Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-05-01 · 1 (5.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
1 (5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4892693-5739357-5769835--0796-4893423
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 1 iemeindeblatt der Jsr Iugendpolitik Po» RcchtSauwa Tie Rile der Jugend i» der dciktscheu Xcmofrntie ist in dem zehn ä!,rigen. wechselvoUen Schicksal der Republik nicht geklärt wirren. Theoretisch wollte man den jungen Staatsbürger schon frühzeitig auf seine verantwortungsvolle Ausgabe als Tiäger des Volkswillens Hinweisen. Praltisch ist so gut wie nichts geschehen. Ter junge Mensch ftolprrt in das Wahlaltvr lünein. Man drückt ihm den Ltimmze tel in die Hand. Ab, r man gibt ihm nicht das Rüstzeug mit. auf Grund eigener Entschließung seine Stimme abzu, eben. Gewiß s nd Versuche in dieser Nichtung gemack t worden., Tie Reichsverfassung schreibt in Artikel 148 vor, dcß in allen Schulen „staatsbürgerliche Gesinnung im Geiste dedeutschen VolkStums und der Völkerversöhnung" zu erstrebe, ist. Tic schüchternen Ansätze, in den Lehrplan der Schule d e Staat-rbürgerkund, einznflcchten, haben aber wenig erfnnliche Ergebnisse gezntigt. Tie politische Gesinnung des Lehrkörpers und der Elternschaft hat immer wieder Einfluß an: die Ausgestaltung i,es Lehrfaches gewonnen. Turchweg i t es nicht gelungen, die Politik als Wissenschaft zu erarbeiten. Ter Lehrer als politischer Erzieher ist heute noch Znl unstshofsnung. Um selbst fehlt politisckie Erziehung. Wie bcdentsam aber eines gute, staatsbürgerlickic Schulbildung sein würde, wird imme: noch verkannt. Mit dem Schlagwort: Politik gehört nicht in die schule, suckst man dem Schülir Einblick in politische Gedankengänge zu verwehren. Tafür überliefert man ihn dein Geschichtslehrcr, der dann brav durch die Jahrhunderte in bewährten Bahnen klettert, um bei Schulschluß aufatmend ns zum Jahre 1914 zu gelangen. Mein Wunder, wenn der jisnge Staatsbürger dann die Welt durch die Brille des Geschichtslehrers sieht, wenn er, den Blick nach rückwärts gerichtet, di; Vergangenheit zum politischen Zukunstsideal erhebt: er weiß es nicht besser. Kein Wunder auch, wenn für ihn der Begriff der Volksgemeinschaft farblos ist wenn er nicht in d» Lage erscheint, in dem jüdischen Mitschüler den Volksgenossen zu sehen. Und hier entfaltet sich da; Prob!.'?» z» einer Lxdensfrage. Es kann und darf bei keiner jüdischen Richtung Zveifel darüber geben, daß die rechtliche und so gologische Gu ichberechtigung als deutscher Staatsbürger ijir uns'eine klelbstverständlichkeit ist. Tie einzige Möglichkeit aber, dieser Gleichberechtigung näherzukommen, besieht darin, immer wieder gebieterisch die Forderung anfzustellen: Erziehung dost Jugend zu staatsbürgerlicher Gesinnui g. Tiefer Gesichtspunkt allein ist wichtig genug, um gerade im Interesse der jüdischen Jugend sich mit Entschiedenheit aus die Seite derer zu Kellen, die für die Gemeinschaftsschule kämpfen. Leider ist in diesem Punkte noch keineswegs die jüdische Einheitsfront yergestellt. Nur disstch gemeinsame politisckie Erziehung kann auch dem verhetzenden Einfluß politischer Parteien Einhalt geboten werden. Wer möchte nicht gar zu gern di« künftige» Parteimitglieder von Anfang an vor den '.Parteiwagen spannen! iTie Folgen sehen wir in der Beteilignn!g Jugendlicher an Äraßendemonstrationen, in der Verherrlichung der Parteisymdple durch die verhetzte Jugend, der Parteiabzeichen, der Partesfahne, der Parteitracht. So ist cs nicht ausgeblieben, daß jugendlicher Uebcrschwang zum Pastteisanatismus erstarrt ist,' zur Einseitigkeit, zur Ueberheblichkeit, zur Verachtung: aller Gesinnungsgegner'. So ist dev Typ des jugendlichen Grabschänders' des jugendlichen Fememörders erwachsen: Typen, die schon nicht mehr vereinzelt firsd, sondern die typisch sind für den politischen Tiefstand einer ganzen Generation^ nicht nur Auswüchse, sondern bezeichnende Zeiterscheinungen. ' | aelitischen ReligionS und Politik t Dr. Hermann L c h »i a u NI Und hier, Sick-erungsmögjl gäbe, im I » fl c ii ö b c We,l ln der politisckien hon der Partei wieder, allzu Bewegung schli den Jungdo. früher so vielte dem jungen j schaftsgefühles vermitteln, ist schaftsbildende kennen und de und fruchtbares unsere Aufgabf Rüstzeug, das schaffen. Wir sprackieabeude. Kampf. Habest gelegt, so wirjd tiramms die Es ivird und i abende mit and zu bilden ,m!i des jungen po band der Jüdsj der schon jetzt tatkräftig weist; gemeinde Dresden Seite der Jugend n, Breme» e in so vielen Fällen, zwar keine ausreichent ichkeit durch den Staat, aber die große Au e der Selbsthilfe cinzugrcifcn. £ c fl 11 Hfl ist auch heute uichst völlig im Baun Parteien. Ja, selbst die Bünde, die liebevoll betreut werden, vermeiden es heute fchog avifch das Parteiseget zu hissen. Gar Manck e gt völlig neiie Wege ein. Mau denke nur au Tie gcsamtjudischc Jugendbewegung, deren schmähte Neutralität ja gerade darin besteht isdisckien Menschen das Erlebnis des Gemen unabhängig von aller Parteieinseitigkeit bisher zuwenig daran gegangen, die gcmeisi Kraft staatsbürgerlicher^ Erziehung zu i Bünden vor Augen zu-'führen. Ein rcichts Betätigungsfeld liegt vor uns. Es im ß sein, unseren jungen Freunden das politisiie ihnen die Schule nicht gegeben'hat, zu vee müssen durch Arbeitsgemeinschastcu, Anp» Vorträge gestählt werden für den politisch wir erst in unseren Reihen den Grundstock gerade dieser Teil unseres Erziehnngspr> ücke bilden zu anderen Jugendgemeinschaftni. äuß dann üiöglich sein, regelmäßige Ausivrack e ereu Bünden zu veranstalten, die Auffassung a zu klären, ja, im Endziel einen neuen T w itisckien Mensclien zu schassen. Möge der V. rchen Jugendvereine Teutschlands diesen Wig. .'on einzelnen Berbandsvereinen befchrilken i ü. en. rtschriit* Schuhe Tteustaßt Größtes Schuhlager j Dresdens Gute Möbel N Nentzfch & €o< s Lresöm Gute Möbel <$70 ' 0f(0O(t9 r»I»pt»oa 5SSS8 Spe?talha«S für Möbel u«ö Vekorahonen VnkMfMtaMi i« VraMls Va»tz»»r Stroh» 79—$$ 1»«>t«a»t: ♦tn«nr* Strotz» J4-JI

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.