Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 2 Kemeiiideblatt der Israelitischen Religio nkgcmeinde Dresden abend des Versöhnungstages.400 Denare (etwa 26« M.) zu schicken. Das Söhnchen, durch das er ihm einmal das Geld schickte, meinte bei seiner Rückkehr, der so reich Bedachte hätte die Gabe gar nicht nötig. „Wie kommst du auf diesen OJedanken?" fragte der Vater erstaunt. „Ich habe beobachtet," erwiderte der ltnabe, „wie der Fußboden dort mit altem Wein besprengt ivurde." ,|3ft er so verwöhnt?" verumndcrte sich Mar U k b a und schickte, ihm fortan den doppelten Betrag. — Einem Nachbar, der lieber darben als Almosen annehmen wollte, warf er täglich., vier Denare heimlich und unbemerkt in den Hausflur. Jener hatte das.begreiflid>c Verlangen, den unbekannten Wohltäter kennenznlcrnen. Es ivar vielleicht weniger Neugier als der Wunsch, sich die auf gezwungene Fürsorge zu verbitten. Eines Abends war der Erilarch ans dem Lehrhause spät heimgekchrt, begab sich aber doch noch zur Wohnung des armen Nachbars. Tic gleichgesinnte Gattin, die i» allen edlen Werken mit ihm wetteiferte, be gleitete ihn. .Caum hatte er, von der Dunkelheit begünstigt, das Geldstück behutsam zu Boden gleiten lassen, als die Tür hastig aufgerisscn wurde und der Naächar, der auf der Lauer gestanden hatte, dem enteilenden Paare nachstürzte, das sich, um der Entdeckung zu cutgeheu, vor seinem hartnäckigen Verfolger in einen lialkosen flüchtete, auf dessen heißem Bo den . sie sich fast die Füße verbrannten, aber trotzdem dort anshicltcn. — Als Mar Ukba sein Ende * herannahcn fühlte, ließ er sich das Buch vorlegen, in welchem seine Ausgaben für wohltätige Zwecke verzeichnet waren. ■ Es ergab sich ein Betrag von siebentausend Golddenarcn (ctiva 114 000 M). Enttäuscht rief er ans: „Ter Weg so weit, die Zehrung so gering", und verschenkte lctztivillig die Hälfte seines Vermögens. Einen mehr heiteren Charakter trägt das niedlickfe Ge schichtchen, das von R a b a, dem Schulhaupt von Machusa, in diesen» Zusamincuhange dort berichtet »vird. Ein ariner Mann kam zu ihm, um aus öffentlichen Mitteln Unterstützung zu empfangen. In der Armenkasse tvav Ebbe, eingetreten, und da fragte der Rabbi vorsichtig: „Was ist deine tägliche Nahrung, mein Freund?" Die Antwort lautete recht >»aiv: „Ein gemästetes Huhn und alter Wein." Und als der Rabbi dem entgegenhielt: „Diu dürftest doch vielleicht auf die Notlage der Gemeinde ein »venig Rücksicht nehmen", erwiderte der andere mit der unschuldigsten Miene von der Welt: „Esse ich denn von dem, was ihnen gehört? Ich esse von dem, was Gott gehört: es heißt ja in den Psalinen l14-">, 15,): Aller Augen blicken auf zu dir, und du gibst ihnen ihre Nahrung zur rechten Zeit." Inzwischen war die Schwester R a b a s, die er dreizehn Jahre nicht gesehen hatte, zu Besuch eingetroffen. Sie brachte dem Bruder als Gastgeschenk ein fettes Huhn und alten Wein. Betroffen sagte der Rabbi: „Das ist doch seltsam", und zi» dein bibelfesten Manne: „Hier niinm, iß und trink! Ich bitte dich um Verzeihung." *; Mit derselben Liebe, die unsere Alten für das irdische Wohl ihrer Mitmenschen bekundeten, »varen sie auch auf das Seelenheil der Volksgenossen bedacht. „Tu sollst dem Blinden keinen Anstoß in. den Weg legen", lehrt die Heilige Schrift (3. B. M. 19, 14). Die Rabbiner deuten dieses Verbot auch in übertragenem Sinne: Tu sollst-dem Unkundigen oder Verblendeten keinen Anlaß zur Sünde geben. Sie selbst waren in allem, was sie taten, mit weitblickender Um¬ Seite ficht daraus b» dacht, daß ihre Handlungsweise andere» Personen »ücht di« Möglichkeit gewähre, ein Unrecht zu begehen und Schuld aif sich zu laden. Hierfür ein lehrreiches Beispiel^R. I s > > a e l, der Söhn des R. Jose, wurde ans der Straße von einem Arbeiter ansgefordcrt, ihm ein schweres Reisigbündel auszuladen, das neben ihn» ain Boden lag. Auf die Frag:, welchen Wert das Holz hätte, forderte der Besitzer einen halbe» Denar. Ter Rabbi zahlte diesen Preis lind erklärte > »in das Bündel alsherrenlos. Ter Arbeiter, der von denr »nfgegebenen Eigentum sofort Besitz ergrifscn hatte, nahm leinen Anstand, den» berühmten Lehrer.anfs neue znznmnt m, daß er ihm die Last aus den Rücken hebe. Wieder zahlte ihm dieser einen halben Denar, und »vieder verzichtete er ans das Eigentumsrecht an dem eben crworbenen Bündel Als er aber merkte, daß jener Miene machte, sich zni» drittln Male des Holzes zu bemächtigen: sprach er-: „Ftir alle Welt ist es herreillos, für dich nicht" (Baba M. 30I>). Di1 Frage liegt nahe, warum es denn der Rabbi überhaupt für herrenlos erklärte.. Er hätte es doch, nachden» er cs erworben, einfach liegen lassen und seines Weges gehen können. Tic Tosasot antworten mit kongenialen» Nachenipfinden: E: wollte verhüte», daß sich ein Vorübergehender das Bündel unrechtmäßig anc'igneund sich einer Fundnnterschlagiing schu dig mache. Ethische Erwägungen solck»er Arb konnten, zumal wenn soziale Motivr hinzutreten, sogar jm Gerichtssaale zur Geltung komme», soscrn die Partei ihnen zugänglich war. R a b b a b a r H u n a hatte Lastträgern »vegen eines ii» schuldhafter Fahrlässigkeit ihm zugcfügten Säfadens die Mäntel gepfändet. Als die 2acl»e vor Rab kam, sagte er zu ihm: „Gib ihnen die Mäntel wieder!"; Rabba fragte: „Ist so' das Gesetz?" Rab antwortete »ritt einem Zitat - ans der-» Bibel (Spr. '2, 20): „Damit d» d«sn Weg der Guten gehest", »»'oraus jener die Mäntel zurückglsb. Nun klagten aber die Arbeiter: „W r sind arme Len-te »snd haben den ganzen Tag n»is gemüht: wir haben Hunger und besitzen nichts." Ta sagte der Ric»ter zu Rabba: „Geh, zahle ihnen den Arbeitslohn!" Erstaunt fragte dieser aufs neue: „Ist so das Gesetz?" 1In> Räb erividerte utit der zweiten .Hälfte des angeführten Benes: „Tämit dl» hie Pfade der Frommen innehältst." i Diese peil liche Gewisscnhaftigfeit, die auch dort, wo^es sich nicht um Werke der Liebe handelt, über die Förderungen bloßer Gerechtigkeit hinausstreftt, hat im rabbinischen Schrifttum ei reu Ausdruck geprägt, der sich »neincs Wissens in keiner andrrcn Sprache findet, die Bezeichnung.G e n e - »v a t Ta' a t. Die »»'örtlickie llebdrsetzung, etiva Meinungsdicbftahl, genährt keine klare Värstellnng von diese»» Begriff. «temci »t ist die Erschleichnpg einer freundlichen Gesinnung durch eine scheinbare- Gefälligkeit, die in Wahrheit keine ist, durch eine Gabe, die Mi weitem nicht den Wert hat, den der Empfänger ihr beimißt. So lehrt R. Meier (Hullin 94a): „Bitte nicht jemand zu Gaste, »veil du weißt, daß er die E uladung nicht annehmen »vird: überhäufe ihn nicht mit Get'chenken, »weil du sicher bist, daß er sie ztrück- »veisen »vird." — Mar S a m u H, der , Begründer des LehrhanseS vcn Nehardea, beaufträgte auf ei»»er Reise s:inen Diener, dem Fährmann, der sie ijber den Fluß gefetz, ein Trinkgeld zu geben.. Ta dieser eis» Heide war, schenkt» ihm der Diener eine Henne, die nach unseren Speisegesetze» ein rernsprecli-Aiilaneii jedes Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschalt ings-Anlagen Glühlampen-Zentralen. Haustelephonnlagen ln höchster Vollendung In Kauf und Miete fahren aus Dresdner Prtvaf-Telelm-Gc ieUlchait Femspr.-Sammel-Nr.25631 Dr68(l8ll“A«1 Wilsdruffer Strafe 15 Auskünfte und Ingenieurbesuche kostenlos und unverbindlich