Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 6 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 iemeinldeblatt der Israelitischen ReligionSgemetnde Dresden ltr.6 Di« klMoickluag der jüdische« Frauenarbeit von Wohltätigkeit zm Wohlsichr l o«d Loziaipolitik Von Julie S a l i n q e r, Dresden Bon jeher hat die jüdische Frau es als ihre Aufgabe. ja als innere Pflicht erkannt, getreu der hohen Ethik der jüdischen Lehre, sich der Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen ihrer (Gemeinde anzunehmen. Tie Krau des reichen Mannes verschloß ihr Ohr keiner bittenden Stimme, aber auch die des weniger bemittelten fand immer noch einen Weg, bedürftigen Familien, auch ohne daß sie bpten, helfend beizustehen. Es war besonders in kleinen Gemeinden, wo man einander kannte, eine schöne Sitte, aPen bedürftigen Leuten und kinderreichen Familien vor den hohen Festtagen Geld- oder Lebensmittelgabrn zuzusenden, möglichst durch die >ungen Kinder, damit diese sich früh daran gewöhnen, „Wohltaten" zu spenden. Diese einzelnen wohltätigen Frauen lernten allmählich verstehe», daß sie wirkungsvoller helfen konnten, wenn >ie sich zusammenfanden und nach einheitlicher Methode ihre Mittel verteilten. So entstanden die jüdischen Frauenvereiue mit ihren vielfältigen wohltätigen Zielen: der persönlichen Sorge für erkrankte Frauen und Kinder, für die Wöchnerin und ihren Säugling, für die einsame bedürftige Frau und.für den letzten Liebesdienst an der weiblichen Toten. Es sei unseren Müttern und Großmüttern gewankt, daß sie uns auf diesen Wegen vorangegangen sind, j ’ - Doch erst die neuere Zeit, uüd besonders die fortschreitende technische Kultur, die den in älterem Zeiten so komplizierten Haushalt vereinfachte und der! Hausfrau wie ihren Töchtern Arbeiten abnahm, die ihren Großmüttern noch zeitraubende Selbstverständlichkeiten waren^ erweckte das soziale Gewissen auch der Frau. Auch sie konnte sich der Bedeutung dessen nicht entziehen, daß ein großer sozlal-philantropischer Zug durch die Menschheit ging, der auch ne dazu führte, an der Hebung des sozialen Lebens unserer Mitmenschen mitzuärbeiten. So waren es auch jüdische Frauen, wie Anna Simson und Jeanette Schwerin, die, durch die jüdische Karitas geschillt, mithalfen, etwa 1891 den Bund deutscher Frauenvereine zu begründen. Dieser bezweckte nach seinem Programm, „die Bereinig» irg aller derjenigen Frhuenvereine' und -verbände zu erreichen, die die Förderung des' Gemeinwohls und die KSCI Herbstgarderobe Hebung des weiblichen Geschlechtes auf geistigem, wirtschaftlichen!, rechtlichem und sozialem Gebiet anstreben, zur geineiniamen Berfolgung dieser Ziele". Diese weitreichenden Ziele! des-Bundes haben die meisten Wohltätigkeitsvereine, auch viele jüdische, veranlaßt, sich ihm anzuschließen und sich durch dch Mitarbeit im Bunde deutscher Frauenvereine aus der Wphltätigkeitsarbeit zur W o h l f a h r t s avbeit zu entwickeln. Es entstanden die Logenfrauenvereine der UOBB.-Logen, die sich zu einem Verband der Logenfräuenveraine zusammenschlossen und die hauptsächlich für soziale Äohlsahrtsarbeit eintraten, weil sie erkannt hatten, daß die Entwicklung dazu drängte, mit der bisher geübten Wohltätigkeit qufzuhören, weil diese die Empfänger leicht zu Müßiggang And zur Sorglosigkeit verleiten konnte. Denn nicht die Spende selbst sollte das Wesentliche sein, sondern die Erziehung zur Arbeit. d>e Erhaltung Förderung der Arbeitsfähigkeit des Berc rmten. die und Vorbeugung des sozialen Verfalls und die Anü itung zur Selbst Hilfe. Jede Wohlfahrtsarbeit, zu der in höherem die alte jüdische Wohltätigkeit sich entwickeln mußte, hatt» von dem Gedanken auszugehen, daß es wertvoller sei, dem Schwachen dazu zu verhelfen, daß er stark genug werd». sich selbst zu helfen, als ihm reichlich bemessene Ständen zukommen zu lassen. So haben alle diese Vereine Kinder )Ode, Mädchenheime, in denen auch Berufsausbildung geboten wurde, Wöchnerinnenheime, Wochenkörbe für Neugeborene. Haiispflege u. a. m. geschaffen, haben die Organisation von Ferienkolonien und Ferienheimen unternommen und )aben so der Jugend beiderlei Geschlechts den Boden bereite! , auf dem die jüdische Jugendbewegung gewachsen ist. die sick nach eigenen Formen entwickelt und es tapfer vrrsucht, selbständig mit den Problemen der heutigen Zeit ferti z zu werden.' Von der sozialen Arbeit zur politischen zu schreite^, bedurfte es keines großen Schrittes. Der Jll »ische Frauenbund, der sich, gleich den beiden anderen groß! n Vereinigungen, dem Katholischen und dem Deutsch-Evangel schen Frauenbund, auf konfessioneller Grundlage organisierte, s trebt danach, neben anderen auf sozialer Grundlage beruhenden Zielen, die jüdische Frau, die seit 1918 Staatsbürgerin geworden ist, auch zur Bürgerin-der jüdischen Genuinde zu erziehen. Nicht uin der Frauen willen, nicht um sich zu einem Machtfaktor; i entwickeln. sondern um der jüdischen Gemeinschaft selbst willen. Denn die ernststrebeude Frau, einmal ihrer sozial pol i ischen Aufgaben bewußt, kennt keinen Stillstar d. Es drängt sie vorwärts, ihre weibliche Eigenart auf ollen Gebieten des Lebens zu betätigen und den Beweis zu :rbringen, daß der weibliche Einschlag im Kulturgewebe unserer Zeit nirgends mehr entbehrt werden kann. fylodeme&amenlasiJim £legcaTbes$asQgep7clc Sdiranfykpffer Bahnkpjfer Führend* Marken DAS HAUS- FÜR VORNEHME DAMENBEKLEIDUNG D R E S D PRAGER STRASSE 34, E N - fELEPHON A. 41746