Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 -t— Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden jiflcr Jab re dieses Jahrhunderts, in eine Zeit, da den Itrae!iten die Erlernung eines .Handwerkes, einer Kunst untersagt, die Aussicht ans deren Betrieb geradezu abgcschiiitten ^x,r. Bxihrend den vermögenden Glaubensgenossen das Studium und die Ausübung der Heilwissensclxrit! und. wiewobl auch da noch mannigfach beschränkt, der Engrbslknidel »och als die einzigen Möglichkeiten bürgerlicher^ Nabrung ossen standen, blieb dein jüdischen Iünglingeiaus den ärmeren Klassen nichts übrig als die Aussicht, dein ^ater gleich durch den Handel mit alten Sachen sich kümiuerlich zu erlullten. Wie gern hätte ich einem Gewerbe, einerl Mmm mich gewidmet, hätte nicht die Mittellosigkeit meines Baters und die Rechtlosigkeit meines Glaubens mich davoijl abgelialten und auch nicht genötbigt. mit dem ('tenU'il innichten WideriviUens, mit dem Bcivnsitsein der Besälngung fiir Besseres, dem Handel mit alten Sachen mich zu widmen/ In der Fortsetzung dieser Zeilen preist et aber das Cieicktick, das ihn doch einen Berns finden lies;, der seinen Neichingen und .Kenntnissen wenigstens im Mannesalter dtis gewährte, ivas das Kind sich so oft vergebens ersehnt lkitu\ und er spricht das mit so tressenden und rührenden Worten ans, dasi wir am bösieu ivieder seiner eigenen Rede knitcfu’u: „Glücklicheriveiie fand ich bei diesem ('k’KhätL’ eineil Zweig, der den Sinn für Bildung und das Streben nach dem Umgang mit hochgebildeten Männern in mir nährte und allmählich befriedigte. Ich meine den Anti ai'itislenbandcl. welchen ich nunmehr seit länger als Min zig Jahren betreibe. In dieser langen Reihe von Jahren Initie ich das Glück, mit Kunstfreunden und Männern der Wissen Mist vielsiich geschäftlich zu verkehren und mir hierdurch sowie durch eigenes Studinm und Lectüre die historischen .Kenntnisse >11 erwerben, welche zu in erfolgreichen Betriebe, des Antianitatenhandels erforderlich sind." Das sind ivahr lich Worte, würdig eines idealen Antiquars! In der Fortsetzung seiner Eingabe erklärt Meyer' Salonon. das; er länger als zivanzig Jahre den .Handel mit Altertümern betriebe; das würde also bedeuten: länger als feit dem Iabre 1^31. Wenn sich also in hinterlassenen alten Notiz oder ('ZeMiftsbüchern des Genannten nicht noch genauere Angaben über den Anfang seiner kansmännischen 'Tätigkeit finden sollten, würde die Firma M. Salomon voll berechtigt lein, im Jahre 193! oder - am sichersten vielleicht zwischen Februar und September 1934 — das hundertjährige Bestehen zn feiern. ifie l^rundsätze, die ihr Gründer 1854 als maßgebend für feine Geschäftsführung ansstellte: Antignitäten, die, durch boblss Alter und ihre besonderen Formen ein hisrorischivissenschaftliches Interesse haben, unter Ausschlns; neuer «Gegenstände der Knnn und Industrie sowie der Trödelivare in den .Handel zu bringen, dürsten im allgemeinen dieselben sein, denen seine Nachfolger noch heute getreu sind. Ter königliche Museunisdirektor und Bibliothekar Hoirat Tr. I. G. Th. Gräne leistet durch das nachstehende ehrende Zeugnis erfolgreiche Unterstützung: „Ter Unterzeichnete bat bei verschiedenen Gelegenheiten, teils in seiner früheren Stellnng als Inspektor des Kgl. Müiiivabinets, teils in seiner gegenwärtigen als Direktor der Kgl. Porcellan- und Gesäsisammlung bei für die besagten Kgl. -Eabiuets angeslellten Täuschen oder Ankäufen Herrn Antiquitätenhändler Salonion v. h. nicht blos als einen, durchaus reellen und zuverlässigsten Händler, sondern auch als einen mit seinem Geschäftszweig und den dazu erforderlichen Kenntnissen vollkommen vertrauten Mann kennen gelernt und glaubt, selbigen im Fache des Münz-, Porcellan- und Antiquitätenhandels überhaupt durchaus empfehlen zu können. Dresden, den 29. August 1854. Tr. Johann Georg Theodor Grässe, - ü-. S.) 6tgl. S. Hosrath, Bibliothekar S. M. des bachs. , Königs Friedrich August v. Sachsen, Direktor der Kgl. Porcellansammlung." Diese Urkunde trägt - die königlichen Sammlungen führten tvahrscheinlich damals noch keine Amtsstempel — neben "der Unterschrift das Privatsiegel des Hofrats, abgedrückt in schivarzem Lack, da wenige Wochen vorher König Friedrich August H. von Sachsen in Tirol tödlich verunglückt war. Salonion hatte sich erboten, diesem Zertifikat noch Zeug Nr. 3 Männer der beizusüge» Gesuch halt. insse andrer hervorragender (belehrter und Wissenschaft, mit denen er im Berkehr stand ivas er sicherlich jeden u,g gekonnt hätte, Das denn auch den gewünschten Erfolg; am 23. Februar 185,' wurde der Antiquitätenhändler Meyer Saloinm Dresdner Bürger. « Irr wohnte 1812 Webergassc 28, III., 1854 m Nr. 25, II. derselben Waiic, 1802 Mittle Frauengasse 2 III., 18,.: Töpsergane 8. I.; das (Geschäft befand sich jahrzehntelang in Erdgeschos; des Hanfes Galeriestrafze 18. Am 30. Dezember 183s verheiratete sich Metzer Salonu.» mit'Clara Woli. der Tochter Wolf Samuels, per. wie eine Annonce im Dresdner Anzeiger vom 28. Mais 1835 besagt damals Webergassc Nr. 117 eine Pfandleihe innehatte. Noä, iit der Heiratsvertrag der Brautleute im Besitzf der Faniilie Salonion erhalte», wie auch eine Logiskarte vom 17. Scp ,einher islO. ausgestellt für Samuel Elias Wals nebst Frab Beuel, wohnhaft Nr. 117 im I. Stock ans de^ Webergasse die Schwiegereltern Meyer Salomons. Wolf Samuel star! 18>5, Besiele Wolf den!>. September 185<i. Ein Bruder der Iran Elara Salonion war der bekannte Buch Händler Lös.-r Wolf, der den 20. August 1802 Dresdner Bürger ivnrde. Die Familie Wolf, eigentlich Saninel. ivar srüher in Teplitz nnd zog nach einer Ueberliesernng infolge eines Brandes nach Dresden. Meyer Baru'ch Salomon starb vier Tagö vor seinem 51. Geburtstage, am 27. Januar 1803, feil« Frau Elara im Alter von 51 Jahren 1 Monaten den 21. Januar 187!<, Das Ehepaar, dem nenn Kinder beschert wurden^ erlebte noch die Freude, in seinem ältesten Sohne Edmund Salomon 11,839 l!»oo» einen geschäftskundigen nnd fachmännisch tüchtigen Fortietzer der .Handlung heranwachsen zn sehen, der es vernand. die Fäden, die die Firma mit den Vertreter,i der Kunstwissenschaft, den Sammlern und Leitern der Museen Deutschlands verband, immer durch neue zu be leichern; und jetzt ist die Kunst- und Antiquitätenhandlung, die älteste und vornehmste der noch in Dresden, bestehenden, nachdem sie erst einige Jahre ans der Pragtr Straße die mannigfaltige Schönheit ihrer Verkaussobjeklle zur Lchan gestellt hatte, im eigenen Heon, einem historisch und kunstgeschichtlich interessanten .Hanse der Tchloßstraße. unter gebracht nnd im Besitze von des Gründers EMel. Pietätvoll bat die Familie stets ihrer Vorfahren gedacht und in Andenken an 'sie den' neugeborenen Kindern Vornamen der Ahnen beigelegt. Joachim Iojakim — der Name des altestbekanntcn Vorfahren der Schorr-Salonion. bedeutet auf deutsch, . Iebovab richtet aus". Dieses gute Wort klingt, wenn man das Werden und Ansblühen der Familie aus verachteten und bescheidenen, Anfängen seit den zweihundert Jahren ihres Bekanntseins betrachtet, ivie eine in Erfüllung gegangene Weissagung, wie ein Segen der Ahnen über die Enkelgcschlechter. Das Weiterleben der frommen und ehrenhaften Gesinnung eines Meyer Salomon und die stete Erweiterung fachwissenschaftlicher Bildung bei der Ausübung des Kunst Handels verbürgt auf der sechsten und siebenten Generation seit.Joachims Zeiten weiteren Segen. 4 W einhandlung Weinstuben Tledemann & Grahl Scestraßc 9