Anschauung stand das Judentum der gesamten heidnischen Wels diametral gegenüber. Mit der Naturhastigkeit alles Seins war dort auch die Unverrückbarkeit alles Geschehens gegeben, nichts hing hier mehr vom sittlichen Willen des Menschen ab. Man konnte aus dem Bereich der Natur, aus den Linien der Hand das Schicksal eines Menschen ablesen, ursächliche Zusammenhänge erschließe« , dem Aberglauben lvar Tür und Tor geöffnet. Für die Frei - heit des Willens war in dieser Atmosphäre kein Raum. Es können nur Wunderdinge geschehen, und der Mensch' kan r eigentlich nur resignieren. Solche Anschauung spiegelt sich in der Dichtung, bei Aeschylus in seiner Trilogie und t»i Sophokles in der Ledipus-Sage. Noch viel eingehender aber besingen die Dichter und gestalten die Bildhauer jene ui - «viderstehliche Macht, die von der Liebesgöttin Aphrodite au-- geht, die Herzen und die Sinne zwingt und darin ihre güt liche Berechtigung und ^ür die Menschen ihre Erklärung findet. In der Ilias und Odyssee erscheint Helena als die gegen ihren Willen und durch däinonischen Einfluß B>- zivuugeue, ihrer Heimat und dein trefflichen Menelaos Entführte. (Odyssee IV. 261 ff.) Und in der Argonauten- Sage verwandelt sich Medea geradezu zur Megäre, die sich über alle Kindespflicht und Schwesternliebe ohne Bedenken himvegsetzt. Aphrodites Liebeszauber schildert uns Pfudor als so stark, daß er den Frauen alle Scham und Scheu ars der Seele reißen kann. Aber seine Muse perherrlicht nichts, destoweniger die hehre Göttin, die, »vie er eS selbst neicheu, in ihren Tempeln zr« Theben und Korinth Tausende voin Mädchen in ihren heiligen Dienst zwingt, die an den Frü!>- lingsfesten ihre bezaubernden Sänge erschallen lassen m d ihre zierlichen Tänze ihr zu Ehren tanzen, die Künstler , >« herrlichen Schöpfungen begeistern. Seit Skopas, Präriteli s und ApellcS wurde das Bild des liebeatmenden Weibes, wje eS im Frühliny der Meeresflut entsteigend die ganze Nati r init seinen Trieben erfüllt, immer inehr zum .Hauptgege rstand der hellenischen Kunst. Vielleicht fangen auch wir schr n an in diesem Zusammenhang verständnisvoll zu erahiic r. warum Jahrhunderte hindurch die jüdische Lehre kunstfein )» lich war! Ist die Lehre der Freudschen Theorie von dem seit dem Ursprung bei dem Menschen überwiegenden Sexualtrieb terechtigt, so waren hier sicherlich die Lebensformen und Bräuche nicht dazu angetan, notwendige Heinmungen hervcrzurufen. Oder soll die Kunst, die schöne Formung diise Zügelung bewirkt haben? Das Leben, der Verlauf der beschichte, der Verfall der Familien und damit zusammenhängend der Staaten gibt unS eine klare Antwort, und uir verstehen darum Schillers, des Kant-Schülers, Ausführung:ii um so besser, der uns nachweist, daß in der ästhetischen Erziehung nicht nur nickst (Yarantien für das ethische Verhalt::« gegeben sind, daß geradezu Gefahren von hier für drs ethische Verhalten entspringen können. (Schillers kleincre philosophischen Schriften: lieber die notwendigen Grenz?» beim Gebrauch schöner Formen.) Konnte nun auch die Aesthetik von der furchtbaren (Gewalt der aphroditischen Macht nicht befreien, konnte sie höchstens sänftigend . und harmonisierend wirken, ohne ethisches Handeln und damit Freiheit zu erwirken, so erzog doch hierzu um so mehr der Eros, von dem der göttliche Plato gesprochen, in dem alle Philosophie ihre Wurzel hat. Der Eros ist das Streben des Sterblichen, sich zur Unsterblichkeit zu erheben, er erwirkt das Fortschreiten vom Sinnlichen zum Geistigen und die Hinwendung des Geistes 1 Kakao Schokolade I Pralinen i 2323534853484853234853534848235323234801535348482348484848485353232323485323484823532323535348534823534853532323235348482353534848232353535353234853230153234853484848232348532348235348484853534823235353232353234823