Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 7 (28.11.1927)
- Date
- 1927-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4892693-5447358-5769809--0575-4893208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 7 emeinbeblatt der Israelitischen 91 eligiohSgemeinPe Dresden Personen z» leihen, deinen er seine eigenen Bücher verleiht. Hat einer zwei Lohnes unn denen der eine gern, der andre ungern an fremde seine Bücher verleiht, so soll er seine Bibliothek dem ersteren tx rinachen. Ein Mann besasi Bücher, die er gern andern auslich, damit sie daraus lernte». An, dem Sterbelager empfahl er seine» Söhnen folgendes: Wenn einmal zwischen euch und andern Leuten Streit und Hader ansbricht, so hiitet euch vohl davor, dasi ihr ihnen sortav misigünstig eure Biichfr norenthaltet. Armen Leuten .eihct eure Bücher eher als reichen lda diese sich ja selber Bücher »„schaffen können). Wenn ihr seht, dasi eine Bücheriämmlung ein Raub der flammen wurde, so wisset, dasi es zur .Strafe dafür geschehen ist, dasi die Bücher widerrechtlich in die .Hände ihres Besitzers gelangt sind, oder aber, dasi dieser seine Bücher Lernbegierigen nicht ansleihen wollte. ferner erzählt uns Rabbi Iehtidc Hechassid. ivic fromme Kranen ihre geizigen Männer zu! bewegen wusiten, Wohltätigkeiten zu üben und Bücher bei Abschreibern zn bestellen, »m sic Türi tigen zu leihen. .Hänsi, b:diente» sie sich dazu recht drastischer Mittel. Ändere verwendete» das ihnen von den Männern für Toiletten gegebene Kcld «>>», Ankauf von Büchern, wofür sie ('Sott mit gelehrten und fronimen Kindern segnete. „Wer seine Bücher Würdige), r orenthält," lehrt der Regensburger Rabbi, „dessen Biblio^thc' fällt in die .Hände Unwürdiger." Aus derselben Epoche, aber aus einem andern Lande, besitzen wir ein Tokiimeiit. das sich ebensalls ans »nsern Wegen* itand bezieht, einen Brie , den der im 'uifire 1100 zu Lnnel ortene Yehuda i b » T h i b b o n an riciltcte. Es ist eine Art Testament, in S»hn sozusagen seine.Lebenserfahrung überliefert. Südfrankreils stand damals unter dem Einflüsse der arabischen Kultur, ni d Yehuda hatte sich durch die llebersetzung dfr Werke Saalias, Ibn l^annachs und Yehuda Halevis auS dem Arabischen ins -Hebräische grosie Bcrdienste erworben, sein Sohn hat sich durch die im Jahre 1201 fertiggestellte Uebersctzung des „Führers der Pcrirrten" von Mainionides einen gute» Nc men gemacht. Yehuda richtete nun an seinen Sohn u. a. folgende Ermahnungen: ..... pichen, ich dir eine reichhaltige Bibliothek hintcrlasse, bewahre ich dich vor der Notwendigk it, bei andern Bücher zu entleibe», „sie es sonst die Jünger >er Wissenschaft gezwungen sind, die häufig »m eines einzige, Buches willen lange und beschwerliche, oft auch vergebliche Reisen unternähme». Tu aber wirst, Wott sei Tank,! in der Lage sein, ander,, Bücher ans» '.»borge». Zu dem Zweck habe ich Bücher aus alle» Weinet-/» der Wissenschaft angckanjt, manches in zwei oder drei Eremplaren . . ." Ta er äuf seine Bibliothek zu sprechen kommt, ivird der etnxlS trockene und pedantische Welehrte förmlich poetisch: „Mein Solch! Me Bücher solle» deine unzertrennlichen Wesährten sein.! Tor Bibliotheksaal soll dir (Karten und Park ersetzen. In dji e s e m Karten lustnxrndelnd pflücke Blumen und sammlei Früchte . . ." Hier folgt eine Reihe trefflicher Ratschläge sicher die Oekonomie der für das Studium der Wissenschaften z» vcrivendende» Zeit, über die Anord- »ung und Katalogisier,, ijig der Bücher und die Instand- ... Leihe deine Bücher alle» denen, aber gib kein Buch aus dem Zim- Liste der ausgeliehenen eingetragen l«ast.. . . Die Büchech das ist dein kostbarster Schatz . . . Tie Bücherschränke müsscsi schön und mit schöne» Borhängen versehen sein in Südsrankreich vcrst seinen Sohn Samuel dem der Bater seine». reite 3 Bei der grosien Anhänglichkeit der Inden an ihre Bücher ist ,s nur zu begreiflich, dasi cs im Mittelalter den jüdischen. Bücicrn nicht besser ging als ihren Besitzern. Konnte man die Inden beim beste».Willen nicht ausrotten, so versuchte »,«!!, wenigstens ihre Lieblinge zu vernichten. Im Jahre ] 123) befahl Papst Wregor XI., alle jüdischen Bücher, die Bibel ansgenommen, zn verbrenne». Tiescm Beispiel folgten Ludwig der -Heilige in Frankreich im Jahre 1240, die Päpste Innocenz IV. (1211), Johann XXII. (1320), Benedict XIII. (ltlr,). Im Jahre 1230 befahl Papst Honorius IV. dem Bischof von Eanterbury, allen englischen Inden ihre Bücher abzunehme» »nd den Ilammen zu überliefern. Julius Ilk. verordnete i», Jahre 17>7>3, just am Laiibbüttensest. den Inden der italienischen Städte die Bücher zn konfiszieren und zu verbrennen. Tiefem Edikt sind zahlreiche literarische Schätze zum Opfer gefallen. Ter „schreckliche Tag" der Berbreiinniig blieb den Inden noch lange in Erinnerung. Abraha:n Menache», Kohen Rapa aus Benedig. einer der Bonabren der später nach Polen ausgcwandcrte» und zur Berülnntlveit gelangte» ,Ta»iilie Rapoport. schildert in seine», B»che „Minchah Belnlah" (Berona 17,01« das furchtbare Ereignis, zu dessen Eriniieriing er an jedem Jahrestag fei» ganzes Lebe» lang fastete. Ta die Inden erzählt uns der Bersauer weiter infolge der Bernichtung des Talmud sich der traditionellen Lehre beraubt sahen, singe» sie an. der Mystik zuznströineii und versanken immer mehr in Aberglaube,. Terselbe Bersasser zeichnete sich durch ein phänomenales (Gedächtnis aus und konnte-beispielsweise dem Herausgeber des Ialknt Schimeoni Meir Parenz die Onellcn aller in dieien, i Werke vorkoiniuenden Zitate aus dem Talmnd angebc». Mit! de», Perbrennen des Talmuds war dieser also noch lange | nicht totgemacht. Papn Paul kV. liesi das Zersiöriingswerk (durch das Immisitionstribiinal sortseben, das I7>7>!« zn! Ereinona an die .zehntausend Bände ans de» Scheiterbansei, jchleppte. Ebenso verfuhren die Päpste Pins V. < 17,00« und Elemcns Vlll. > 17,02 und 17,01«. In Tentfchland brand -schabte Ruprecht II. die Juden im Jahre 1301 und verjagte sie dann: die geraubten Bücher schenkte er der fünf Jahre vorher gegründeten Universität zn Heidelberg, die aber alle, bis ans ein Talmndereinplar, wieder verkaufte. Tavid Kaloiiynius in Neapel, der aus Spaiiie» stammte, erzählte .17,00. »sie in seinem .Heimatlande und in Portugal onnial:- eine Razzia nach der andern aus jüdische Bücher veranstaltet wurde, wobei der grösite Teil von ihnen' unwiderbringlich vernichtet wurde. Josef ha-Koben ans Avignon erzählt, wie die Inden von Savoyen während der Bersolgung durch den Tüchinikauer ,Tra Bizence MIO ihre Bücher in den Brunnen sck«ächten versteckten. Während der Pertreibung der Ilide» ans Lissabon, MOO, wxrden ihre Bücher geraubt, aber wenigstens den Staatsbibliotheken übergeben. Bei jeder der Haltung der Bibliothe die keine eigenen besitzen mer, bevor du es in pie Das schönste Festgeschenk für jeden ist und bleib, ein Photo* oder Kino* Apparat, eine Radioanlagc oder Opernglas von ■rlllanmm MEIN Priatip, Nkkt teurer — aber bester! Riagstr. 14 und Waisenhaussir. 15, aeb.CafeKaoig SEIDENHAUS führend in Seide und Samt für Strafbe und Q/e/eHfchdft 54COBy