Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden i Nr. 3 WENN SCHUHE ANH&Mfc aGe Ar& Burgen flfi Dresden, lohannm. 21 »ackiciiiandcr vor dir Kallü, >md jeder legt ein oder mehrere gliche, die am stopfe mit Blumen und am Leibe mit Rauschgold geschmückt sind, zu den Düften des Mädchens hin. Tiefe mus; nun tanzend über jeden Fisch hinweghüpfen. Auch der Fisch bedeutet die Fruchtbarkeit und eigentlich mehr noch ol* der Weizen und das Hiihnergcschlccht. Auch ein andrer Brauch, der bei den ivestdcntschen Inden noch vor kurzem im Schwange war, deutet auf diesen Wunsch der Fruchtbarkeit hin. Bei der Ehrißne-Zndc (Hochzeitsm.ihl) ivird der Braut ein rohes Ei zum Verspeisen gegeben, um symbolisch ibr'zn ivünsckx'n. das; sie leicht gebären möge, wie das Huhn ein Ei legt. - Ueberhanpt gebärt das Hockizeitsmabl zn den wichtigsten Erfordernissen einer solennen Hochzeit. Rach cinenl kleinen vorangegangenen Imbiß bittet der Marichilek, d. h. der Festordner und Lnstigmackscr die (Gesellschaft in den Hochzcitssaal, aber die Männer >md die Frauen nicht zusammen. Voran tritt das Brautpaar ein, nach denen Rabbiner und Vorbeter konlmen. Tein rituellen Händewaschen folgt das Anschneiden der großen Hochzeits-Elsalle (Barches) mit dem üblichen Segenssprucb nnd dem Verteilen der Stücke an. die Mitipeisenden über die Tafel hin. Sckckießlich klingt das Hochzcitsniahl in das Benschen ans, in das die neben Segeiissprücbe für Brant und Bräiltigam nackt einmal cingenigt und. Gelegentlich nahmen nicht bloß Richtjnden au jüdischen Hochzeiten teil, wie wir das z. B. von Sckwnebcck nnd -Umgegend wissen, und wie man erst recht in den l>enachbartcn Städten Anhalts noch »in die erste -Hälfte des nennzebnten Jabrbnndcrts die gegenseitige Teilnahme der jüdischen und der christlichen Familien an ibr«tn Familienfesten kannte, ohne daß darum die religiösen Formen irgendetlvas einbüßten. Gelegentlich wurden die Juden sogar in der Zeit des Leibzolls von einzelnen kleinen Fürsten ihrer besonderen Gnnst gewürdigt. Ans Mecklenblirg ist uns das bcrzlick>e Verbältnis von einzelnen Inden zn gewissen ihrer Landesberren gut bekannt. Nicht minder erwies der Alte Tessaner, der ja auch sonst gern ins Volk „Hinabstieg", gelegentlich einigen.Inden besondere Gunst. So ließ er die Trauung der Binder seiner beiden Hofjnden Konrad Jakob nnd Beßchen (Pcßchcn) Ealntann auf dem Residenzschlosse vornehmen. Tie ganze jüdische Gemeinde mußte um ein llhr aizs dem Schlosse erscheinen. Das Bedecken der Braut wurde in einem Saale vollzogen. Tann zog man mit fröhlichcr Musik zur Chuppa. die im Schloßgarten aufgestellt war. Tie hohen -Herrschaften schauten von den Schloßfenstern dem Nie zn. Nach der Trauung zog dann die .Hochzeitsgesellschaft durch die. Straßen von Tessau wiederum mit klingendem Spiele znm Festhause, und bis tief in die Nacht hinein wurde gespeist, getrunken, getanzt und gefeiert. Tie -Hochzeitsgcschcnke sind natürlich ganz verschieden nach dem Lande und nach dem Stande. Bei einer reichen -Hochzeit norden ganz andre Geschenke dargebracht als bei einer armen. Als der genannte Konrad Jakob des andern Hofsuden Tochter Beßchen Calmann sain 4. Februar 1740) heimführte, gab der Tessaner Landesherr, der sich als der hohe Gönner seiner beiden .Hofjuden fühlte und zeigte, dem Brautpaare bare hundert Speziesdukaten im Werte von 275 Taler. Er verlieh ihnen Befreiung vom Schutzgelde und zahlte 30 Taler, damit das junge Paar dafür Synagogenplätze erhielte. Zn einem neuen Rocke bekam der Vater des Bräutigams 25 Taler, der Eboßen selbst 30 Taler. -Hierzu kamen ein gemästeter Lckis im Werte von 40 Taler, ein fcttev Hammel (3 Taler), ein Fas; Koschcrwein (42 Taler). Tie Fürstin gab zur Ausstattung der Braut 40 Dukaten d. h. 137 Taler und 12 Groschen, ferner ein properes Brautkleid, die Erbprinzessin eine propere Mütze und die Haube, unter die die Braut kommen sollte. Endlich stifteten die Prinzen und Prinzessinnen entsprechende Geschenke >vie Leinwand zum Bettlaken, einen Fischbeinrock und dergleichen mehr. Ta hatte natürlich der Festordner eine angenehme Aufgabe, die Hochzeitsgeschcnke auszurnfen. Es war nämlich Sitte, daß die Brautgeschenke vorgczcigt wurden, und daß der Marschalik ansrief, von wem die einzelnen Stücke gekommen wären. In Berlin vertrat diese Ltellc der „Server", der noch bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinein bei Hochzeiten seines Amtes als Festordner und Tischdiener waltete. Es gab bcrühmte Marschaliks, die dn/ch Erzählung passender Schnurren oder durch Deklamieren und Singen selbstversaßter Gelegenheitsgedichte sich einen Namen gemacht haben. Zu den in Deutschland bekanntesten gehörte auch Löbcle Fatt oder Fürth, der wegen seiner bösen Zunge und seines schlagenden^, meist beißenden Witzes sich eines großen aber nicht immer guten Rufes erfreute. Vielfach findet man noch beute in jüdischen Familien^» .Hessen und Mitteldeutschland ältere jüdische Hochzeitsrattznina in deutscher Sprache und mit jüdischer Schrift, die s^ch in der Ueberschrift „Ein hübsches Kallelied" nennen. Oft. sind sie in der Art wie die Stammbuchblätter von mehr oStt weniger geschmackvollen, zuweilen künstlerischen Randleisten und zum Teil farbigen Bildern begleitet. Taß die aschkenasischen Indens bei gewissen Gelegenheiten den „Kittel" anziehen, der auch als Sterbegewand dient, ist bekannt. Besonders am Jom-Kippur und beim Seder wird das weiße Gewand hergenommest. Abet nicht weil es das Totenkleid ist, zieht man es an» Versöhnungstage und nun gar beim Seder an. Vielmehnist es ursprünglich das weiße Festkleid, das der orientalische Jude am Feiertage trug, und das er dann als Toten^ewand erhielt. Nicht das Kleid, das dem Tode gehört, trug man auch am Feiertage, sondern umgekehrt ließ man seinen Toten im besten Festesgewande zur ewigen Ruhe einbetten. Nachher freilich in den vielen Jahrhunderten unendlicher Äeiden nahm der „Kittel" mehr und mehr den Charakter grqde des Totengewanides an. Ein andrer Brauch. 8er bei den jüdischen Hochzeiten und auch Verlobungen in die Augen fällt, ist das Zerbrechen eines Gefäßes. „Scherben bedeuten Glück!" und mit „Masseltoff". dem Wunsche eines günstigen Gestirns, wird das Zerbrechen begleitet. Ursprünglich mag hierin eine Vorstellung gelegen haben, die nicht auf jüdischem Boden erwachsen ist. Sie erinnert in etvxis an die Furcht vor dem „Neid der Göttckt". Man will Vorbeugen, daß bei gar zu viel Glück leicht ein Unglück stch melden könnte, und so opfert man dem- Geschicke einen Gegenstand, dessen Zerbrechen man sonst sehr