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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-07-01 · 3 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
3 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 3 iemeindeblatt der Israelitischen R,ligionSgemeinde Dresden iveigerte. die (beschenke anzunehmen. Bescheiden aber entschieden wies sie sie zurück. Endlich lies; sie aber doch durch, eine Trau ihrer Umgebung die überbrachtcn Zeickmi der Aufiiierkiaiiikeit aniietmien. Bei diesen flcflcnicittfleii (steschc'nkeu U'idti'ii (Gürtel und Schleier für die Braut, Ring »nd Schube für de» Bräutigam eine besondere Rolle. Rach deiä feierlichst'» stnasmabl kannte das jüdische Mittelaller in TeutichKmd auch noch das Test der Bachuriin. Ser Bräutigam gab nämlich den ilnii besrenndeten Tunggesellen eine, besondere Festlichkeit, die nlit viel jugendlichem Uebernnit und jauchzender Fröhlichkeit begangen wurde. - Sie Zwischenfeicrtage des Laubhütten- und des Bestach festes waren in der Provinz Posen seitdanger Zeit die beliebtesten Tage, um Bcrlobiingen zu feiern. Tas ^rühliu,issest ivar dazu noch beliebter als der Herbstfeiertag. Leun aber daun die Hochzeit a» Lag-b'Lmer. wie das Brauch ivar, 'statttiudeu sollte, so gab es eigentlich nur pine kurze Zeit, »äinlict, einen einzigen Monat für den Brautstand. Tas ent 'brach der Ansicht, daß ein langer Brautstand nichts (state:- »nt ücki bräck'te. Aber wenn auch die Zeit nur kurz ivar, ne reickite hock; in der mittleren und erst recht in der Kleinstadt bin. »ui alle Verhältnisse beider Seiten in allen^ Familien geuügend zu bespreclst». Drüber wurde noch'am Sonnerstag vor der .Hochzeit im Haitic der Braut ciiw allgemeine (stasterei abgebalteu. An diesem Tage uxir es, >vo ber Rabbiner oder der Porsteber der (stcmeiude der Braut einen silbergeichmückten :e,iictel''vom Bräutigam als (beschenk überreichte.?Weuu aber daun die .Hochzeit selbst kam, so ivurde ne ein Test nick't blos; für die beiden beteiligten Familien und ilire Verivaudten. sondern für die ganze jüdische (stcmeinde. Am Hochzeitstage war es selbstvcrständlick,. das; die Brautleute bis zur Beendigung des Tranaktes fasteten, lim 'es ihnen einigermaszen zu erleichtern, ivurde deshalb die Ebuppa mcnil gleich Hack) Mittag gestellt. Sie Trauung fand vor allem Polkc statt. Sie Eluippa. d. h. der Baldachin, der den Tranbimmcl darstcllt, stand unrer freiem Hinimel hinter der Schul. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde die Trauung in die Snnagoge selbst verlegt. Ser Trauhiminel ruht aus vier Stangen, die von,vier deui Brautvaare besonders befreundeten meist jungen Männern gehalten iverden. Zwischen den Stange» bangt eine irfön gestickte Secke, die sehr oft den Sternenhimmel verüun bildlicht. Ser alle Brauch, das; Ebofzen und stalle durch die Stadt hinter die Schul geleitet nvrdeu. und zirxir der Bräutigam besonders und die Braut in besonderem Zuge, bat sich bis zuletzt in der posenjctx'ii .Kleinstadt gehalten. Aus alten Beschreibungen und Abbildungen wissen wir. das; auch die deutschen T»de» des Mittelalters und noch des aciztzehnten chibrhunderts edeuialls die jungen Leute in gleicher Weise :uit Munk, die von ^uden geniadst ivurde. hinter die Schul geführt bab>en. Sic haben dafür den besonderen..Ausdruck „Meientühren". Als „Maa'enführen" kennt man diesen Brauch noch heute z. B. in der Rhön. Vielfach hielten die Hochzeitsgäste bunte Waclst-kerzen bei diesem Zuge durch die Stadt in der Hand und Ernst Moritz Arndt beschreibt mit großem Be- Hagen' einen solchen jüdischen Hochzeitszilg über den Markt von ^hitoinir als eine besondere Sehenswürdigkeit. Ter Bräutigam trägt unter dem Uebcrrock den weißen stittel. während die Braut in Erinnerung an Rebekka, die den, Jjaat entgegenzieht, tiefverichlciert erscheint. Sie wartet schon unter der Eliuppa. bis der Bräutigam ihr zugcführt ivird. Vorher hat im Elternhause das „Bedecken der Braut" statt gesunden. Wenigstens ist das so bei dem polnischen Teile der oid'fcmiiidK» Tudeuheit. Bei den deutschen Juden hatte dieser Brauch entiveder keinen Eingang gefunden, oder hat ück, frühzeitig verloren. Tas Bedecken geht in der Weise vor fick,, das; die Braut in eiucin mit Blumen geschmückten Zimmer übt, ivätireud ihr Verlobter nicht zugegen ist. Sie ist vor allem von den Trauen und von ihren (stespiclinncn umgeben. Vielfad, werden der Braut frisch« Blüten auf .Haupt und Sckios; gestreut. Sann treten vier junge Männer ein, die ein grösstes viereckiges, gesticktes, aber leidstes und ziemlich durchsichtiges Such i» der Weise tragen, daß jeder au einem Zipf-lanmistt. Sie legen es der Braut feierlich auf das Haupt, io das; sie darin verhüllt ist. Sodann hält der Rabbiner c'w: Auiprad« an die Braut, die inst Rührung und schluchzen au gelwrt wird. Sann gebt es zur Ebuppa. Wenn die jungen Lc»te unter dem Traiihimnicl Plab genommen hcchen, wird ieierlidi die Elieversdireibung verlesen, die fast stereotyp in den gleiche» Worten und formelhaften Redensarten seit der Zeit der jiioifd>cn Papyri von Elephantiire in arainäischer Sprache abgeiaßt ist. Run war damals noch nicht die Rede davon, das; der junge Ehemann feine (stattin so halten wolle, wie die vornehmen T»den in stoustantiuopel. Während die beiden Väter beim Bräutigam standen, wurde die Braut von ü ruer und ihrer Mutter begleitet. Ehe aber die stctübä oer leien wurde, führte» die beiden Mütter die Braut mehrere Male um den Bräutigam herum. Tn Polen geschieht das siebenmal, und io ivar es auch früher in Westpreußen der Tall. Aus dem mittelalterlick«» Trankrcich hören wir von drei saldier Umfüb>'nlige». 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