Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 1 (5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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jette 6 ©emeinbefijlatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden Nr. t Unser Weg in die ^Wirklichkeit --- : Vozr Elsa H i r (re| in fein Zufall, daß zur selben Zeit auf verschiedenen GebieOen und auf verschiedenen mitten ein liejter Betzriff gleichzntig lebendig wird und als Programm Geltung bekotztml. Alle geistige Entwicklung jenolgt gesetzmäßig und eiubei:licki: die gleichen Ztrömungeis finden in verschiedener Veite dach einen gemeinsamen Aufdruck. In der Weltanscha >ung, in der »nnst, in der P-litik, im Leben des Alltags find die gleichen Gesetze, die chie Richtung einer Zeit bestim neu. wirksam. Es ist-nur ngtiirlich, daß diese neuen Gesellt zuerst und am stärksten voll der Jugend, als dem Zcböv er und Träger der Fortentwicklung, geprägt und erfaßt nerden. U ' - Ti' letzten Jabre weisen als Reaktion auf eine Zeit der Romantik, des Ehaos und der Ekstaiie dm Weg zur Sachlichkeit. dm „Weg in die-Wirklichkeit". Eine-Jugend, die fest und ltbenstückitig auf ihrem Postenssteht, hat diesen Begriff teils gestaltet, teils nachempfindend Angenommen. Ein Wort, da-? eine neue Geisttsströmung kennzeichnet, mein ibue-ihren Gehalt ganz zu treffen und auszuschöpfen, erliegt leicktt der Gefahr, zum Zchlagwort zu erstarren. Ter Zinn wird durch Uebersteigerung lind lleberschätzung dcs Modei 'orts äußerlich. Tann geht her -schöpferische und bewegliche Gehalt, der einem solchen Wort zugrunde lag, verloren,! es wird sinnlos und erstarrt szur Leblosigkeit. Wchin die jüdische Jugend als t^in besonderer Teil der neuen, ichöpferischen Generation in diesen Tagen in gemeinsamem Ringen ihren Weg in die Wirklichkeit suchen wird, so wird das Bewußtsein sie leiten, daiß das lebendige Leben leicht sdurch ein Zchlagwort verwirrst und verdunkelt wird und daß solche Sorte, die der Beweglichkeit des Geistes wenig Zpielraum lauen, nur einen. Zinn andeuten, niemals ihn ausschipfen können. Erst der tiefe Lebensgehalt, den jeder einzelne immer von neuem in ein sclches der Allgemeinheit richtunggebendes Wort hineinlegt, gibt ibm Wert und Leben. Es kann die Jrage auftanckien, wie die Bejahung der Wirklichkeit'mit dem Ztreben der Jugend nach dem Idealen sich vereinigen läßt. Tie „Wirklichkeiit", nach der die Jugend unsren Tage sucht, Zoll nicht Ernüchterung und Banalität des Alltags bedeuten. Man sucht vielmehr klaren Blicks und o jenen Zinnes die Tinge, io wie sie und, zu erkennen, zu bejahen und zu lieben. In jdiesem Ztreben liegt der Wille zur Einheit. Tie Zpgltung in -ein Alltagsleben als eine unvermeidliche und nicht freigewollte Notwendigkeit. unh anderseits in ein Lebten, gesteigert in höhere Zpbären für einige Irei- und Ieieritunden, scheint chlmählich überwunden zu werden. An Ztelle der Zweiteilung in dass äußere Leben des Alltags i nd das davon sorgsam abgetrennte „Privatleben" tritt der entschiedene Versuch, einen Einklang zu schaffen, zwischen der Wirklichkeit, und dem Ztreben nach Höherem. ' Ttlrchdringnng der Wirklichkeit mit den geistigen, seelischen und religiösen Zträften in jedem Menschen und mit schel, Tresd.n Persönlichkeitswerteii — nur so darf die Bejahung der Wirklichkeit gemeint sein, nicht aber als ein Aufgeben höherer Werte unter dem Zwang äußerer Notwendigkeiten, die im Innersten abgelehnt und verneint werden. Tie Wirklichkeit ist das zzroße Objektive, zu dem wir alle streben und dem wir das Zubjektive unterordnen sollen, ohne es aufgeben zu dürfen. Im Gegenteil: Erst wenn jeder einzelne die subjektiven Möglichkeiten, sein Wesen zu verwirklichen, ganz ausgeschöpft hat, kann er ganz dem höheren Objektiven dienstbar sejn. In diesem Zinn tvird dem großen .Konflikt zwischen Beruf und persönlichem Leben die Möglichkeit zu einer Lösung, der scheinbaren Sinnlosigkeit des Zivgngs durch Beruf und Alltag ein höherer! Zinn gegeben. Tann dient auch die Religion nicht dem Ausgleich gegen die -Nöte des Alltags, sondern sie -wird zur Grindlage für die Bejahung der Wirklichkeit. Tiefe Wirklichkeit ist unendlich. Zie iffl die Wahrheit. „Unser Weg in die Wirklichkeit" ist der Weg zur Wahr beit. Ihn zu bejahen, heißt sein eigene» Ich zu bejahen und zu „venvirklichen".! Möge die Tresduer Tagung jedem einzelnen ein Markstein werden auf seinem Wege zu sich selbst: und zu einer böheren Wahrheit, möge sie helfen, die Wirklichkeit unsres Gebens zu dnrckidringen mit den reinsten Werten hober (Geistigkeit und inniger Religiosität. Gesunde Nahrung Edel dfcuu i R e i nc Spcifcölc, hefefreie Brote u. Cicbäckc, Nußbutter, getrocknete Früchte, Obftfätte u. 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