Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 10 (29.2.1928)
- Date
- 1928-02-29
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 10 Genieindeblatt der Israelitischen Religi »nSßemeinde Dresden teilsfälllmg um zwei Wochen. Ter Jude wurde in Haft be^ ' halten. An einem der nächsten Tage ging der Richter spaziere;« und sah kleine Judenkinder auf der Gasse spielen. Tie spielten „Richter". Tas intcrcfsierte den lutrflid>cn Richter und er blieb stehen. Die minder hatten zu Hause von der (beschichte des Lelhändlcrs gehört und verwendeten seinen Jall für ihr Spiel. Ein kleiner Junge schrie: „Tas Geld gehört dem Blumenhändler", der andre: „Tas Geld gehört dem Lelhändler". Ter(inabe, der im Spiel der Richter >var, runzelte die Stirn und dachte lange nach: dann befahl er. einen Eimer Wasser zu bringen. Ter Richter, der zusah, war neugierig, zu erfahren, ivozn eigentlich der .(»leine das Wasser brauchte. Er ging ans ihn zu.und fragte ihn: „Sag'. Uleiner, ivozu brauchst du Wassers" Ter .(»nabe antivortcte: „Ich ivcrde di« Münzen ins Wasser legen. Gebürt das.Geld dem Lelhändler, so müssen die Münzen fett sein — den» eilt Lelhändler hat immer fette Finger und aus dem Wasser niüssen Jettringe schwimmen." Ter Einfall des .(»naben gefiel dem Richter. Er ging ins Amt und machte mit dem strittigen Gelde, das sich dort befand. die gleiche Probe: es war fett. Ter Lelhändler wurde ireigelassen und erhielt sein Geld zurück. Ter .(»nabe, der den Richter belehrt hatte, soll — jo wird erzählt — der spätere Rabbi Elia, der .''"rühmte Gaon von Wilna gewesen sein. Juden und Saräer Ein .(taiser veranstaltete eininal eine Disputation zwischen Inden und (tarärrn. jener jüdische» Sekte, die den Talmud verwirft. Jeder der beide» Disputanten hatte zu beweisen, daß sein Glaube der ältere sei. Tein Sieger hatte der .(taiser reiche Geschenke versprochen. Tie Inden entsandten eine» geivöhnlichen Mann, die .(»aräer ihren Rabbi, de» sie Ebacham nennen. Als der Jude (»in .(taiser kam, zog er die Schube aus, nahm sie unter de» Arm und trat so vor den .(taiser. Ter karäische Ehacham trat iin Prachtgewand ein. Als der .(taiser den bloßsüßige» Inden sab. geriet er in;{orn: „So trittst du vor den .(taiser, ohne Schube?" „Majestät," erividcrte der Jude „das ist bei uns Inden eine Ehrsurchtsbezeigung. Als Mojes vor Gott l,intrat, hat er auch die Schuhe ansgezogen." - .Schön," sagte der .(taiser „aber warum trägst du die Schuhe unterm Arm?" J Daraus der Jude: „Tas will ich Euch erklären, Majestät. Wie die Inden am Berge Sinai standen, haben sie die Schube ansziehen müssen. Wie sie wieder zurückkamen und ihre Schuhe anzieben wollten, waren alle Schuhe fort: ein (taräer batte sie gestohlen. Tarn»« habe ich auch »in meine Stiefel Angst." Ter (taräerchaclnnn geriet in große Erregung und ries: „TaS ist eine Lüge, das ist unmöglich: damals bat es noch gar keine (taräer gegeben." — „Wenn dem so ist," erwiderte der Jude „gestehst du doch selbst zu, daß die Inden älter sind als die (taräer." Ter Ehachani konnte darauf nichts erwidern und der Jude ging reich beschenkt vondannen. Schnurrig» Wohltäter Ter Schnorrer von einst batte nicht das entwürdigcnide / (Yefiihl. Wohltaten zu empfangen - er kassierte nur das! ihm Anstehende ein. Er fühlte sich als der Geloeinnehnier. des lieben Gottes. So war es nur folgerichtig, wenn er sich auch das Recht zusprach. über das ihm Anstehende zu ver-. fügen, — etwa seine Bezüge ans gewissen Wohltätigkeitsquellen als Mitgift seiner Tochter dem Schwiegersohn ab«ntrcten oder gar sie zu vererben. Eharakteristisch ist der Fall einer Stiftung, die ein solcher Schnorrer in einer kleinen Posener Gemeinde einmal geinacht, hat und die bis zum heutigen Tage besteht. Dieser Mann, nennen wir ihn Ehaim Leiser Leubnscher. empfing allmonatlich auS der (lasse eines großen Geschäftshauses die Summe von 30 Mark als regelmäßige llntentübung. Als Leubnscher starb, fand sich ein Testament, in dem er seitsetzte, daß diese 30 Mark fortan regelmäßig gewissen wohltätigen Zwecken, zugeführt «nerden sollten. Er bestimmte die Zu- Seite 13 sammensetzting ^>es (turatorinms, das über die Berivaltnng und Berwcndnttg des Geldes, das auch bis zur Erreichung eines best Minden (tapitalbetrages anfgesaminelt werden durste, best Minen sollte^ und verfügte, daß die Institution zn ewigem A «denken an ihn de» Namen Ebaim Leiser-Lenbilschcr-Stistung tragen sollte. Tilge in ihrer Arr großzügige Verfügung, das naive Pertrauen zn den Spendern imponierte den Inhabern des Geschäftshanscs derart, daß die Bersügung pünktlich befolgt wurde, und genau nach den Bestimm«» gen wird die Stiftung bis htzgtc verwaltet. Ter rec«te Schnorrer, sage ich. fühlt «ich als Er«kntor des lieben Gottes lind läßt sich sein Recht nicht so "leicht ver kürzen. So kinem alten Schnorrer gegenüber Haltung zu bewalnen, ist schwerer, als gegenüber dem Portier eines Luxushotels in der Schweiz. Er weiß io viel Ironie i.nd Herablasin «g i» den Ton zu legen, wenn jemand ihn nicht staudesge» äß behandelt, daß man alle Selbstachtung-ilnn gegenüber verliert. Bei guten Bekannten im Hansaviertel von Berlin trat ein solcher Schnorrer eines Tages nur die Hanssran a>>, die. nicht recht über die Sähe des Schnorrertarifs im klaren, dem Jremden «ur tin pacij^ Groschen gab. im übrigen aber ans dessen dringend?» Wnmch ihm noch die Adresse einer jüdische» Nachbarsamilie angab. Tort wurde er. als er mignb, von wem er ge chickl sei, von der Hanssran gefragt, die doch einen Maßstab gewin «en «rollte, wieviel er dort bekommen habe. Er nannte frischweg zwei Mark, hielt es aber für nötig und einer Ans and« Pflicht entsprechend, ««»jeder «ur ersten- Tür «nrückgikeliren und das der ^nieder öffnenden Hausiran *n berichten. Er jlügte bin«»: - „Sie sollen nicht meinen, ich habe geschwindelt — ick, habe gesagt, icl hätte von Ihnen zwei Mark bekommen d^. war nur Jhretvegen: ich habe mich für Sie geschämt!" 8m «efcfe d blattes von unter der der Bcerdigju bekleidet brüderschafl Das beste säcbsiscb-tjeutscbe Erzeugnis ifltiflunfl. J» der Abhandlung über das „Recht und r sächsische» Juden" i» Ar. N des («icmeinde» 81, Januar 1U28, Seite 28 bis 25. fehlt am Schluß iederholung der Namen der BoritaiidSmitglicder ngsbrüdcrschaft Herr Mar Estrcichcr- Herr Sstreicher Ehrenamt des Schatzmeisters der Leerdigungs- «8 dis