Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 lemeindeblatt der Israelitischen Religion Die jemenitischen Juden Wenn die Falascha (abessinische Juden) in ihrem jüdischen Glauben stark von den übrigen Juden abweichen und erst wieder jetzt zu den reinen Quellen des Judentums zurückzukehren .beginnen. so ist bei einem andern jüdischen Stamm, den Jenieniten. , der Zusammenhang mit den Juden des! Morgen- und des Abendlandes nie zerrissen! worden.! Im Jemen, d. h. Süden') Arabiens (wie ' in andern Teilen dieser groben Halbinsel) sind Juden seit sehr alten Zeiten ansässig gewesen, ohne daß sich ein genaues Datum für ihre erste Niederlassung angeben ließe. Der große Zustrom von Juden nach Arabien wird vermutlich erst nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch TituS (70 n. Ehr.) und nach der Niederwerfung des Bar-Kochba- Aufstandes (135 n. Cbr.) erfolgt sein. Auch mag die Propaganda für die jüdische Religiou unter den Arabern, die den Juden ja sprachlich und rassenhaft naheslanden, dem jüdischen Element weitere Stärkung gebracht baben. Drei Mittelpunkte jüdischer Ansiedlung fanden sich um 500 n. Ehr. auf der Halbinsel Arabien: Im HedschaS, in der Landschaft Chaibar, wo die Juder nach der Art der Fricperifdjcrt Beduinen lebten: bei Jatlrib, dem späteren Medina, und dessen Hingebung, wo die J»d:n wie die späteren Ritter ihre Burgen an hochgelegenen Pläjen hatten lind ihre Unabhängigkeit gegen die Araber verteidigten: endlich im Jemen, wo die Juden solchen Einfluß besitzen, daß Abi-Karib, der König der. Himjariten, zum Juden! um übertrat und viele Große seines Reiches seinem Beispiel folgten. Doch dieses jüdische Reich war nicht von langer Tainr. Scho» unter Abi-Karibs Sohn Masruk mit dem Beiuainen Thu Nuwas griffen (570 n. Ehr.) die verbündeten christlichen Ahessrnier und Byzantiner die Himjariten an und zwangen sie zur Annahme des EhristentumS. Doch die Juden im Jemen erhielten sich weiter, während sie im nördlichen Arabien infolge der Feindschaft Mohammeds im 7. Jahrhundert in eine schwierige Lage gerieten upd im Laufe der Zeit ganz von da verschwanden. Auch für die jeminitischen Juden brichen nun trübe Zeiten an, da sie sehr unter den Verfolgungen der fanatischen Mohammedaner zn leiden hatten. Viele w irden gezwungen, zum Islam überzutrcten. Ter Höhepunk! der Ver- * Eigentlich „Rechte", arain. j a in in l n a ' „Rechte", arab. j a in a n u », hebr. j a »i i h, „rechts", weil inan beim Wahrsagen den Blick nach Lsien wandte und daher den Süden zur Re hten hatte. L Seite 5 gemettrbe Dresden 9on ©ona’-o in btt Vynogoge gLbffche Familie aut Rand« solgungeu wa: im 12. Jahrhundert ». Ehr., als auch die jpaniiclicn Juden unter de» fanatischen Almohaden zu leiden hatten. Wie tets in den Zeiten der Not, so fand sich auch damals bei der Juden des Jemen ein falscher Messias ein, der ihnen trügerif he Hoffnungen ans die Wiedergewinnung des heiligen Lande; erweckte. In ihrer! Gewissensnot wandten sich die Jemeniten an den damals berühmtesten Lehrer in Israel, Moses den Mi imnn, der ihnen ein Trostichreiben sandtc und ihnen Mut zu » Ausharren zusprach. Tie Verbildung mit ihren Glanbensbrüdern in a idcrn Gegenden habl n die Juden im Jemen alle die Jahrhiu derte aufrechtcrhalte i. Tie wurden .auch öfter von Reif mden oder Missionaren aufgcsucht, die Bericht über ihre Libensweife und ihn Titten nach Europa brachten. Von jüdischer Teile wurde erst im Jahre 1859 Wied,r der Versuch unteri oinincn, mit den jemenitischen Jiiden ii Beziehungen zu kommen. Ter Rabbiner Jacob Saphir au-S Jerusalein rei te damals nach dein Jemen, wo er sich sechs Jahre lang au hielt. Zehn Jahre später besucht es derFranzose Joseph Hnl6vts. Beide Forscher berichteten über di: Ergebnisse ihrer Reise. Endlich sandte die -Vllionev isr lelit--* universelle im Jahre 1910 de» Schuldirektor Jomtob S »rach aus Beirut nach dem Jemen, um die Lage der dortigen Inden an Qrt und Stelle zu untersuchen. .Teincm ausführlichen, sehr ansck'an'ich en Bericht entnehmcii wir folgende Einzelhnten: DasJudenviertelinSana'a beginntamJ ldentor (Bab el Jchud) und besteht aus ein« r sehr breiten Straße, zii deren beiden Seiten Lehm- Häuser mit einer großen Menge wi iziger Fenster stehen. Von dieser Straße liegen kleine, schmutzige und übelriechende St ratzen ab. In den Häusern gelangt man dürch niedrige Türen in einen dunklen Gang, dann über einige Stufen in einen gepslas erten Hof mit glänzend weiß gegipsten Mc uern. Weiß getünscht sind auch die Zimmer, oft Mit Teppichen belegt und mit Mat ratzen längs der Wände. Slühle gibt es nicht. Ein großer Teil des Judenviertels liegt infolge einer Belagerung aufständiger A raber zu Anfang dieses "Jahrhunderts no h in Trümmern. Da viele Juden infolg der Entbehrungen umgekomnien, andere ausgewandert sind, wird daS Zerstörte nicht wieder aufgebaut. Die jemenitischen Juden sind nicht fehl groß gewachsen und ziemlich mager. Ihre Haltung ist gerade, die Züge fein, die Gesichtsfarb: von warmem bräunlichenKolorit; dasSchönst:äber sind diegroßenAugenundderlebhafteAusdruck. DielangenHaarlocken.diegebogeneNaseunddie