Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 8 (31.12.1927)
- Date
- 1927-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Gemeindeblatt d ir Jstaelitischen Religionsgemeinde Dresden sich ohne Bedenkbn. den Ehebunü zu schließen, dqr jüdische Mann Äls Gründe sür unter anderem angegeben, daß der auf lege, sein Blu: durch Mischung zu veredeln (?). S uch wird behaup christliche Madchesr bevorzuge, weil im Daseinskampf Seite 8 heiratet hätte, entschließt mit einer armen Christ n heiratet hier vielfach unher feinem Stande, diese Mischehen werden jüdische Mann Wert dH mit der „arischen" Rasse tet, daß er deswegen da . es anspruchsloser sei alsldie Jüdin und ihn besser unterstütze. Bei dieser Einstellun j der jüdischen Männer sind die Konsequenzen für das jüd fche Mädchen sehr ungünstig. In steigendem Matze zur l Ehelosigkeit verurteilt, kann es nicht mehr seine Bestiminurg darin finden, die Gehilfin des Mannes zu werden, sonwrn es ist gezwungen, sich auf eigene Füße zu stellen und selb kündig ins Erwerbsleben einzutreten. Will es heiraten, so ist es, namentlich soweit die unbemittelt ten Schichten des klein n jüdischen Mittelstandes und Pro letariats in Betracht fomntcn, oft gezwungen, eine Mischehe einzugehen, da der jüdi che Mann Vermögen beansprucht, der Christ in gleicher wirtschaftlicher Lage jedoch davon absieht. So erklären sich die zahlreichen Mischehen in den unteren Ständen, bei der die Jcau dem Judentum angehört. Das Eingehen der Mischehe unterliegt gewissen soziologischen Gesetzen. Ein solches ist das Gesetz, datz bei, den Mischehen in besonder:m Matze die zerstreuten religiösen Minderheiten beteiligt s nd. weil bei ihnen die Auslvahl unter den Angehörigen der g eichen Konfession eine beschrankte ist. So gehen in Norddeuts chland mehr Katholiken eine Mischehe ein als Protestanten, in Bayern mehr Protestanten als Katholiken. Auch bei den Irden, die doch in Westeuropa eine beinah verschwindende Minorität darstellen, trifft dieses Moment zu. Es erklärt a rer natürlich nicht die esiorin steigende Zunahme der jüdischl jristlichen Mischehen, denn auch vor 50 Jahren haben die Irden in diesen Landern eine Minorität gebildet, und doch warm damals.Mischehen noch ungewöhnlich selten. Dieses 3»ii loritäteprinaip gibt uns den Schlüssel für die Art des Zustani ekommens vieler, vielleicht der meisten reinjüdischen Ehen. Dieses Zustandekommen wird durch die Kleinheit der jüdischen. Bevölkerung und das zerstreute Wohnen ungeheuer erschwer, die Auswahl ungemein eingeengt, und so erklärt sich auch die viel kritisierte, ja bespöttelte Gepflogenheit der Juden, durch äutzere Hilfsmittel, auf dem Wege, der Heiratsvermittlung, diese Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Dü ser Weg ist unentbehrlich für die Juden, die eine Ehe mit einem jüdischen Partner wünschen. Ter Mangel an Bekanntsch ift wird gewitz in den meisten Fällen nickst vorgeschützt, sondern ist tatsächlich vorhanden, und wir sind überzeugt, datz zal lreiche Juden und Jüdinnen zur Ehelosigkeit verurteilt würden, soweit sie. eine Mischehe nicht eingehen wollen, wenn tiefer Weg nicht eingeschlagen würde. Die Anbahnung von E jen auf dem Wege von Zeitungen und durch den Vermittler ist übrigens kein Monopol der Juden, sondern auch andre Konfessionen bedienen sich ihrer, obwohl bei diesen das Bedürfnis ein ungemein geringeres ist. denn hier ergeben sich, je nach den verschiedenen Gesellschg/tsschichten, andre Wege 5er Eheanbahnung: in der Jabrik. im Betrieb, im Bureau usw. Dem Juden sind diese Möglichkeiten überaus eingeengt. Will er, was durchaus zu billigen ist. die. Verwandtenheirat und damit die Inzucht vermeiden, so mutz er die Möglichkeiten, eine Partnerin oder einen Partner zu finden, erweitern inid die Orte der näheren und weiteren Umgebung ins Auge affen. SEIDENHAUS Li 1 54COBY Aber diese äußeren Mittel zur Förderung der Ehen können leider die starken inneren Hemmungen nicht beseitigen. War vor dem Kriege die Jlucht des jüdischen Mannes vor der Ehe in ungemein starkem Matze ^festzustellen, so haben Krieg und Nachkriegszeit weiter stark retardierend gewirkt. -Die Aussichten. datz sich hier eine Besserung zeigen werde, sind nun gerade in fber Gegenwart sehr trübe. Tie ungeheure Verarmung, hie Depression im Wirtschaftsleben läßt es noch mehr als je für; viele Männer als ein Wagnis erscheinen, zur Eheschließung zu schreiten. Tie Stellenlosigkeit zahlreicher junger Kausleute, die Sorge, das Brot zu verlieren, der Mangel an Mitteln, eine selbständige Eristenz zu gründen, alle diese Umstände wirken gegenüber der Ehe direkt abschreckend, dies um so mehr, als sogenannte Geldheiraten nicht mehr wie früher die Möglichkeit bieten, sich eine eigene Existenz zu gründen. -. Auch die Heiratsanzeigen spiegeln dem aufmerksamen Beobachter die Nöte der Grgenivart wider, das Angebot dev märckienhaft grotzcn Mitgiften der früheren Zeit ist verschwunden, und es sind höchst bescireidenc Summen, die zur Begründung der ehelichen Eristenz airgeboten werden. Eines fällt dabei auf: die autzerordentlich häufigen Gesuche von „Einheirat". Sie werden vielfach vom Manne gewünscht, noch häutiger von den Eltern des zu versorgenden jvlädchenS angeboten. Denn das ist feststehend gegenüber der Zurückhaltung der Männer: das Bestreben der Eltern, ihre Tochter zu versorgen, ist nach wie vor ungcinindert, vielleicht »och lebhafterlals je. Im Hinblick darauf, daß die .Heiratschancen der jüdischen Mädch'ir verringert sind durch die ungünstigen wirtschaftlichen Umstände nicht allein, sondern auch vor allem durch den Verlust vieler tausender jüdischer Männer im Weltkrieg. kommt der jüdisch' Vater, in dem brennenden Bestrebe». hie Tochter, wenn auch bescheiden, zu vctsorgen, da er Kapitalien nicht mehr bieten kann, dahin, zu überlegen, ab nicht durch Aufnahme dcS jungen Mannes in sein Geschäft diesem eine Eristenz bereitet werden kann. Auch gegenseitige Heirat pon Geschwistern wird 'zu diesem ,-hveck in de» Kreis dar Möglichkeiten gezogen. Um die Ehenot zu beseitige», hat man de» Vorschlag gemacht, gemeinnützige El>evermittluiigsstellen cinzurichten. Die Idee mag auf den ersten Blick frappierend wirken, sie hat aber. >vas weiteren, Kreisen ivenig bekannt sein dürfte, bereits mehrfach praktische Verwirklichung gefunden, und es dürfte -»her von Interesse sein, zu schildern, was auf diesem Gebiete iereits geschehen ist, wobei es sich jedoch durchweg um allgemeisic, nicht speziell jüdische Einrichtungen handelt. Als erster ist vor Jahren ein englischer Geistlicher dem Problem der gemeinnützige» Ehevcrmittlung nähergetretcn als er erkannte, datz an kleinen Orten, von welchen die jungen schenke ich?? BOHR I Freude bereitet eine Kamera, ein Radiogerät oder Fernglas von PHOTO- BRILLIN. : Nicht teurer — aber bessert j Neuer illustrierter Katalog kostenlos Dresden-A., Ringstr. 14 u.Waisenhausstr. 15 neben Kaffee König, Fernruf 21842 führend in Seide unp Samt für Siraf&e und CjefeUfchaff