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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-03-31 · 11 (31.3.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
11 (31.3.1928)
Date
1928-03-31
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 (ftemcnibcblntt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 1 l Illustrierte Haggadahs Pon Tr. Karl!§ ch w a r z, Kastorder Kunstsamiiitung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Neben der Bibel ist die Peissach-Haggadah das weitverbreitetste Buch der Welkliteratnf. Dieses kleine, unscheinbare Büchlein ist zuin Volksbuch,der Juden geworden und ieit Jahrhunderten die Festschrift, die an den. Sederabendeu auf deni ganzen Erdenrund gelesesi, gesungen, und kommentiert wird. Seit der Erfindung der Buchdruckerkunst ist die Haggadab in unzähligen Auflagen «gedruckt, aber bereits vorder in vielen Handschriften verbreitet worden. Seit dem Ul. Jahrhundert wurde der Text auch mit Illustrationen geschmückt. Diese illuminierten Handschriften gehören mit zu dem wertvollsten und aufschlußreichsten!Quellenmaterial zur Kultur- und Religionsgeschichte unserör Vorfahren und bedeuten eine Fundgrube für die jüdische Forschung. Tenn kein Buch der jüdischen Literatur ist so ausgesprochen volkstümlich gewesen wie die Haggadah. Sitten Und Gebräuche spielen eine hervorragende Rolle, neben feierlichen Riten, geschichtlichen Darstellungen, ethischen und religiösen Belehrungen kommen Ditz und Humor zum Ausdruck, so daß das Büchlein bei jung und alt heute wie ehedem in gleicher Weise beliebt ist. Tie ältesten Illustrationen stgmmen aus Spanien und gebären dem beginnenden 1-1. Jahrhundert an. Eine im Jahre 18!)4 wieder aufgetauchte wundervolle Handschrift, die sogenannte Haggadah von Sarajevo, enthält 62 figürliche Kompositionen. Sie trägt das-Wowpen der Grafschaft Barcelona und schließt sich in der stilistischen Gestaltung der Ornamentik, den Tornblattmustern, Vögeln und Mäanderzeichnungen der byzantinischen Kunst, sine wir sie z. B. aus dein Psalter-Ludivig des .Heiligen kennest, an. Tie Figuren weisen italienischen Trecentoeinfluß auf. * Tie stilkritische Tatierung allier -Haggadah-Handschriften begegnet insofern großen Schwierigkeiten, da die — fast ausschließlich jüdischen — Illustratoren, in den Vorlagen oft weit zurückgreifend, die verschiedensten Einflüsse auf sich einwirken lassen und manchmal die heterogensten Eleinente init eigenen Ideen verbinden. So finden »vir z. B. in den spanischen Werken« italienische Anklänge, in den italienischen Spuren französischer Kunst und in den deutschen Handschriften germanische und romanische Vorbilder wieder. Die Haggadah von Sarajevo illustriert die biblische Geschichte von der Weltschöpfung bis zum Auszug aus Aegypten. In allen Handschriften werden histoj rische Darstellungen mit Szenen des Pessachfestes vermengt, wie denn die Illustratoren meist sehr gesprächig sind und eine be-i sondere Freude an der farbigreichen und abwechslungsvollep Ausschmückung des Textes haben, wobei Ornamente, schöne Initialen, Randleisten und ganze Titelseiten stark Mitwirken. Eine der schönsten Handschriften besitzt der Earl of Craw-j . ford in Manchester, spätromanischen Stiles, ziemlich gleichzeitig wie die vorige entstgnden. T-as British Museum zst London besitzt mehrere herrliche Exemplare, von denen das eine z. B. eine Sederdarstellung in der Synagoge aufweists ein Beweis also dafür, daß die Festordnung im Laufe der Zeiten manchen Aenderungen unterworfen war, und daß früher die Verlesung der Haggadah auch in der Synagoge stattfand. Tie im Besitz des Barons Rothschild in Paris befindlich^ Paduanische Haggadah ist in einem voll entwickelten Miniaturstil reich illustriert und wohl das schönste bisher be-" kannte italienische Stück. Don ganz besonderem Interesse aber sind die deutschen Handschriften. Den festlich-prunkhaften Charakter in. reprä- * ientativer Form dokumentiert die Haggadah der Darmstädter Landesbibliothek, die, von Israel b. Meir aus Heidelberg geschrieben, um 1420 illustriert sein muß und ebenso wie die berühmten beiden Handschriften des Germanischen Museums zu Nürnberg dem mittelrheinischen Kulturkreis entstammt. Die deutschen Haggadoth unterscheiden sich von den romanischen hauptsächlich durch ihren anekdotenhafteren und volksi

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