Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 3 Seite 5 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Baruch Salomon Joachim überlebte seine Frau, 'die schon 1*30 starb, um zwanzig Jahre; er selber wurde 75 Jahre alt. 'ui zwei nebeneinander liegenden Gräbern (698 und 699) ruht das Ehepaar auf dem Friedhof an der Pnlsnitzer strafte; sein sechstes Kind, das Mägdlein Rebekka, das schon init 18 Jahren 1834 von der Erde abscheidcn mutzte, nimmt das Grab daneben (700) auf dem „guten Ort" ein. Einer der zwei Brüder Baruchs, der im Jahre 1838 dernorbene Samuel Hirsch Schorr, hatte einen Sohn Juda, der iich'später Julius Salomon nannte und 1867 starb. Er ist derjenige Julius Salomon, der zu den am 18. Juni 1838 von den ältesten Amtsverwesern ernannten Komnissionen n'hört, die mit der zum 21. Juni anbcraumten feierlichen Grundsteinlegung zur Semperschen Synagoge betrau^ Ivare». Unter den acht Kindern Baruch Salomons warjen drei Söhne. Eduard (Schalem), 1810 geboren, wurde Lotteriekollekteur und wohnte 1847 Grotze Frauengasse 21, 8-: sejne (Gattin Helene, Tochter des Wolf Rosenberg, die als Witwe bis 1881 lebte, unterstützte die Einkünfte ihres'Mannes durch einen von ihr betriebenen Band- und Zwirnhandel. Ter jüngste Sohn, Zeruchem Schorr (Jeruchem Baruch Salomon) ivar 1817 geboren und liegt in einem der zwei Gräber Nr. 169 auf dem Neustädter Friedhöfe. Näheres ist von ihm nicht bekannt, doch bewahrt die Familie Salomon einen beschriebenen Zettel von seiner Hand auf. Ter weitaus bedeutendste von Baruchs Söhnen war aber sein zweitgeborenes Kind und ältester Sohn, Meyer Baruch Salomon. Am 31. Januar 1809 erblickte er das Licht der Welt, in einer Zeit, die kaum kriegerischer sein konnte. Hatten doch mit Anfang des Jahres die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Oesterreich begonnen, weshalb die Stadt Dresden in Verteidigungszustand gesetzt werden mutzte. Als Meyers Mutter noch eine Wöchnerin war, ist sie durch den Lärm militärischer Matzregeln in ihrer Nähe gewitzlich oft in der. Ruhe gestört worden: wurden doch die Wälle mit Kanonen versehen, dre Zugbrücken unter den Toren freigemacht, die Vorräte aus den Pulverhäusern ins Zeughaus gebracht, die Wachen an den Schlägen verdoppelt und die Pirnaische Vorstadt mit Einguartierung vom Regiment Prinz Anton belegt; autzerdem ivurden die Schanzen instand gesetzt und neue gebaut. Anfang März versammelte sich eine sächsische Armee von 16 000 Mann in und um Dresden. Sara Chaja und ihre Kinder iverden erschrocken zusammengefahren sein, als am 30. April auf Befehl des Königs wegen des von Napoleon über die Lesterreicher bei Landeshut und Rohr erfochtenen Sieges von der anwesenden Garnison eine dreimalige Salve abgefeuert wurde; sie werden am 11. Juni die 8000 feindlichen Oesterreicher und die Totenkopfhusaren des schwarzen Herzogs von Braunschweig in Dresden haben einrücken sehen und das Getöse des Gefechts in der Nähe gehört haben. Als der kleine Meyer herolnwuchs, vielleicht fünf oder iechs Jahre alt war, wird ihn sein Vater der Schule und 'Betstube zugeführt haben. Die nächste der vier dqmals in Dresden bestehenden ivar wohl die Ollessche oder Sekkel- 'che hiilter der Frauenkirche (jetzt Stadt Petersburg). Es ivar sicher das -Haus, in dem Ludwig Richters Giotzeltern von väterlicher Seite wohnten, mit einem engen' düstern Hofe. „Eine Treppe hoch", schreibt der Künstler in seine» „Lebenserinnerungen eines deutschen Malers", „war in diesem Hinterhause eine Judenschule, und zur Zeit der langen Nacht lauschte ich oft an der Tür und sah in dem erhellten Raume die Leute in ihren weitzen Sterbekitteln sich neigen und beugen und. sonderbar klingende Laute ausslotzend, beten., Am Laubhüttenseste war das enge Höschen mit Tanncnreiscrn und Laubwerk überdeckt, und das Volk Israel im bunten, reichen Festgeivande satz schmausend und plaudernd darunter" usw. Ludwig Richter, der. als er schon ein berühmter Manu war, nach der mündlichen Er,Zählung seines Schülers, deS Landschaftsmalers Gustaf Täichert, niit Meyer Salomon freundschaftlich wie auch in künstlerischen Angelegenheiten mannigfach verkehrt hat, spricht in seinem eben erwähnten Buche auch von einem uralten Inden namens Salomon, an den er sich aus früheren Jahren erinnert. Er sagt von ihm: Er Ivar „ein langer Mann mit schäbiger Flachsperücke, darunter ein Gesicht mit tausend tiefen Runzeln; sein altväterlicher Rock verrieth in den Nöthen und Vertiefungen der Falten, das; er einst scharlachroth gewesen, wie man an alten Tempeln die Farbenreste auch nur in Einschnitten und Winkeln des Ornaments noch entdecken kann. Kurz ein EbodowieckischeS Prachtexemplar! Mit diesem Alten, der iibrigenS ein fromnier, grundehrlicher Mann war, verkehrte Grotzvater besonders gern; denn er war in .geheimer Weisheit' wohlcrsahrcpi". Ta Ludivig Richter 1803 geboren ist. stammt seine Erinnerung höchstens aus der Zeit 1808. Nun lätzt sich aber sowohl bei der Linie der Schorrs als bei den sich finiter Salomon Nennenden kein einziger finden, der in den Jahren 1808 bis 1810 uralt gewesen wäre, -denn der Ahnherr Joachim hat sicher nicht mehr gelebt, Scholem Schorr (an den wegen seines „Salomon" gleichbedeutenden Vornamens zunächst zu denken wäre» war schon 1803, sein Bruder Schmul 1809 bereits tot, der Bruder Joseph gar 1793 schon gestorben. Aber auch von den zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Dresden lebenden Salomons, die mit der hier geschilderten Familie nicht verwandt sind, war keiner in jener Zeit „uralt"; der einzige halbwegs in Frage kommende wäre Hcimann Salomon, der 1808 als Mann von 66 Jahren starb, also auch kein Greis war; übrigens stand cr, wenigstens nach der ...Konduitenliste" in äutzerst schlechtem Rufe. Es lebten freilich in der ersten Hälfte der 1810er Jahre von Salomons noch David, Löbel Seelig, Lazarus und Simon in Dresden Leute, von denen wir das Alter nicht kennen; sie können aber aus zeitlichen Gründen kaum mit jemand identisch sein, der schon dreitzig Jahre vorher als uralt bezeichnet worden ist. So bleiben wohl nur die Möglichkeiten übrig, datz der uralte Salomon<kein Dresdner Einwohner, ein von auswärts zeitweilig nach Dresden kommender Handelsjude war oder datz der jtinge Ludwig Mchter Salomon mit Samuel (Schmul) verwechselt hat und Schmul erst kurz vor 1809 verstorben ist, ivas wir heute nicht wissen. In einem wiederholten Gesuche, das Meyer Salomon, der 1842 noch als „.Handelsmann" im Adretzkalender steht, 1854 an den Stadtrat richtete, um das Bürgerrecht von Dresden und damit die offizielle Konzession zu seinem .Handelsgeschäft zu erwerben, klagt er bitter, datz ihm in seinen Jünglingsjahren die Möglichkeit versagt gewesen in, ein Handwerk oder eine Kunst zu erlernen, wozu ihn Lust und Fähigkeiten getrieben hätten. „Mein Knaben- und Jünglingsalter", schreibt er..in divser im Ratsarchiv noch erhaltenen Eingabe, „fällt in die Zeit vor 1838, in die zwan- M!»lMIIMllß>MM!M«IMlWMMWWWMIlIIlIIM!I,!!W!«!!!MI>I!«IlI8MMMlNMSIIW!>!MS Richter u. Reichart Baumeister Dresden-A. Prager Straße 46 Telephon 23931 und Nr. 20931 Ausführung von Neu- und Umbauten Hausabputz Entwässerungsanlagen Kostenanschläge und sachverständige Beratung >