Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-08-01 · 4 (8.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
4 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4892693-5739357-5769841--0896-4893520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 emeindeblatt der Israe' itischen Religionsgemeinde Dresden bei« i seufz l Ire ist Und II uö die Stimmen leiser sind, wie meint jemand zu fürchteten. Und diesen Jemand siebt man nicht. Mai ihn nur. Er schwebt über den jüdischen (lassen dort alten jüdischen Städtchen -- ein Geist, der in den Eli sie ernster, stiller, langsamer. inelancholischer stacht. Es hiiintt an den Tagen wie ein leichtes Wölkchen, keine ickivere Sorge, und doch eine Sorge. Man still spricht der Jude zu sich, nur zu sich: s.Schon Elul. schon bald Mitte Elul." Mein kleines, junges Hirn verstand damals noct iiHt-i das bedeuten soll. Aber ich war beunruhigt. Ilnriiibe pflegte zu ivachsen, wenil aus dein Nachbargsi in depi sich das Betb-bamidrasch' befand. Schofartöne Lbr drangen. Großvater ko:nmt aus der Schul'. Das Zusamme des Tallis^ nimmt ibn länger in Anspruch als sonst, nachdenklich, ernst.-gebt in der großen alten Stube a ab und summt eine chassidische Melodie. Tritt ans siebt die Vorhänge auseinander, seufzt, und ich h fagün: ..Ach, schon Elul. .schon bald Mitte Elul. Später rückten die Slickoß-Tage' heran. Tie Mciicbtcr an nulten Er ist is und Fenster, öre ihn werden noch verträumter, noch trauriger, Ich erinne an das Aufsteheu vor Sonnenaufgang. Großvater fiili rt mich durch die dunklen Gäßchtzn. Es ist schon kalt. Räder I narren irgendwo. Ein Tor geht auf, und ein verschlafener Bauer trottet mit dem Wasiereimer zum Brunnen. In lange Reihe streben Fuhrwerke dem Markte zu. Großvater geht schwer gend. mit den Gedanken in einer andern Welt. llötzlich lmitet er stark, läßt meine .Hand los und lehnt sich a i einen 3aitn. Ich stehe zitternd daneben. Aber ick bin zi frieden und dankbar, daß mich (Großvater ausweckte und zu -^lichoß mihnahm. In dein großen Zimmer mit dem erdigen Fußbad m. das als Beth-bamidrafch dient, sind schon die Lichter angezündet. Und durch die zwei kleinen Fenster erblicke ich die Zeter in Werktagskleidern, aber in Feiertags-Andacht. Feierlich still senden sie die Gebete zu Gott empor, und ich denke, alte jüdische (statt diese Gebete vor Sonnenausgan i lieb haben muß als alle andern. Stille, stille Gebete nicht wie an den ..Tasten der Furcht", hohen nesttagen "-uden schreiend ihren Gott gleichsam an den Roc schößen Nr. 4 idigen fühlt n den ltagen nicht, die ißchen, mein e mich >aß der mehr ind es, da die anders als sonst werden sie auSsehen. die kleinen Krämer. Eine Zigarette drehend, wird einer zum andern sagen: ..Ja. so ist es. Elul. Schon Ende Elul. gelobt sei Gott." Und wird sich entfernen, ohne eine Antwort abzuwarten. Jahre, viele Jahre sind seitdem verstrichen. Großvater ist siestorben. Tas Beth-hamidrasch steht schon lange nicht mehr an der alten Stelle. Und ich gehe nicht mehr zu Slichoß. Aber die Elul-Motive klingen in mir wie früher. Der Text ist ein andrer geworden, die Melodie dieselbe geblieben. Ich höre sie in allen Liedern, die bei uns gesupgen werden, ich fühle sie in den edlen Tränen, die im stillen vergossen werden, und in der Frage. die meine Frlrundin an mich richtet: Warum ist'S so traurig, so kalt und finster? Warum schmerzt die Seele so? Ich habe ihr nichts zu autworten. , Ich erinnere mich an die stillen SlichoßfTage von einstmals. an Großvater, der über die große Stube ging, ans Fenster trat, die Vorhänge auseinanderzog und traurig sprach: „Ach. schon Elul, bald Ende Elul." Hilf uns. Herr! Verlaß uns nicht. Wir drängen dich nicht, wir bitten nur. Und bitten darf man doch .... Nein. weich. '.asten und ihn nickt lasten, bis er ihnen vergeben hat stille <4ebete: Hilf uns. Herr, verlaß nnS nicht! S io elegisch, so bittend klingt die Stimme der kleines Beterschar. Nack dem Beten werden sie wieder auseinandergthen. in die Läden, aus den Markt. Weizen und Flachs kaufe >. Aber * Lehr- und Verhaus. ' (stebetmantel. * Tie lepte Wockc vor dein Neujahrsfeste. Gottesttebe und Eros Eine Lkizze von Dr. B. M a t) „Ich lieb ihn — wie er ist! Grausam und gnädig. Lauteres Licht — und Abgrund finster tief!! Ich laß ihn nicht! Ich weiß: zu ihm gehör ich!" Tiefe Wort Beer-Hoffinanns.in Jakobs Traum charakterisieren in einer Kürze, die nicht mehr zu überbietcn ist, unsre jüdische Gottesliebe. Aus Liebe zu ihm konnten alle Versprechungen nickt locken, alle Drohungen und Martern uns nicht abschrecken. denn so sagt an der gleichen stelle der Tichter: „Tief in mir — wohin Wort nicht mehr dringt, schläft — was dir fremd ward: Seliges Vertrauen." Worauf gründet sich solche Liebe? , Gibt es ein Erkennen in der Liebe, kennt Liebe Gründe? Ist denn nicht, wie die Freudsche Lehre uns zeigt, die irdische, ja die irdischste Liebe Sehnsucht nach dem „Ursprünglichen" in des Wortes eigentlichstem Sinne, also auch ettvas Unbegreifliches! Wieviel mehr die Liebe zu Gott. Wie wäre die Frage: Warum lieben wir Gott? anders zu beantworten denn durch ein Gleichnis? Tieses Gleichnis hinterließ uns Hosea, der in die tiefsten sozialen und sittlichen Verirrusigen seiner Zeit lind insbesondere seines Volkes hineinleuchtete und noch unter der Asche des in egoistischen Wehamt untergehenden Volkes die Funken glimmen sieht, die nicht erlöschen können, weil Gottes Hauch sie einst entfachte. Mit der ganzen Glut seiner Seele liebte er jene Gomer, die arme, aber schöne Tochter aus seinem Volke, und er heiratete sie und war glücklich. Aber nur kurze Zeit, denn sie war nicht treu. Die Eifersucht et> KOCHBA DERJPORTVEREIN BAR KO CH BÄ. E.V weiht seinen Sportplatz am 14. Oktober 19t8 ein Jr Näheres in der nächsten Nr. d. BI. an gleicher Stelle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.