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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-05-01 · 1 (5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
1 (5.1928)
Date
1928-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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seite 4 KemeiNdeblatt der Israelitischen Religic nSgemeinde Dresden als Förderer betrachten. Tie schule des Iugkndverbandes dürfte üch in den nächsten Iahrej, als ein starkes Moment der Verjüngung und Erneuerung d^r LvAen erweisen. sieben dem Bne-Briß-Trden!— und kraft seiner größeren Reichweite, der größeren Tifferctnziertbeit der zu ibm fronenden Menichcnfchichten noch vor ibni — darf sich der jüdische Iugendverband mit seinem imitier bewußter betätigten'Ern beitswillen allmächtiges Bollnerk gegeirüber den so ver- .breiteten Mächten der Spaltung und Scheidung erkeniien. Tarin liegt sicherlich beute seine vornebmsle Bedeutung. Insofern, als sich das Trennende immer deutlicher als Begleiterscheinung von A u f l ö s u n g : Vorgängen erweist (ihre llr- >ache oder /folge?), cinpiindet dqr IIP. immer gebieterischer die schweren Pflichten der Erbalt ing der so schwer gefährdeten' deutschen Iudcnbeit. /in streng :r /Folgerichtigkeit bat er sich daher in den letzten Iabrcn im ncr entschiedener den beiden bedenklichsten Erscheinungen inrerbalb der deutschen Judenbeit zugewandt: der Problematik der jüdischen Land ^b e v ö lt e r u n g und des jüdischeil M alle n m e n sch e n. Tie höbe Bedeutung, die den unermüdlichen Bemübungen des Verbandes in diesen beiden Richtungen, seinen geglückten und noch zahlreicheren mißglückten Versuchen bcizumessen ist, wird hoffentlich nicht zu spat von de» jüdischen Tcffentlichkeit erkannt werden.! . Wer kennt nicht die Tauerkrn'e der allermeisten jüdischen L a n d gemeinden? Als Ersatzräserven. als Elemente der Erneuerung kommen ne für die arg zusammengeschmolzene deutsche Iudenbeit schon feit Jak» und Tag nickt mebr in Betracht. Es gilt beute, die ^vielfach isolierten jüdischen Familien in Landilädtchen und Tönern nicht völlig aus dem Stromkreis jüdischen Lebens berä ns falle» zu lassen. Versuche in diesem Sinne, die sich auf dies (Generation der „Alten" erstreckten, endeten trostlos, und jo bleibt - nur die spärliche fugend auf dem Lande als keineswegs-iebr ermutigender und doch in jedem einzelnen /falle wichtiger Faktor für die „innere Miiiion" seitens des deutschen Judentums auf dem Lande, (»ranz aussichtslos lväre es, und bat es sich vielfach erwieseu. mit den Werbemitteln der jüdischen „Parteiorganisationen" das Erbaltungswerk an der Landjugend zu versuchen. Bei dem bunten Bild, das üch uns heute hinsichtlich der Haltung ■ dem /jüdischen gegenüber auch iiu,erbalb der einzelnen .«leingemeindcn bietet, kann nur ein Bund von der Tuldsamkeit und Weite des Arbeitsplanes irie der unsere es überbaupt Magen, als Rufer und Wecker -Ufzutreten. Haben wir es dock in jabrzebntelangcin Bl üben genugsam und schmerzlich erfahren. ivie schwach bei Tausenden jüdischer junger Menschen -die Bindung gn alles Jüdische iü. wie verieblt jegliche lleber'ckxitzung der gegebenen Achbaumöglichkeiten wäre, und ivie vielfältig darum auch die Versuche sein müssen, diese jüdischen Randmenschen auch nur bin wenig von der Peripberie biniveg und "der jüdischen Mitte g,zubc»>egen. So ergab sich uns auch die schwierige /frage der jüdischen Ztleingemeinden - von maiicben Beionderbeiten keineswegs wesentlicher Natur avgesebeii - als Teilfragc des viel umfassenderen und wesentliche» und für die Zukunft der deutschen Indenheit entscheidenden Problems der jüdischen „M a s s e". Tarunter begreifen ivir das unbeimlich angewachsene Heer der /Indifferenten. Stümpfen. aller derer, die kaum mebr in einer lebendigen Beziebung zu irgendwie geistig (Geartetem, noch weniger zur jüdischen Geineswclt sieben. Man täusche sich nickte der geiüige Proletariüeruiwsprozeß batte bei der deutickien Iudenbeit, auch in den Städten. schon'vor. dein .(triege Nr. 1 nur allzu rische /fortschritte gemacht; seit der riesigen Sport woge, die ü?er die Stadtmenschen, hereinbrach, ist es dahin ge kommen, daß das Geistige auch bei dm, jüdischen Mensche, bald den „Zturswert" verloren hat. Wiederum war es unser Verband, d» nicht nur früh auf diese, vielleicht schlimmste weil am jüüschen Wesen nagende Verfallserscheinung hin wies, sondern der sich um die „Psychologie der Masse" sorgte und in umndlichem Ringen danach trachtete, auch in de» Stumpfestei des Geistes einen Funken wieder zu entfachen Wie batten io mancher „Iugendbewegte" in! kurzsichtiger Ver blendung rns ob dieses gewaltigen, mutigen Unterfangens beläckwlt, wie wenig beachtet die verantwortliche jüdische Leffentlichleit diesen hochbedeutsamen Teil unseres Schaffen? und wie bald wird man einsehen müssen, daß die „Heimkehr einer klein:n Anzahl edel Gearteter am ^Endergebnis des deutschjüdislticn Schicksals nichts ändern wir- — falls man dir jüdische Mi sse ihrem Massendasein auch nur noch kurze Zeit überläßt! Es tut not. sich ehestens klarzufnachen, daß diese jüdische Miisenfrage vor allem in den wenigen Groß srädten!es Reiches entschieden wird. Time Ueberspitzung darf gesagt werden: Tie Zukunft der deutschen Judenheit entscheidet sich an der Möglichkeit oder Unmöglichkeit, die Massen junger Menschen durchaus indifferienter Haltung in den paar E roßstädten, in Berlin zumal, irgendwie geistig und irgendwie jüdisch zu erfassen. Tie Indifferenz ist dort in einem Aus naße anzutreffen, daß auch das Mindestprogramm jeglichen Tendenzbundes schon zuviel an, Ansprüchen und zuwenig a> anlockender Auswahl bietet. Aüch an diesem ent scheidenden Punkte kann wieder nur die iveite und der bewußt betriebene Eklektizismus im Arbeiten unsjerer Bünde Per suche wage ,, die auch nur einige Aussicht auf Ergebnis iif. sich tragen. Tarüber müssen sich die Verantwortlichen in der deutschen / udenheit, darüber auch manche Inzwischen heran gereifte Fi brernaturen, die einst durch diel Jugendbewegung schritten, rasch klar werden. Sonst wird ohne unser Ver schulden das „Zu spät" fällig sein. j Eine »eitere, aus de» Lebensgcsetzen dieser gewaltigen 3eit gebor -ne Tat unsers IIV. mag hier noch Andeutung finden. An ieutung wenigstens, da sie der weite Geist unseres Bundcs mturnotil'endig schaffen muß. »ijd doch nur Andeutung. ta sie noch im Werden begriffen ist. Seit zwei Jahren baut unser Verband Beziehungen zit jüdischen jungen Menschen in außer-eutschen und außereuropäischen Ländern ans. die gleich unsj den Juden ohne Ansehen von Richtung und Stand als Bonder grüßen, und die! gewillt sind, mit uns eine jüdisckfe W e l t j u g e n d - L>i g a zu schaffe». Sie soll dnr Erneuerung des Judaismus als gestaltender rast in uns allen dienstbar-werden.; So dar der Veriband der jüdischen Iugendvereine in letz ter Erfass,!i,g seinqs richtig verstandenen Wesens von sich sagen, daß er „Brücke" sein will von Jude zu Jude, von Mensch zu Mensch! Und vielleicht liegt hierin seine tiefste Bedeutunm zugleich das Geheimnis feiiser immer iteue:t Wirkung ans jüdische Menschen mit weiter Seele. Tenn durch seine mcinchtümlich-tolerante, weite Grundhaltung ist er letzt hin zur Sendung an die vielen Sehnsüchtige» und Verzweifelten > i» unsrer so versachlichten Zeit berufen, die da fürchten, .ckeine Brücke führe von Mensch zu Mensch". Zu ihnen tragen wir die beruhigende Stunde; daß hundertfach die. Bahnen sind. durch die der Seele Stron, von Br»der-ch Bruder sich ergießt. i DAS HAUS FÜR VORNEHME DAMENBEKLEIDUNG D R E S D E N - A. PRAGER STRASSE 34, TELEPHON ri74<S » — t 2323235348534831482348232353534823234848909148535391532323482323535323535323535348 64

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