Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 6 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6 (Btmi inbeblatt der Israelitischen Religion« ge mein de Dresden Seite 5 sei nun noch ein Wort über die geistig-kulturelle Seite der Bundesarbeit gesagt. Sie bringt den Bund vielfach mit anderen Organisationen in J Deutschland und mit solchen des Auslandes in Berührung. Ja diesem Zusammenhang sind als wertvolles Band in den e genen Reihen und weit darüber hinaus die „Blätter des JL nschen Frauenbundes", die jptzt im vierten Jahrgang erscheinen, zu nennen. Sie regen älle unsere Mitglieder zur Arbeit an und sorgen für Verbreitung der Bundesldeen und -anfga! »en außerhalb der eigenen Organisation, bei Juden und Nich juden, im Lande und außerhalb. Ferner hat ein in dieser i Jahre zum zweiten Male erschienener Künstlerkalender dem Jüdischen Frauenbund im In- und Ausland viele neue Freunde gebracht und hat dabei das Interesse ar. jüdischer Kunst und an den Schätzen, die Bibel, Talmud und jüdisch« Literatur bergen, in Tausende von Familien getragen.^ die Izum Teil sonst völlig unberührt vom „jüdischen Jahr" und jüdischen Leben und Wirken blieben. So ist damit auch ein neues Band geschaffen, das uns den Berkehr mit Frau^norganisationen anderer Länder ermöglicht. Versuche, einen bund zu gründen, die auf internationalen jüdischen Frauen Vorkriegszeiten zurückgehen, sind bisher nicht verwirklicht wurden, doch wird die Zeit dafür allem Anschein nach nicht aus anderen Ländern diese In Deutschland steht de: n>ehr ferii sein, da immer wieder rhalb an uns herangetreten wird. ' Bund in enger Fühlungnahme mit den führenden jüdischer Organisationen, mit denen er zum Teil in Arbeitsgemeinschaften einzelne Aufgaben be- ' der interkonfessionellen Frauenungnahme durch seinen Anschluß arbeitet. Daneben ist er mi: bewegung in ständiger Füh an den Bund Deutscher Frc uenvereine, in dessen Gesamtvorstand er durch die Bündesvorsitzende vertreten ist. So kann de? Jüdische Frauenbund an allen Fragen, die die Rechte der Frau betreffen, beratend und lernend Anteil nehmen und kann für seine eigenen Ausgaben davon profitieren. Die fortschreitende Entwicklung in der gesamten Wohlfahrtspflege wie auch in der konfessionellen, die daraus hingeht, die fürsorgerische Arbeit den Wohlfahrts- und Jugendämtern zu überlassen, erweist in der Erfahrung, daß daneben die Arbeit der Frauen in der sogenannten freien Liebestätigkeit eine unentbehrliche Ergänzung zu dieser behördlichen Arbeit bleibt. : Zum Schluß sei in diesem Zusammenhang daraus hingewiesen, daß fastdie gesamte Arbeit, die der Jüdische Frauenbund zu leisten bestrebt ist, mit daraus huiausläust, die Frauen fähig zu machen, mit Sitz und Stimme in den jüdischen Gemeinden; mitzuarbeiten. Den Frauen, auch in Preußen, stehe» heute keine gesetzlichen Hindernisse mehr im Wege, und so ist es die vornehmste und wichtigste Ausgabe, daß allerorten, wo Frauen noch nicht gleichberechtigt und gleichverpflichtet neben dem Manne in den Gemeindekörperschaften arbeiten, ihnjen Eingang hierzu zu verschaffen. Tie Entwicklung geht dahin, daß sich das — wie in der Politik und im gesamten Lebenskampf — von selbst ergibt, doch gilt es nachzuhelfen dort,! wo noch veraltete Vorurteile oder sonstige Widerstände zu überwinde» sind. Erst daun, wenn allerorten die Frau am Wohl der jüdischen Gemeinde ihrer Stadt verantwortlich mitzuarbeiten in der Lage ist. wird der Jüdische Frauenbund von diesem Tcilziel zu weiterem Wirken am Ganzenj und Großen der Judenbeit gelangen können. Dir Arbeit der deutsch-jüdischen Frauen Von Margarete Fried. Leiterin der C.-V.-Frauengruppen in Groß-Berlin Auf den Trümmern der iVergangenheit hat sich die Gegenlvart des jüdischen Deutscken aufgebaut mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Kcmpfen und Hoffnungen. Durch die in der Verfassung vcrgesehene Gleichberechtigung der deutschen Juden ist jene D ürdelosigkeit vergangener Zeiten, die das Heimatgefühl des wutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens unterwühlte, ak gelöst worden von dem Gefühl innerer Berechtigung und Verpflichtung zum Kampfe um unser Recht. Der Weg dieses Kampfes ist steinig und steil, denn noch gilt es, die letzte Verankerung unseres Rechtes im Bewußtsein des gesamten deutschen Volkes zu erreichen. Die innige Verschmelzung von Deutschtum und Judentum wird gelingen, wenn die »eutsch-jüdische Frau ihr Arbeitsgebiet erweitert auf die Aktivierung der jüdischen Frauen für die Aufgaben und das Ideal des Central-Bereins deut scher Staatsbürger jüdisch:n Glaubens. Es geht wie ein Erwachen durch die Reihen der deutsch-jüdischen Frauen, daß Positive Arbeit nicht nur heißt, das jüdische Haus zu erhalten, soziale Arbeit zu leisten, indem dem Unterdrückten und dem Armen geholfei wird, sondern daß positive Arbeit vor allem bedc utet, Hunderttausenden deutscher Juden in deutschem Heim itboden die Verwurzelung zu erhalten. / Ein Wort in den Sprühen der Väter sagt: „Der Frauen Weisheit baut das -tzaus^ aber die Toren reiße» eS mit eigenen Händen ein." Der Frauen Weisheit baut das jüdische Haus. Die Lebenslust unseres Hüuses die erfüllt ist von dem Gedanken, daß jedes jüdische Haus e n Repräsentant der jüdischen Ge meinschaft ist, muß es bewirken, daß der andersgläubige Deutsche uns seine Acht ing nicht versagt. Die positive Arbeit, die hier zu leisten st. wird jeder deuttchen Jüdin ein leuchten. Mut, Ausdauer und starkes Vertrauen zu der Er kenntnis der Frau für das Zeitgeschehen wird dieses Arbeitsgebiet der jüdischen Frau erhellen. Der Frauen Weisheit aber auch erzieht eine deutsch fühleiide jüdische Jugend. In der deutschen Schule muß sich das jüdische Kind behaupten können, sei es durch Körper¬ oder durch GeistesstHrke. In der Berufsarbeit muß cs die Tüchtigkeit der jüdischen Jugend durchsetze», daß alle Berufe sich der jüdischen Jugend eröffnen. Geivaltig hoch ist das Ziel posittver Arbeitsleistung für die deutsch-jüdische Jugend gesteckt, aber die echte jüdische Mutter wird erreichen, daß ihr Kind lachend mit dem Dichterwort ausruft: „Steckt um den Kranz, -en schönen Aranz, mir höher, immer höher." Der jüdischen Frauen Weisheit erkennt, daß die Arbeit der sozialen Betätigung der Frau sich nicht nur auf die jüdische Gemeinschaft erstrecken darf. Jüdisckie Wohl'ahrtspflege ist notwendig^ weil wir mit tiefem Schmerz erfahren müssen, daß sich die christliche Hand dem jüdischen Brudcr verschließt. Es entspricht aber nicht dein Wesen unserer Religion, Gleiches mih Gleichem zu vergelten. Fest eingefügt ist der Name jüdischer Wohltäter in der Geschichte des deutschen Vaterlandes. Das Arbeitsgebiet der jüdischen Fra» als deutsche Staatsbürgerin ist mit Erlangung des Frauenstimmrechts bedeutend geworden. Auf diesem Arbeitsgebiet heißt es, ein Rüstzeug schaffen. daS fraulichem Wesen nicht immer entspricht. Aber es verträgt sich nicht mit der Würde der Frau, zn schweigen, wenn Lügen und Verleumdungen der Judenfeinde unser deutsch-jüdisches Fühlen verächtlich machen. ES derträgt sich nicht mit der Würde der jüdischen Mutter, von dem Judenhasser die Ehre und das Ansehen des jüdischen .Hanfes schmähen zu lassen. „Um Deutschtum und Judentum", so lautet der Wegweiser der deutsch-jüdischen Frauenarbeit. INHAßCR ALBIN WÄüEß D IESDEN'N., HÖNIGSDfiUCKEB STRASSE 50 Künstlerische Wohnunöseinriditunöen in eilen Preislagen BESICHTIGUNG ERBETEN GRÖSSTES HAUS AM PLATZE «r