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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-07-01 · 3 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
3 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ÄemeinbcbJntt der Zsraelitischcn NeligionSgemcinde Dresden Nr. t war das ^abr, in dem nach schneller Schneeschmclze die Wilsdruffer Vorstadt lange unter Wasser stand und ein gutherziger Gerber dort 'mit dem Kahne von Haus zu Haus fuhr, um den armen Tagelöhnern Brot zum Fenster hineinzureichen — das Jahr, in dem die Pulvermühle in Plauen explodierte und eine Anzahl Menschen und Pferde tötete - . das ^abr, in dem der deriichtigte (^eisterbeschworer Schröpfer im Palais des .Herzogs von .sturland den Geist des im Zähre vorher verstorderten Chevalier de Taxe zitierte, eine Szene.' wie sie uns Wilhelm v. stügelgen in den „Zugenderiunernngen eines alten Mannes"' ja so anziehend beschrieben chat. Baruch Scharr trieb irgendeinen Handel: seine Wohnung war auf der Lochgasse, die später Badergasse hieß: diese begann am Altmarkt und endete beim Ausgang der Kleinen Zrolmgaste, lssö ging sie in der König-Zotiann-Straße auf. Am 30. C'Uli 1806, also ein Vierteljahr vor der Schlacht von Zena und sechs Monate vor der Erhebung Sachsens zum .Königreich. heiratete Baruch, und zwar Sara Cbaja, die Tochter des verstorbenen Meyer Pollak und seiner Ehefrau Mirjam. Es war damals eine ängstliche Zeit, die eigentlich keinem Lug zu Hochzeit und Freudenfesten machen konnte: Sachsen, bis dahin noch mit Preußen verbündet, zitterte vor dem siegreichen staiser Napoleon und war erst beruhigt, als dieser dem bei Zcna mitgeschlagenen Gegner liebenswürdig entgcgenkam. Sachsens Verfassung und Unabhängigkeit unangetastet und die sächsischen st riegsgefangenen ungesäumt frei ließ. Auch das junge israelitische Ehepaar wird mit seinen Dresdner Mitbürgern aufgeatmet haben, als in den Straßen überall Zettel mit der Aufschrift: Derritaire <Ie I» 8:»xe 6Iatari>I«-, p-»vineütre (Kurfürstentum Sachsen, neutrales Gebiet) angeschlagen wurden und die einrückenden französischen Bundestruppen keinerlei Feindseligkeiten unternahmen. Deck Vater Schalem Scharr war 1803 schon tot, er hatte zu den sogenannten konnivierten Zuden gehört, d. h. zu denen, deren Aufenthalt in Dresden die Behörde -duldete, solange iie keinen Anstoß gaben und die 'Personalsteuer ordentlich bezahlten. Er hatte einiges Vermögen besessen, denn in der bereits erwähnten, von IE und vorher stammenden Zudcnliite im Ratsarchiv (CXLII 238 i), die zum Namen jeder erwachsenen Person ihre zugeschriebene stonduite enthält, beißt es. der damals 28 Fakire alte und moch ledige Baruch Salomon Joachim, der in Joseph Chaskels Comptoir die Handlung erlernte, hätte „obngeachtet seiner Zugenb sein väterliches Vermögen bereits verschwendet und wäre mehrmals im Ltadt-' gericht ausgeklagt worden". ' Das Gouvernement wollte-ihn daher allenfalls noch so lange in der Stadt dulden, als er bei dem concestionierten Joseph Cbaskel lernte: dann sollte er, da er ohne Vermögen wäre, sein Brot auswärts zu suchen angehalten werden. Die Logis-Cancession hatte er auch nur auf die ihm terminweise erteilten stonniviernngsscheine bekommen. Man darf diese harte Beurteilung des jungen Mannes wohl nicht so streng nehmen, denn der Zensor, der die Conduite der Juden damals geführt hat, scheint ein strammer Hasser dieses Volkes und ein recht galliger Mann gewesen zu sein: selten läßt er an einer Person seiner Liste ein gutes Haar. — Baruch, der ohne Anverwandte und Bedienung war, hat die ihm drohende Gefahr der Ausweisung dadurch beseitigt, daß er nach Beendigung seiner Lehrzeit sich baldigst verlobte und verheiratete, und zwar, wie es scheint, init einem nicht vermögenden Mädchen. — Die Pollaks, die, ivie ihr Name besagt, aus Polen stammen dürften, gehören zu den ältesten jüdischen Zamilien der Stadt: Einer ihre: Namen« patte mit einem Glaubensgenossen schön 1662 Einla durch ein Tor der Zeitung Dresden gefunden! was, wie d> noch vorhandene» Akten besagen, damals mit großen Milben und Schwierigkeiten verbunden war: an eincrj anbern Stelle wird davon die Nede sein. Ein Moses Pollak war im Jahre 1750 Mitbegründer und Vorstandsmitglied djr ersten jüdi schcn .strankenkaise. oder, wie es in der von Emil Lehmann. „Aus alten Akten" <Dresden INS«, S. 27) nnfgeteilten Stn tungsurkniidc beißt, er gehörte zu den „einzelnen gottgefälli gen Individuen, die unter sich eins geworden, sine geschlossene (Gesellschaft zu formieren, die in den rechten Wegen strante zu behüben so wandeln wollen, wie bs in alfen Gemeinden Israels bräuchlich ist". Der 8 10 dieser Verfassung lautete „Die Mitglieder sollen sich gut betragen, täglich beten. Sonn abend« und Zrcitags beim Morallehrer der tGesellschaft lid einfinden, sich nicht mit leichten Gesellschaften verbinden, von Spielen — Würfel, Billard — sich sernhalten, hei 18 Groschen bzw. VA THaler, ja, Strafe des Ausschlusses:' am Tage vor dem l Scheinat fasten, eine Stunde vor dem Piincha-Gottcs dienst im BetKaus Ttüllim sagen usw." Eit, Dritter der Zamilic endlich. Zakob Pollak. war 1762 Deputierter und Ei» nebmcr der jüdischen (tzrabgesellschaft der ebenfalls 1,50 bc arundeten israelitischen Beerdigungsbrüderschast. Der alte Mayer Pollak. Baruchs Schwiegörvater. wohnte 17i»0 auf der Großen Zischergaste in N'r. 626» er hatte zwei Söhne und drei Töchter, von denen wohl Sara Chaja die jüngste war: als „Zudenmagd" uwhnte bei Jbm seine Schweiler Hannah. Mayer Ivar der Sohn des 1788 verstorbenen Mosckie Pollak. des Krankenkaisenbegrüuders, und starb selbst am 14. Dezember 1764. Zm Jahre I »13 lebte seine damals 48jäbrige Witwe Mirjam mit zweier ihrer Töchter «der Sohn Samuel war auswärts, andre sti rder gestorben) in bedrängten Verhältnissen nycki für sich und ernährte sich notdürftig durch Handel. Der oben erwchnte, gestrenge Zensor batte ausnahmsweise Wohlgefallen a i ihr, denn er notierte in seiner Liste: „Schwerlich dürfte diese nicht mehr junge Witwe mit ihren unversorgten Kindern anderwärts ein Unterkommen finden, zumal diese Witwe sec. fl. 33 b, ob sie schon arm ist, stch und ihre bey sich habenden Kinder ^gut ernähren soll." 1 s():> ist iic gestorben und 1812 Hütte ihr Schwiegersohn Baruch soivobl seinen Schwager Sauuel Pollak und dessen Schwester Gredcl in seinem Haushalt ai f der Lochgassc: außerdem hielt er sich für die drei Kinder, du er schon hatte, ein Mädckien. Es müssen seine Vermögensv« rhältnisse demnach sich schon damals erheblich gebessert haben. Dick beide» ältesten stinder. die fünfjährige Minna (Mindel) und -der dreijährige Meyer iverden in diesem Zahre schon mit Verständnis die wundervolle Illumination des Shloßplatzes und der Elbbrncke am Abend des 18. Mai angestaunt haben, die zu Ehren uyd vor den Augen zliapoleons ui>d der Kaiserin Marie Louise stattfand, und sie werden die französischen, sächsischen, bayerischen und polnischen Soldaten der Großen Armee in Massen haben durch Dresden marschieren sehen auf ihrem Wege nach Rußland. Als erster Bote von den Gefilden, die den meisten von ihnen den Untergang brachten, kam ja in der Nacht des 14. Dezembers der gewaltige Kaiser selbst zurück: in dem Haus seines Gesandten aus der Kreuzgasse, keine fünf Minuten von der bescheidenen Zudenwohnung Baruch Schorrs entfernt, schlief damals der fl ichtige und doch noch mächtigste -Herrscher der Welt. ferasprecfrAnlagen geiles Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühfampen-Zentralen, Haustelephon-Anlagen ln höchster Vollendung in Kauf und Miete fahren aus Dresdner Privaf-Telelon-Gefelllchaft Femspr.-Sammel-Nr. 25631 DT6Sll6ll~A.1 Wilsdruffer StraBelS Auskünfte und Ingenieurbesuche kostenlos und unverbindlich

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