Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 7 (28.11.1927)
- Date
- 1927-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Leite 4 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 7 .jäblitv-'ii Verfolgungen, von iiciieii die ^nden heinigesucht wurden, gingen reichhaltige . Privatbibliotheken zugruude. Von jiiaak bar Scheichetli in^lllgir <l3l»lj bis anf Mose Mein, in der zweiten .välfte des ID Jahrhunderts erschollen die >r lagen der ('belehrten über bre verlorenen Büchcrsainmlnngen. ^ebnda E'hajjat. ^incr der spanischen Emigranten, geriet unterwegs in die Sklavwei. und um-sich loskanfcn zu können, iiinüte er sich seiner zweihundert Vücher entännern, ein Verlust, über den er sich das ganze rieben nicht trösten tonnte, Irrit das 17. ^ahrbnni crt brachte Wlandel in die Behandlung der jüdischen Literatur von seiten der christlichen Welt. Tie Vücherleidensctxtst der ^nden erhielt durch die Ee- 'indnng der V n ch d r n ck e r l ic n st neue Nahrung. Es ii'r be zeichnend, das; die ersten lieb mischen Drucke in Italien und nicht in Gntenbergs Heimatlande entstanden sind. Die .zivei erneu hebräischen Drucke, dic ein Datum lcabcn. stammen ans dein ^alrre f I7\ Manch« Bücher sollen jedoch nach der '.iiitirtit naiubaster Vibliograr iabre gedruckt ivorden sein Heu noch vor dein genannten Wie grob, die Freude ivar. die die Ersindnng der Drnckervr.'sse unter den Hilden hervok» b. »engen die zahlreiche» Dithnraniben. die. sich in den eie' Druckwerken ans jener Zeit am Eingänge oder am Schlüge der Bücher besinden. ..Das gegcnivärtige Geschlecht, verarmt und herabgekoniincn infolge der unbeschreiblichen Leiden und Berfolgnngen, war nicht mehr imstande, sich Bücher anznschassen, jictzt aber braucht man anstatt des Goldes nur -Silber, n», ein Buch .zu kaufen. lTa Druckwerke billiger herzustellen sind als schriftliche Kopien.», : . . Xic ganze Welt wird nun voll werden von Erkenntnis und Wissen . . . ^ed r Sohn des zerstreuten Israel, inag er noch so einsam wohnen, ohne Möglichkeit. Umgang mit den Weisen zu pflegen, wird imskcpidc sein, selber ans dem Born der Wissenschaft zu schöpfen." ^>i enthusiastischen Worten besang man die Bnchdruckerknnsr als die Krone der Wissenschaften, als ein...göttliches Werk", oder als eine „Tochter des Himmels", „die da schreibt ohne ssjcdcr und doch mit sichtbaren Zeichen, dic ohne Menschenhand die Buchstaben zu einer Einheit sügt." Tie Tätigkeit des Buchdruckers wurde eine „heilige" genannt, und der Seher unterlief; es selten, am Schlüsse des Bnches ieinen Nanien zu vcreivigeu mit dem Epitheton, „der. beschäftigt ist am heiligen Werk" ein Brauch, der sich hier und da bis in unsre Zeit erhalten hat. Der alte Iudenfriedhof in Prag* »Vnn'bnnderte rauschten de bin. und viel hatte sich in der Brager^^ndenskadt verändert ivr übrigen Stadt wurde anä Die idKirfe Abtrennung von elanen. die Tore verschnmuden die Stadt ülber bekam ein andres ('ietidit, ebenso die ('kiiicit. Hänier und ihre Beivobner. Nur die Alt Neninnagocw blieb unverändert, wie ne 'rüber war. und ebenso blieö es zwischeu den -Häusern der neuesten Bauart der stille „Karten der Toten". Hier kamen alle vergangenen «Geschlechter der» .etiemaligen alten <c»den- «radt znsammen. vcm den ält«sren Seiten angesangcn. da die Stadt Prag noch nick» bestanden haben soll, bis zu jener Zeit, da das-Getto für feine Beivot»er ausgelassen wurde und liier .ms lehtemal eine „Kwnre" lein Begräbnis» stattiand und 7»im lehteu MaleZiier ein „>> addncki" «Gebet für einen Vernorbenen» über einem offenen Grabe gebetet ivurde. Die >X»d«m erhielten erü unter ,K »iser (ioses II. Bürgerrechte. VIiir dem alten jüdischen ,friedlich in Prag umrde bis zum äabre >7>l beüattet. Das Grab einer Sarah Katz trägt ans dem Uriedboie die -^abreszah lilXi. doch nimmt mau an. das; e? richtig l«!0«i heis;en soll. Der Name Katz ist verkürzt ans 'loben Eedeknind bedeutet: ehrwürdiger Priester. Dan Sckiatten der ,^licderbännie und Sträncher kann man eine "Menge einfacher und zusammengesetzter Grabsteine scheu, ausgestellte slackie Ste nplatten oder dachartig gegeneinander geneigte Steine, ilni allen sind Lienchiedenartige Zeiwen angebracht: eine Weintraube, die überhaupt den ji'.diühen Ursprung kennzeichlieu soll, eine Waschschüssel, dic tnndgibt. das; hier ein NactLomnic des Stammes Levi begraben liege, dann iviedcr Hände, die den Stamm Aaron kennzeichnen. Und hier gcivajbrt man wieder das Bild eines Löwen, dort das eines -Hirsches. Wolis n. a., dem Namen des Verstorbenen entsprechend. ttrberall sind Annchriiteli in hebräischer Schrift angebracht. kurze und auch wcitschipcisige. den Namen, den Stamm, das Todesjahr und andre Tjetails ans dein Leben des Ver- * Mir rotnebmiattn« btt Tscsbntr Volks,kitnna. slorbenen meldend. Verschiedenartige und' sonderbare Namen sind hier zu lesen: hebräische, deutsche und aus einer älteren;',eit. ans dem 1<i. Jahrhundert, da sich die Hilden in Prag mehr zum tschechischen Volke bekannten, auch viele tschechische Nanien. Hier ruht ein ^ciide namens Krüsa. dort wieder ein Eecb. ein Eeriiy. hier eine jüdische Urap namens Sladka. E-irka, Mamila, Libiife. Ssiiva, dort »nieder eiii Ne.zamysl, ^Ni'ita. VIk. daneben eine Dobrnska und noch andre. -vi.'lc andre. . j jcn jener alten Zeit, da man hier noch! bestattete, pflegten die Hilden aus dic Grabsteine für Armc^verschiedene Geldmünzen und Liebesgaben hinznlcgcn, jedoch stets heimlich, für jene Bedürftigen, die zu verschämt ivarcn, um eine Unterstützung oder ein Almosen zu bitten. Zetzt sieht man ans einigen Grabsteinen kleine Steine liege»», aus manchen zahlreiche, ans andern »nieder eine geringere Anzahl, alle diese dedentcn nämlich eine Pictätsbezeigung gegenüber den» Toten. Wer nämlich von den Gläubigen ein Grab besucht, legt ein Steinchen darauf, und ihre Hänschen sollen verkünden. »vcr im Andenken sortlebt und über »vcm man den Segen spricht: „Sccher Zaddik livrocho." «Sei gesegnet das Andenken des Gerechten.» Alle Geschlechter der ehemaligen ^ndenstadt haben sich liier zusanimengcsunden. Arme und Reiche, Vergessene und solche, dic ihren Zeitgenossen berühmt lvaren. Hier ruht der gelehrte Rabbi Karo igest. l 13!)>, der Verfasser des .Klageliedes vom groszen Morden nnter dem König Wenzel IV., hier schläft Mordechai Maisl lgest. IliOl). der Sohn Schalums, der grofze Wohltäter seiner Glaubensgenossen, hier ruht auch der berühmte Yehuda Löw den Bezalel (gest. IG-i») und man«!» andrer hervorragender Mann der ^ndeugemeinde. Alle rnlieu sie hier aus im Schatten des duftenden Gesträuches, und nichts stört ihren Schlaf. Aber es befindet sich auch einer hier, der selbst i»n „Garten der Toten" keinen Frieden und keine Ruhe finden konnte, und ein sroinines „Schalom älechem" ljtriede sei mit dir» vcriveht wirkungslos über seinem Grab. “ Tragen Sie nur M das gute KaarneK und wenn Sie es bei Ihrem Lieferanten nicht bekommen. Hann wenden Sie sich an Fra» Emma Schurrte,