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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-06-01 · 2 (6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
2 (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit! 4 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden 1_Nr. 2 Judß nicht essen darf. Nehmen wir an, sie sei mit einem Mes er geschlachtet worden, an dem sich nachträglich ^eine kleii e Scharte gezeigt hätte. Als Mar Samuel den Sachverhalt erfuhr, zürnte er dem Tiener, weil er im Herzen des Hei, en :ih Tankgefühl erregt hatte, das wahrscheinlich weniger hochgeslimmt -gewesen wäre, lvenn dieser gewußt tiättdaß jöQ» Gesckicnk für den Geber wertlos war (daselbst). — Rar Sutra ging einst von Sichra nach Machusa» während Raba und R. Safra in umgekehrter Richtung untörwegs! waren. Als sie zusammentrasen, sagte Mar Sutra iß dem Glauben, die Freunde wären ihm cntgegengegangen:! ..Warum haben sich die .Herren so arg bemüht? TaS ivar! doch zuviel der Ehre." Treuherzig erwiderte R. Sasrst: „Wir wußteu gar nicht, daß Sie kämen. Hätten wir es! geahnt, so wären wir Ihnen noch viel tveiter entgegcngegastgen." Später sagte Raba zu R. Safra: ..Warum hast du ihm den schönen Wahn zerstört? Tie Enttäuschung hat ibn sichtlich verstimmt." R. Safra aber antwortete^ „Mußte ich nicht den . Irrtum aufklären? Es wäre doch sonst G e n e w a t T a a t gewesen" (daselbst). Europas übertiinchte Höflichkeit, wird in solcher Antwort zweifellos die gute Erziehung vermissen, die deplacierte Aufrichtigkeit als oricntalijckie Taktlosigkeit belächeln. Es mag fein,!daß unsere Alten den guten Ton niedriger einickiätzten< alp die gute Tat, Wie feinfühlig üe aber dennoch waren — sind nicht allein die Gebildeten, sondern die breitesten Volksschichten —, dafür besitzen wir ein beredtes Zeugnis in eintr ehemaligen Volkssitte, von der die Mifchna berichtet (aoT anijot g. Ende): Es gab in Israel keine fröhlicheren Feste als den fünfzehnten Aw und den Versöhnungstag, an denen die Töchter Jerusalems auszogen, in den Weingärtei» Reigentänze aufzuführen. Alle waren sie weiß gekleidet, aber keines der jungen Mädchen legte das eigene Gewand ait. Atlch die Tochter" des Hohenpriesters, auch die >tönigstochjer borgte sich das weiße Kleid, u m d i e M ittellosen nicht zu b e s ch ä in c n. Um die. Mittellosen nicht zu beschämen, besteht noch heute in den jütischen Gemeinden der schöne Brauch, iu jedem Trauerhallte zwei Büchsen auszustellen, die eine offen, die andere geschlossen. Tie offene, die einen für den Bedarf einer Familie eine Woche lang ausreichenden Betrag enthält, ist der Leidtragende zu leeren verpflichtet. Ist er arm, verivendct er das Geld für feinen Unterhalt während der arbeitslosest Trauerwoäte. Ist er bemittelt, so schiebt er es durch einen im Teckel befindlichen Spalt in die geschlossene Büchse. Ist er wohlhabend, so fügt er aus feiner Tasche noch einen Betrag hinzm Tie Besucher werfen ihre Spenden teils in eins, teils in die andere Büchse. Tie geschlossene wird voü den Vorstehern erst geleert, wenn sie nach einer Wänderung durch mehrere Trauerhäuser beinahe voll ist, so daß auch sie nicht wissen können, ob der Leidtragende den Inhalt der offenen behalten hat oder nicht. Ten Mittellosen nicht zu beschämen — das ist das Leitmotiv so mancher sozialen Einrichtung, die uns aus alter Zeit überkommen, ein Leitmotiv, das in den verschiedensten Variationen immer wiederkehrt. Tiefes Zartgefühl ist eine der schönsten Bliiten jüdischer Ethik. Sic hat sich im Laufe der Jahrtaüsende zu einer köstlichen Blume entfaltet, die unter jedem Himmelsstrich gedeiht, wo eine jüdische Gemeinde sich gebildet hat. Ihren Tust atmet auch das Wort Z e d a k a. mit welchem wir das Almosen bezeichnen, das aber eigentlich Gerechtigkeit bedeutet. Die Zedaka empfinden wir — mehr noch der Geber als der Empfänger — wie einen schuldigen Tribut ausglcichender Gerechtigkeit. Tas Wort des R. I o s u a : „Mehr, als du dem Armen gibst, empfängst dil von ihm" (Rut Rabba zu 2, 19) ist uns längst ein geflügeltes Wort geworden, das keiner Erklärung bedarf, weil wir seine Wahrheit im Innersten fühlen. Was bedeutet denn auch das materielle Lpfer, wenn wir einen armen Gast an unserm Tisch bewirten, gegenüber der seelischen Befriedigung, die aus dem Bewußtsein quillt, in das düstere Leben eines heimatlos umherirrenden Bruders Sally Mayer Altmarkt 10 Ruf 12045 Das Fachgeschäft für Schreibmaschinen Zeitgemäßer Alle Arten Drucksachen Büt obedarf vornehm, schnell,preiswert einen noch so flüchtigen "Sonnenstrahl geleitet zu haben? Und wie erst, wenn es uns gelingt, einer Familie, die dem Ruin.nahe war, durch ein Tarlchen oder sonstige Unterstützung den Weg zu neuem Aufstieg zu ebnen! Diese Freude am Wohltun, dieses Zartgefühl im Wohltun, das wir an» Erilarchenpaare in seiner höchsten Vollendung bewundern konnten, müßten einigermaßen uns allen zu eigen sein, denn sie sind ein Erbteil unseres Stammes, ein Vermächtnis des Erzvaters Abraham. „Trei Eigenschaften", sagt der Talmud, „sind die Merkmale dieser Nation: Barmherzigkeit, Ehrgefühl, Menschenliebe" (Jebamot 79a). „Wer mit Gottes Geschöpfen kein Mitleid hat, ist sicherlich kein Nachkomme Abrahams" (Jom Tob 32b). \kriangen Sie bei Jhrem Zigarrenhändler die neue 6-s i/ aUomane ZIGARETTE

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