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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-07-01 · 3 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
3 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Temeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Teile 9 Iübifrl« Hochzeit in Marokko i, zm r_T'j*.?~Zr ▼«.- Noch einem Gemälde von Gugöne Delacroix, Louvre. Pariliitfle, eine Deputation znm Bräutigain entsandte, um sich ws ..Sck-atzgeld" versprechen z» lasse». Je nach dem Einkommen und Vermögen mnßte sich der junge Mann von der Juhend ,, loskanfen, damit er nun ungeteilt und umvidersprochei seiner jungen Frau «»»gehören diirstc. Das >var der Absch uß der Festwoche, die man in Eisenstadt „Mastwoche" nanwe, weil es Brauch war, den jungen Leuten von allen Seiten mit ^ackiverk und Leckerbissen aufzuwarten. Bei dem Knasmahl war es Sitte, daß sich Bräutigun und Braut in Gegenwart der Gäste«gegenseitig beschenkten Vielfach wurden die Tno'im noch einmal feierlich vor alen anuvsenden Gästen verlesen. Denn wenn sie sich auch ä »ßerlich ihrem Wortlaute nach als eine Art von Verlobungsi ontrakt zeigten, so dachte doch niemand an den juristischen Inhalt oder die rechtliche Form, sondern man empfand das S hreiben und das Verlesen der Tno'im als die besonders feicrl che. gewissermaßen religiöse Weihe des Aktes. Das lag ja darin l»ereits begründet, daß es sich um Worte handelte, d e jvhrtausendelang in gleicher stereotyper Weise in hebräisck er oder aramäischer Sprache geschrieben und verlesen worden waren. Es gilt als ein besonderes Verdienst Choßen un » Kalle (Braut und Bräutigam) zu erfreuen. Darum hat ei rer der angesehensten und berühmtesten Talmudweisen es sih nicht nehmen lassen, den Bräuten. das Lob ihrer Schönheit zu singen. Zwar hat ein andrer Gelehrter ihm .ertgegen-i gehalten, man dürfe um der Wahrheitslielv willen keine»! häßlichen -Braut sagen, daß sie schön sei. Er aber kehrte »ich nicht daran, und er mag dadurch Veranlassung zu der jüdiscljet»! VolksredenSart gegeben haben, die aste .Kalles schön sein lässig Dieser selbe tiefernste Gelehrte hat es sich »sicht versagt, auf der -Hochzeit seines Sohnes dem Weine reichlich zuzusprecl)em um mit immer neuen Trinksprüchen das Brautpaar und die Gäste zu erheiten» und Glück zu »vünschen. Der'gern etwas spöttische jüdische Volksmund im Osten läßt freilich auch häßliche Bräute Vorkommen. Aber er drückt sich freundlich ironisch aus: „A scheine Kalle unterm Decktuch!" Denn so lange man von der Braut nichts sieht, darf man auch bei der häßlichsten annehnren, daß sie schön ist. Mit besonderer Feierlichkeit wurdemim deutsckien Mittelalter die Geschenke an die jüdische Braut überreicht. Am Vorabend des festgesehten Hochzeitstages erschien in der Regel der Rabbiner in Begleitung der Dorneh»nsten der Gemeinde. Die Braut war feierlich geschinückt. Und der Rabbiner redete sie an: „.Höre mich an. holde Braiit! Dein Bräutigain übersendet dir durch mich die Geschehe, die dir gehören sollen, die du freilich erst nach vollzogener Trauung als dein unbeschränktes Eigentum ansehen sollst". Diese Form mußte aus der minutiösen Genauigkeit jüdischer Rechtsbeobachtung heraus beachtet »verden. Es gehörte dabei zuin guten Ton. daß sich die Braut mit züchtig niedergeschlagenen Augen MAX TRIPS, Inbades ALBIN WÄüER] DRESDEN.N., KÖNIÜSDRUCKEß STRASSE 56 I Künstierisdtie Wohnungseinridtilungen In allen Preislagen GRÖSSTES HAUS AM PLATZE BESICHTIGUNG ERBETEN

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