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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-01-31 · 9 (31.1.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
9 (31.1.1928)
Date
1928-01-31
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Deiie 0 «Semeindeblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden N.O M Arbeit U Tic fcf|r HcactitlidJc .Scilfdinft „jüdische Ardeilsiiiib Ätiiöcrnirforflc", von der .'ömu'tjtcllc für lüdistlie 'ÄMiiibcrfiirioruc, veröffentlicht in Annulieroen sehr interene.nten Artikel nt>er das Problem der Arbeit. Tn ge ende diesem Thenin sehr nktnell ist. Val teil ivir es für eine breitere TeffenNicbkeit sehr geeignet. T. i'ied. im 'uibro ITüs der Reverend Tbmmt* Mobort '.'Jiciltbiiv 'einen sensationellen .Berinch über das (besetz der Bevölte rnng" schrieb, fam er;n dein Diblnst: ^ede VIrt van Wohl brtsptlege und van sozialer Fürsorge ist verderblich. Den.i. ivcit davon entfernt, das Elend der unteren Mlaiii’ii zn mil der», vereinigt tie vielinebr. verniebrt und fördert das Elend, indem sie Menschen fiiimlich am "eben erltält und ihre frort pflanznng ermöglicht, die die Natur selbst dazu bestimmt bat, tm «ainpfe ums Dasein unter',iigeben. Die Bevölkerung bat die Tendenz. sich stärker ’,w verinebren, als der Nabrnngs , initteisvielranm nniditt also iimst es ständig Menschen gebe>t,-.die von;>>atnr ans überzählig sind und bestimmt, iveg-,»sterben. Hilst man entgegen der deutlichen Absicht der Natur und entgegen dem i'Zrnndiatz der „imtürlichen ,,iichtivabl". iiiNt« dem mir der Dtärkne leben bleiben soll dieser Mensthensckiicht, so kann' man ihr dach mir ein fiim inerliches Dasein bieten sind schädigt alle übrigen, schädigt die ('k'U'l rühmt, der man die unproduktiven Elemente ansnötigt. Nun wir Hilden, die wir die soziale Fürsorge van «inen, religiöse» und sittlichen Dtandpnnkt ans betreiben, die wir nicht einem ökanainischen, fanderm eincur ethisch käritative» Fmpnlse folgen, ivenn wir Dozialpolitik treiben . ivir inüsseii jene naturalistische, ganz »nd gar amoralische. vom jüdischen Dtandpnnkt ans sogar na niaraljsche Lehre des Nevercnd Maltbns. die die Sicchr- «ertignng der ärgsten '.'Inswüchse des tuirtfrfHiftliduMi Egaisliins. des sogenannten Manchestertums, darstellt, ablebnen. Tatsache ist aber, das; der theoretische nkid praktische Maltbn sianisiniis in iveiteiten Mreifen der Wirtschaft und auch in jüdischen reifen der Wirtschaft mir allzu verbreitet ist. Tatiache in aber auch, das; die Delire des Maltbns für die ioziale Fürsorge, sofern sie in großzügiger Weise betrieben ^werden soll, von der größten Bedeutung in. Die,enthält den richtigen «ern, das; das Berteilen von (Heldern an Arme, die nnvrodnktive Fürsorge, das Alniosengeben an Bettler tatsächlich den Armen nicht hilft und die (Hesamtheit schädigt. Tie Erkenntnis. daß »»produktive Fürsorge sowohl die llnkerstütziingseinpfäiiizer demoralisiert als auch der Wirtsch-.nl produktive >träite entzieht, statt sie ihr zuztisübren. ltat nch gottlob inmierbin doch schon allgemein dnrehgesetzt. Aber selb» wenn es wirklich gelungen sein wird, sowohl das Dcbnorrertiiin als auch seine Förderung gänzlich zu unterdrücke». selb» wenn alle in der sozialen Fürsorge tätige» Personen und alle Unterstütziiiigsbedürstigcn vondem bene» Willen beseelt sei» iverden, daß alle llnterskütziingsbedürs ligen. Arbeits- »nd Erwerbslosen der 'TiMrtfchiift, die sic a>iS welchen (Hründen -immer ansgestoßen bat. wieder zngesübrt iverden. selb» dann bleibt immer noch die große Frage: Statut man überhaupt der Wirtschatt beliebig Arbeits-, d. b. Proinktiviiskrä'te ziitübrenf Diese ff rage bedeutet zweierlei: Bon E n g eil Easpary, Berlin sorge geworden sind. besähstst,' sich ivicder und auss neue den unerbittlichen Forderungen des Wirtschaftslebens anzupasten, und ferner: ist die Wirtschaft selbst in der Lage, bclielvg viele produktive «räste anszujichnien. bedeutet nicht v eimehr die Tatsache der Erwerbslosigkeit, das; die Wirtsckart -eben nicht alle Arbeitskräfte, die vorhanden sind, produktiv zu verwerten vermag? Was die erste Frage. die Tauglichkeit der iiitterstüvunlgs bedürstigen Personen, angebt, so ist vom Dtandpunkt der Wohlfahrtspflege zunächst einmal grundsätzlich zuziigestehen. das; nicht im entferntesten alle Objekte der reinen Wöhlsabrtspflege zu Objekten einer produktiven Fürsorge!g» macht werden können. Es kan» nicht die ganze Wohlfahrtspflege in eine produktive soziale Fürsorge umgcwand.'lt werden. Die «ranken, die Alten, die fast noch im «indesalter stehenden Fugeudlichen, die Unsozialen das ganze i,roste Heer der wirklich Erwerbsunfähigen ist und bleibt auf die reine Wohlfahrt angewiesen. Für sic niufz einfach gesorgt werden, ohne das; ina« irgendeinen wirtschaftlichen Borteil, davon crw«rrten dürfte. Es bleibt eben ein großes Feld sozialer Betätigung, das!poni Dtandpnnkt des Bolkswirtes ans in der Tat nicht za behandeln ist. das rein der sozialen Ethik angcbört und Ethik und Ncligiou seine höchste Ncchtfertignng findet.!Die produktive Fürsorge ist auf den Personenkrcis der Arbeitsfähigen beschränkt. Aber auch noch nach Boll zug dieser Einschränkung ist nicht zu leugnen, das; speziell der jüdischen Arbeitsfiirsorge von selten der ziersonellcn Onalitätcn der Arbeitslosen, wenn sie selbst arbeitsfähig find, sehr groß- Dchwierigkeiten entgestensrchezi. Man kennt doch den jüdischen Erwerbslosen, man weist, wie schwer es vielfach gerade ihm — aus kulturellen, religiösen («Gründen, ans (Hriinden der (Hewohnheit, des Jü'iliens. der persönlichen Ansprüche fällt, sich „urnzustellen", wie schwer eine Beriissuinschichtung - etwa der Ucbergang vorn .Handel, zum Haninverk oder gar zur Landivirtichaft wird. Man weist; wie schwer es in der Rügel dein Fnden fällt, in die scheinbar aussichtsloseren Berufe der törperlichen Arbeit überzugchen. jedoch, inan soll nicht ungerecht sein. Es sind auch höchst erfreuliche Erfahrungen gemacht worden cs haben tvahrlich in keiner Weise dazu vorbereitete Fäiden als Landarbeiter und -Handwerker in einer Art gearbeitet, das; man sich ihrer nicht zu schäilien brauchte. Es ist unbestreitbare Tatsache, das; die Erkenntnis der Notwendigkeit »nd der feste Wille zur Arbeit vieles stnd alles vermögen, und cs ist glaubhaft, das; Aufkläruug und Erziehung hier nicht nur vieles,! sondern alles ändern wergen. Die Propaganda des EB. (EeNtralverein deutscher Dtaät-rbiirger jüdischen (Hlanbenss, die Propaganda »nd die beispielgebende Tat des NFF. (ReichSbund jüdischer Frontsoldaten) werden den (Hedanken der produktiven körperlichen Arbeit in der jüdischen AUgetneinheit populär machen. Die Berliner Gemeinde leistet in ihrem Werkheim (Tagesheim und Werkstätte kiir erwerbslose Fugendliche) praktische Erziehungsarbeit an den Jugendlichen. Hier werden die Dchulcntlassencn erreicht, bevor sie noch die, Freiheit der (tsroststvdt" mit ihren „Genüssen" recht keimenlernen, im bildnngslind erziehungsfähigen Alter wird ihnen, der Degen der Arbeit theoretisch und praktisch demonstriert. Alle dieke Bcstrebunnnd alle die Personen, die einmal Objekt der sozialen. Fürj gen haben bereits schöne Erfolge gezeitigt. Darum darf wohl Tragen Sie nur M das Me KaarneK und wenn Sie es bei Ihrem Lieferanten nicht bekommen, dann wenden Sie sich an ftnill fötltma . Wilsdruffer Strahe 40, II. *** MIW (gegenüber den Kammer-Lichtspielen)

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