Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 5 (28.9.1927)
- Date
- 1927-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 5 ite 8 Gemeindeblo!tt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Werte ist ei fo, daß jeder Werl absoluter, alleiniger Wert sein will. Das 19. Jahrhundert bot das Schauspiel eines listeslebens. in dem alle die Religion zurückdrängenden Kräfte zur Geltung kamen und die einzelnen Kulturgebiete, nicht gelenkt von einen, firen Punkt, sch frei ausleben durfte«. In der Politik herrschte die Mqhtstaatsidee: Ziel des Staates m der Staat, in der Wirtjc >aft das kapitalistische Ethos: Ziel der Produktion ist gesteigerte Produktion, in der Wissenschaft das Anhäufen von Tatsachen ohne Zusammenhänge und in der Kunst das I'srt pour I'srt ohne Verkündigung. Ein Zeita'cer der reist ionsfreien Ethik. Ein ' Zeitalter titanischer Groß : ungeheure Kräfte und ungeheure Leistung werden angewl ndt auf ein unerreichbares Ziel. Tie religionsfreie Ethik stellt d»n Menschen vor solche Ziele. Das I leal, die Utopie verdrängt Gott. »er nun. wo as sittliche Leben nurisei n Ziel kennt und nickt noch eine Höhe, die über seinen) Ziele wäre, da protaftiert die Religion. Am Kol Nidre hat dieser Protest eine ftvrm gefunden. Ter Protest will und davon abhalten, uns dts T istanzgefüh les sittlichen Werten gegenüber zu begeben. Jeder Wert leiht seine Geltung von dem höchsten Wert, den wir fassen können. Gott ^st dieser höchste, letzte Wert. Tie anderen, die Kulturwerte d ' :• ist Götzendienst. Tie Kulturwert lögenbeitsurs jf/“ (Kant) sein, von d, liebt, nur d S „Sprungbrett" (Plato), an den, sich unsere Liebe entzündet un rpbärcn. Ter eigentlich sittliche, von! der Religion nicht ge lenkte Antrieb geht dcchin, den Wert, der gerade Zielpunkt itiner Aktion ist, zum alleinigen Wert!zu machen. Ein Kosmos kann sich bei solcher Gesinnung dicht bilden. Ter Zusammenbruch, mit dem das 19. Jahrhundtzxt endete, brachte las ivieder in Erinnerung. Tie Religion hat die Kraft in sich, die sittlichen Energien zu lenken und .Harmonie zu nlden. Sie kann dies durch jenes die Aktivität zurück- 1 a l t e n d e, durchaus nicht brechende,' vielmehr lenkende snd regulierende Gefühl, das die Liebe nie sich lanz verausgaben läßt, weil die letzte, tiefste Liebe Lus Erden nicht Raum haben kann, nicht Raum haben darf. Durch dieses Gefühl, daß alles hier doch nur als Gleichnis jines Höbern gilt. Ter Ausspruch, daß alles Irdische nur »in Gleichnis ist, moralischer Jndiffprentismus, ist ebenso anarchisch wie die Perkündigung des! Kol Nidre. Im Kol xkidre fordert die jüdische Religiosität!, die durchaus ethische teliaioi'ität ist, den Gläubigen auf, seinmal aller ethischen kaßstäbe zu vergessen, um in sich seelische Kräfte aufsteigen -irren dies nie werden. dürfen nur die „Ge- »m unser Streben andas irdische Beispiel, aufsteigt zu höheren die höchste uns zuseinem »dir übertgn, denn n Werthöchst en nicht sie ins ist dieses Seinsd<m düi f wi: we >e Tin zu lassen, die nicht sittlicher Natur sind und doch pem sittlichen Werk die notwendige Harmonie geben. Und schließlich ein Letztes. Wir nennen Gvtt Wahrheit, die höchste Güte, wir nehmen Werte, di gänzlich sind und schreiben fie ins Höchste gesteigert Wesen zu. Wir müssen so tun. denn sonst könnten Haupt nichts von Gott aussagen. Wir dürfen so die uns zugänglichen Werte haben nur dadurch ihrs charakter, daß wir in ihnen diese Beziehung zu Erfaßbaren Wert, zu Gott, erlebten. Aber wir wähnen, mit diesen unfern Massen, auch wenn Höchste steigern, Gottes Wesen auszuschöpfen. Gott alles, er ist aber auch noch etwas von allen linferjt nttb Wertarten durchaus Verschiedenes, etwas anderes. Dieses ganz andere, für das wir noch Bild haben, dürfen wir nicht übersehen. Und ganz andere stößt das Kol Nidre unfern Sinn. »lle Bindungen aufgelöst werden, was bleibt denn!ibrig als Gott, wenn das Nichts da ist, dann ist .Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr ( Haupt als neue Weltstifterin empor. Wie von se der Mensch gen Himmel, wenn ihn nichts bindet. Worte stammen von dem Romantiker Novalis. Di tiker, die gegen den Pantheismus anzukämpfen ha den in der Haltung der Ironie die Art, die herausführte aus ihrer Begeisterung, mit der s>< Denkmälern der Geschichte edenso Hingaben wie di haften Schönheit der Natur. Ta überall ist Gott begeistert, aber religiös tief begabt, rissen sie solcher Begeisterung heraus, um Gott verehren zu können, wo er sich in sein Geheimnis h dort, wo w i r dunkel sehen, ist Gott. Man muß l das Begreifen zu verzichten. Alle Katastrophen der und der Natur bringen den Pantheismus aus bei Echte Religiosität bewährt sich auch in solchen Momc Ironie der Romantiker, die Tysteleologien der letzten des Buches Hiob, des Kol Nidre schwören solche herauf, um diese tiefe Religiosität zu erziehen, nung, der Glaube wird nicht irre, auch wo das Wisstn Und aus seinen ft i n ft c r n i f f e n. k Tritt der Herr, so weit er kann. Und die ftäden, die zerrissen. Knüpft er alle wieder an. Hebbel. le ganz r Wort uif dieses n wenn ann noch n allein. Religion. (lorreiches bst steigt " Diese Romanten, fanimmer sich den zauberriefen sie ch au s auch dort illt. Auch lernen, auf Geschichte ftassung. Die Kapitel Momente Hoffversagt. cnten. Die Be p r Q\M A N N TS P I CALL E 54 r Ernst Möbius Baumeister Dresdei Viktoiiastrafie 20, Fernruf 19394 . 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