Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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! Leite 2 Gemeindeblalt der Israelitischen ReligüonSgemeindc Dresden bach/Schopenhauer nnd ütietziche genährt und alle Welträtsel restlos lchen ivolltc. Es m'utet wie ein Fossil aus jener Zeit an, in djr «ick jeder -halbgebildete als Jünger Haeckels gebärdete lind entweder als Atheist oder mindestens als Monist sür alle Mnsterien des Ta sei ns die fertige Antwort boi-if,- Rcligion inmr eben eine1, Schövfung der Nützlichkeit, erfnnden, um lxirmloie Genuiter zu beruhigen, als drohende Abwehr der Ungebärdigen, als ein kluger Kompromiß mit den, Himmel. W>'nn Sigmund Freud die Religion als „Lchlafmittel". als „süßes (Pft". als „Wahnidee" benennt, so entstammen diese Bezeichnungen dem Wortschatz der Hacckel-Zeit, deren fläfllicf>c Seichlheis und llnwillcnschaftlichkeit Philosophie und Nainrwillenschstft io nnbe.zweifelbar nachgewiesen, daß ne für Jahrzebnve völlig verschwanden. Es ist schön, mit Freud das Hohelied von der sieghaften Wissenschaft anznstimmen. Aber, wahre Wissenscktaft ist deiiyitiq. cti' weiß. daß hinter jedem gelösten Rätsel tausend neuerer teöiung harrende aussteige». ..Jus Innre der Natur dringt kejn erichatsener kreist." ^as ist die Antwort, die >iönig Laloino. der Wabrhcitsucher. ans dem Königsthron, am Ende seines langen Suckens ergründet: „Fürchte Gott nnd wahre seine (Gebote, das ist der VoUmenich sZtohelet 12, 13)." Nickt'derf Mensch, der die Wahrheit hat, sondern der, der stc ehrfürchtig sucht und um sie ringt, ist .der wahre Mensch. Tas wäre eine armselige Wissenschaft, welclv die Welt der Teele nnfi ein Tutzend inathematisclvr Formeln bringt und jie in ein? treibe Recheneremvel anslöst. selbst!'wenn die Religion keine andere Ausgabe vis zur 'Slnnde ^'hch't. als dir Triebe zu zügeln und in den Dienst einer höheren >tnltnrbetätignng zu stellen, das Tier rin Menjchenj zu übcrivinden, ans Triebmenschen (Gottsucher zu machen, sh iväre ibr Werk >rnd Wesen vollauf gerechtfertigt, selbst west» Gewisse» und Rene nur-Erziehungsreiultate nnd keine llriprünglichkeiten der Menictrenseele wären, sie würden da-:- Lebeiisrecht der Religion vollinhaltlich bestätigen. Ader f e und mehr! Tanir zeugen die Menschen der Bibel, die ihre» ^ott nninittelbar erlebt, die mit ihm gesprochen von Angellcbt zu Angesicht.. Entweder muß man sie alle als Lchutindltr brandmarken, und das wird selbst ein Freud nicht wagen. o>er er muß anerkennen, daß es Tinge zwischen Himmel und Erde gibt, von denen sich seine Schulweisheit nichts trätiinen läßt. Ticie Erfahrungen sind in ihren Wirkungen elten'o real ivie seine angobetcte Wissenschaft. Und die'e Anerkenntnis ist zugleich das Geständnis seines Fehlurteils. ^eligion ist keine Illusion, sic ist eine Realität, durch ihre Wirkungen bewiesen, durch ihre Bekenitcr bestätigt-, durch Tan'ende bis Wirklichfest erlebt. Alle Willenickzait in Ehren! Wir Elle jhaben erlebt, wie Tagesweisbeiten spurlos ver- 'chtvaiideni Tic Religion bat sie alle überdauert, „(»lras mag weiten. Blumen mögen verdorren, das Wort unseres.Gottes bestellt ewiglich (Jet. lO,tZ)." U. (Aus dem Wuettembeigiichen israelitischen Kemeindeblatt) Rr. 2 Vilder talmudischee Ethik Von Prof. Tr. E. Bane h Ter Talmud enthält einen reichen Schatz an Sittensprüchen. Toch lehrreictiSr sind seine Erzc hlungen, die Bilder aus dem Leben, die er bei jeder sich t seienden Gelegenheit mit knappen Strichen anschaulich entwirft. Er folgt hierin der Methode der Bibel in der Erkinntnis, daß keine noch so schöne Sentenz mit solcher Eindringlichkeit zu unserin .Herzen spricht wie das schlichte Beispiel edler Frauen und Männer. Einige dieser Geschichten, die mir eine spezifisch jüdische Ethik zu atmen scheinen, möchte ich hier wiedergeben. Wir werden sehen, daß unsere cltcn Lehrer die Sittensprllche, die sie im Munde führten, auch betätigten. H i l l e l verlangte, daß wir die Mensch m durch Liebe zur Tora hinführen. Zu ihm kam einst ein Heile, der den Wunsch äußerte, ins Judentum ausgenommen zu werden. Er stellte bloß die kleine Bedingung, daß er die ganze Tora lerne, während er auf einem Fuße stehe. Vorher hatte er dieses Anliegen Schammai vorgetragen, der ihm jedoch, da er in solch übermütigem Ansinnen mit Rechte eine unverschämte Hänselei vermutete, schross die Türe gewiesen hatte. Hillel abet hörte ihn ruhig an und sprach: „Wa» dir unangenehm wäre, sollst du. anderen nickt antun! Das st die ganze Tora. Alles übrige ist.(ioinmentnr, geh hin und Kerrie." Der Heide wurde von dieser Antwort so ergriffen, adaß er der Aufforderung folgte und in den Geist der Tora sich vertiefte. Er wa?d ein überzeugter Bekenner des Judentums und wußte dein milden Rabbi noch in späten Jahren Tank sür das köstliäzc Wort, das ihm den wahren Sinn des verkannten nnd geschmähten LffenbarungsglaubcnS erschloß (Schabbatlll-'). Was Hillel unter Menschenliebe verstand, erfahren wir an einer anderen Stelle (.(ictubbot 07b). ES lebte in seiner Nähe ein Mann, der einst bessere Tage gesehen hatte nnd den Verlust seines Vermögens um so drückender empfand, als ihm die vornehme Lebensweise, in der inan ihn erzogen und venveichlicht hatte, fast zu einem Bcdürfiiis geivordcn ivar. Hillel, in Armut und Entbehrung aufgeivacksen, blieb auch später, nachdem er durch seine reichen Geistcsgaben zu hohem Ansehen und durch den Anteil an den Geschäften seines Bruders zu großem Wohlstand gelangt ivar, in seinen Ansprüchen an das Leben bescheiden und bedürfnislos, überflüssigem Aufwand abhold und Feind aller Ucppigkcit. Den verwöhnten Nachbar aber unterstützte er so reichlich, daß er die gewohnte Lebensweise! fortseben konnte. Er hielt ihm ein Reitpferd und einen Sklaven, der vor ihm herlief, und eines Tages, da zufällig kein! Sklave zur Verfügung stand und sein Lchützling ausreiten wollte, lief Hillel selbst vor ihm her.! , Aehnlich. wird daselbst vom Erilarckzcn J!or U kba erzählt. Er pflegte einem armen Manne jedes Jahr am VoriHum»iMuiii!iimi,iiiuii,iinwiim{uiniii)i,nHiuiuimttiumuiumiitnn:iHiniiumitttnHi!iiiHnm(i immmiinininiiii* Richter u. Reichart Baumeister Dresden - A. Prager Straße 46 Telephon 23931 und Nr. 20931 Ausführung von | Neu- und Uijnbauten | Hausabputz g Entwässerungsanlagen 8 Kostenanschläge | und sachverständige | Beratung | » S MMWI« uiiiiuiii iih HuwnuHiiiiuiBuiiinKniiiuiujuiimiHMii wnianHiflaiiHiiiuntHlitoiQiiiiiiiuiiHiuiuiuiiiiwai Hjerrenstoffe Damenluche Lostümstoffe, Mantelstoffe, Spottstoffe, Konfirmanden» und Knabenstoffe SEen A. * Scheffelftriitzr 21 SutterfJoffi, HtanMcftar, Onrateftoffc, IMOttift-, PsU» mi Unifonraaut«, -ainte, plksch« unö Rriänin« i