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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-07-01 · 3 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
3 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Seite 7 Gemein deblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden " 4 Hl’* Die HochzeitSprozesiion Kupferstich bt» Nürnberg»!« Johann Seorg Buschner. vi« Thuppü Ist hiitter der Schul aufgestellt. Slegnwrlm stüdilch« Musikaalen) lühren den Brüuttgam Zwischen den Bätrr« de« Brautpaare« isogenonnte« .Meienführen*) zur Thuppü. roo schon der Rabbiner «ii der geschriebenen Keiüdü in der Hand wartet. Die Rückkehr vom Frauenbab Kupferstich de« Nürnberger« Johann Seorg «pulchn er. Die Braut nimmt vor der Hochzeit ein Bad, zu dem ste von Freundinnen hin-, und von allen Frauen feierlich zurü-kgelettet wird. Wenn ft«, da« Haupt tief verhüllt, heimkommt. wird ste von den Klesmorim mst fröhlicher Musik bewillkommnet. lSübdeulfchlanb.) Jüdische Bräuche bei Verlöbnis! und Heirat 'i<ou Professor Tr. £> c i it r i c6 2 o c u> c Tie menschliclie Ehe ist auS M»ei Grundformen lcrvorgegangen, die sich nach Lrt und Zeit nnterschieden nid zuweilen auch miteinander verbunden haben. Bei de t vrimitiven Völkern gab es die Raubehe und die .Kaufet)?. und alle späteren formen der Eheschließung bei den Kulturvölkern jiud aus diesen entstanden. Wenn heute der Krimtat ir die Verlobung und die Heirat noch in der Form vornimmt, das; er nach vorheriger Verständigung mit der Brai t und ibren Angehörigen das geliebte Mädcl)«m entführt, ai einer bcstiminten Stelle, die vorher vereinbart und an bei alles fiir die Hochzeitsfeier vorbereitet ist, von den versolgenden j berittenen Angehöri- ~ gen eingeholt wird, damit man sich endlich, dort versöhnt unli verträgt, um den Ehepakt zu schließen und die Hochzeit zu vollziehen und zu feiern, so sind diese feststehendenFormen klar und deutlich der Beweis, daß bei den primitiven Vorfahren dieses Kulturvolkes der Eheschluß einmal als Raubehe vorsich gegangen ist. Der „Raub der Sabinerinnen" ist eine alte römische Erinnerung an frühere Zustände. Die Form der Kaufehe setzt friedlichere Sitten eines bereits „ feststehenden Gemeinwesens und eine höhere KulturstufevorauS.Jndieser Gestalt ging die Eheschließung bei den alten semitischen Völkern vor sich, und sie klingt auch noch in die ältesten Teile der Bibel hinein, wenn auch dort schon — wenigstens bei den Vorfahren der Israeliten! — der Kauf zu einer bloßen Form geworden ist. Daher hat die jüdische Ehe, aus der dann die christliche entstanden, ist, in ihren Symbolen Erinnerungen an den ursprünglich pinmal vorhanden gewesenen Kauf. Sie hat die Form einpr Art von Rechtsgeschäft. ' j Der Manu mußte für die Frau ursprünglich dem! Vater oder dem Bruder einen Kaufpreis zahlen. Diesgr hieß „Mohär". Hierzu kamen die üblichen Geschenke. Aber schon in der älteste r Patriarchenzeit, ist es offenbar feststehende Sitte, daß die Väter diesen Preis ihrer Tochter überlassen. Das Ehevcrlöbnts Stich de» Nürnberger Kupferstecher» gvhann Sevrg «pufchner um die Wende vom >1.zum >8. Jahrhundert Auf dem Hauptdtlde wird dargestellt, wie der Bräutigam mit-dem Krug« in der Hand, den er zerschmettern soll, neben Rabbiner und Re'eman In der Mitte der Stube steht. Auf dem^Rebenbtld« oben ,T°kiah »als-, d.«. der Handschlag, zur Bekräftigung der eben gelchrtebenen .TnS'im', d. I. de» Berlvbung»pak«1. Tarilin beklagen sich Lea und Rachel über die Hinterhältigkeit und Unehrlichkeit ihres VaterS Laban, der den Ruhen von Jakobs Tienstjahren für sich selbst genommen habe. 2ic sehen darin einen Verkauf. Als Fremde habe sie der L<ater erachtet und ihr Geld verzehrt. Bei der jüdischen Eheschließung spielt die Ueberreichung des Ringes die.Hauptrolle. In der christlickfen Religion, die auf jüdischen Vorstellungen und Bräuchen aufbänte, diese aber absichtlich abwandelte, um vom Judentume abzurücken, ist an dessen Stelle das Wechseln der Ringe getreten. Dagegen kennt das Judelttum nur den einen Ring, den der Mann der Braut an den Finger steckt. Diese Sitte ist nicht jünger als das Judentum selbst. Sie stammt aus einer Zeit, wo der Göldring der Wertmesser teurer Dinge war. Und als später gemünztes Geld die Stelle einnahnl. die früher dem Ringe (Taba'- ath) gehört hatte, da empfing diese Münze ihren hebräischen Namen (Matbe'a) von derselben Wurzel, die dem goldenen.Fingerreif die Benennung verliehen hatte. Darum erinnern die Heiratsvorschriften und die Hochzeitsbräuche an Zustände. die in ihren Formen ursprünglich einmal, ehe das Volk irgendwelche Kultur angenommen hatte, einen Inhalt hatten, der nachher zur altgeweihten Form geworden ist. So kann man aus de« in der Bibel erwähnten ältesten Formen und auS einem oder dem andern Brauche, der sich bis heute gehalten hat, den Rückschluß ziehen, daß es sich ursprünglich einmal um den Kauf einer Braut gehandelt. hätte, wenn auch seit Jahrtausenden fede Erinnerung-"' an einen wirklichen Kauf entschwunden ist. Aber eS ist nun einmal in her menschlichen Kulturcntwicklung so, daß sich gerade in religiösen Formen oft AnMnge an Zustände erhalten haben, die lveit vor allem historisch. Erreichbaren liegen. Denn die Religion hat die Eigenart, und soll sie haben, die menschliche Seele zu immer höherer Sphäre zu erheben, und doch an alten Formen festzuhalten, in denen die.Wahrheiten i .4.

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