Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 7 (28.11.1927)
- Date
- 1927-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 temeiiibeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. Jüdisches Buchwesen in alten Jetten* I Von B. Saphr a * Als die Hilden noch ein Bclk der Tat und de» lebeirdigeu '■Jiuirti'v iinm'ii, dachte,, sie so wenig an die schriftliche (rriialtnna ihrer Literat,iricfkiße, das, die Bibel nnr einen geringen M-riictitcit der geistige,, Besitzt, wer Israels ans „ns gebracht l.at. wie uns viele in der Bibel selber entlxiltenc -Hinweise belebren.;chi jenen Seiten missen Bischer unter den enden >n de» größten Seltenheiten gebärt lxiben. Voiii »önig eoiapbat erzählt iins die l^esclnchtc. das', er eigens hierzu ingenellte Beamte anssändte. di? die Bücher der Delire (lott-^s bei »ich rührten und iin Lande beruinreinen. »ni das Volk;n belebren. Im Buch;>,'jeheinia in ei»,' lebensvolle Schilderung jener großen Bolksveriäninilu ng enthalten, in. der der ans Babylon beinchckebrte Esra, «er Erneuerer des Judentums, de», Bolke das Buch des Bundes vorzeigt. Tie große Erregung. die der Anblick des Buches bervorrint. beweist cbcnti.ii-?. dar. Bücher und also a ich die »nnst des Lesens u.id Schreibens iin damaligen oir« cl nicht z» den Alltäglichkeiten gehörten »ein Wunder. das; )as Bolk seinem treuen Führer »nd r/ebrmeiner Esra den T itel eines Bnchschreibers oder Bilchkeiiners ,Sovber> beilegte. ..der in der iMirt? iebr he- UMiiöert war'". ein Berlanie der ielgendei drei Jahrhunderte vollzog sich in der Seele des jüdische» Volkes jener große und >veitlragende Prozeß. denen Ergebnis die »ristallisiernng iind -Herausbildung des ..Indent» ns" n>ar. Tic Erinnernng an die alten Sagen und die Ereignisse der Bergangenbeit nahmen die geschlossene Form eines bistorischen Bewußtseins an. In dieier Epoche wird das Buch als Trgan der Ucbcrliejernag nüe auch der Propaganda all näblich eine Macht. Im Zeitalter der .Hasmonäer ..sinnt Taniel über den Büchern". Man darr daraus tolger». das; da, ,als Bücher sich auch schon im Besitze von Prirxitpersonen bqsandcn. Tas erste Makkabäerbnch erzählt, das; die Oiraecoirjrer im gaiizen palästinensischen Hände ottmals eine Aiaz.,ia Nach jüdischen Büchern nnterliabnien und alle, deren fie-tHibluirt wurden, in Stücke rinen und verbrannte», die Besitzer Ediktes des »önigs Antiochne beikrait. Tiejcr »önig ivar letzte, der jüdische Bücher, ohne Wert. der Bernichtung preisg in ein Brief anibewabrt. dci tiind und zu wissen gaben, de im Halle des Bedarfs, zur Eboron so tapfer anis .Haupt Begründer einer ö i r c „ 11 t bet._. '.in-:- der Jjfrncl. Siemesn^c.zcitnng, Frankfurt a. SU«. KSCH Izsadien jeder Art i aber ivnrden ans hlrnnd Ilk. Epipbanes »nt dem Tode )er erste, aber lange nicht der Rücksicht ans ihren literarischen ,b. 'sin zweiten Makkabäerbnch die enden von Jerusalem an ihre Brüder in Aegyvten richteten, und in dem sie ihnen r Jchnda Makkabi, nachdem er mit dein Feind fertig gewordc i ivar. allewäbrcnd des.ltriege: verschleuderten und versteckte , Bücher wieder habe sammeln lanen. »nd die Sainnilnng stöbe nun den ägyptischen enden. freien Bersügnng. J e ft „ b .1 Rach Beendigung der Freiheitskriege ividcr die lÄraerviyrer sing langsam das Bolksschnlwejen an. sich in Palästina u, entwickeln. Tas trug/viel zur Berbrcitung der stenntnis des Lesens und Schreibens bei und steigerte bedeutend das Bedürfnis nach Büchern. Doch, konnten diese nur von „er hältnisinäßig Wohlhabenden angeschasst iverdcn. Daher be trachtet es der Talmud als ein großes Verdienst. Bücher zu verbreiten. „Wer Bücher sammelt und sie ausleiht, auf de«, bezieht sich das Psalmwort: Schätze und Reichtüiner sind in seinem Hanse ansgehänst. und die* Wohltaten (die er durch sie verbreitctl iväbren einig." So manche Judenstadt besaß eine östentliche Bibliothek. e>> der Mischna lesen wir: „Was rst das Eigentum der Städte Ter Marktplatz, das Bethaus iBcrsanimlnngsbansl. das Badcbaus und hie Büchersain,»- lniig." Es ist also liier von richtigen <1eineindebibliotheken die Rede, und sic sind (Hegenstand von zahlreichen Zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen. »»ach dein Muster der Juden legten auch die jungen Ehristengenieindcn Büchersanimlungen an. und jener Pamphilus, von dem der »irchenvatcr .Hierony- »ins erzählt, daß er durch Schreiber die Bibel kopieren ließ und die Rollen unter die Elläubigen verteilte, ahmte nur das schöne jüdische Borbild nach. Tie Bücher wurden immer zahlreicher unter der in Babylonien stets zunehmenden jüdischen Bevölkcrnng, ebenso wie in Palästina, obgleich die jüdische Bevölkerung hier infolge der sich häufenden Unruhen ^,„d gransanien Berfolgungen im Verfall begriffen Ivar. In beiden Talinndcn begegnen Uns zahlreiche-Erwähnungen von Bücherschränken, die in jüdischen .Häusern anzntreffen wäre», von verlorenen nnd nntePwegs gefundenen Büchern üstv. Hieronynins, der in der zweiten -Hälfte des vierten Jahrbnnderts in Palästina lebte und viel mit Juden verkehrte, erwähnt in seincin Bibelkominentar einige Male die jüdischen Archive, denen er Bücher entnahm, und daß die Juden ihre Büchersaininlnngcn in »isten nnd Schränken auszube,vahren pflegten. Ter Talmud enthält auch eine Reihe wertvoller Fingerzeige über Aufbewahrung nnd Schonung von Büchern. Ans dem Msttelalter besitzen nur einige wertvolle Toknincnte. die uns über Büchcrliebhaberei »nd Büchersüniinlnngen bei den Juden berichten. Rabbi Jehuda h. Samuel .Hcchassid aus Speier. Rabbiner in RcgenSburf (aeft. 1217) gibt in feinem auch heute noch bei den Juden sehr populären und beliebten Buche. „Seser chassidiin" eine i Reibe von Regeln und Ratschlägen, wie inan mit Bücher» 1 ninzugehe» habe. Einnwl traf es sich, so er.^ihlt er, daß nach dein Ableben eines froininen Mannes die Erben seine Biblioeines unter 5c,j .Hammer brachten. Tas Aergernis ivar groß, daß inan so »ist der.Hinterlassenschaft eines würdigen Mannes umging. Ein Weiser aber sagte zu den Leuten: „Seid nur ruhig, ich will euch erklären, ob'welcher Sünde des Paters dessen Büchersainnilung nicht in dem Besitze der Familie sich erhalten kan». Der Alte ivollte seine Bücher niemand leihen, da er sagte: -„Ich bin alt, von dem vielen (.Gebrauch aber werdendie Bücher abgenutzt, und ich kann sie dann selber nicht gebrauchen." So aber darf man nicht denken, sondern man soll vorziehe», daß die Bücher viel gelesen und abgenutzt iverden. als daß sie nutzlos im Verborgenen aufbeivahrt sind. Makkabi. der die Syrer bei Emaus, Beth-Znr und Betbgeschlagcn. ist demnach der er>te cb e n -j ü d i s ch e n B i b l i 0 Wenn jemand dem andern Bücher zum Aüfbewahren gibt, lo darf nach talniudischem (besetz der Äufbeivahrer in ihnen nicht lesen, damit sic nicht verdorben werden. Ter Fromme jedoch ist verpflichtet, über das strenge (besetz hinauszugehev. nnd dein Verivahrer ausdrücklich die Erlaubnis zu geben, nicht nur selbst die Bücher zu benutzen, sondern auch sie solchen DAS HAUS FÜR VO DAMENBEKLE (RN EH/ME DUNG /.DRESDEN —< PRAGER STRASSE 34, TELEPHON .xti A.