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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-09-28 · 5 (28.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
5 (28.9.1927)
Date
1927-09-28
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Seite 7 Nr. >5 >ebli «emeindeblatt der Israelitischen ReligionSgem-ind- Dresden gegenüber zu bewahren, wird nicht eingesehen. Gewiß hat das menschliche Leben eWü&ef” wä tigende, strenge Schönheit, wo n znstückblicken darf und teilgenommen Ringen der Eingestaltung geistiger strebende Matena! irdischer iniynen Personen, die sich sittlichen gestellt und ganz dargebracht haben sich wehrenden Zeit aufgezwungen Ab^el, der Vorbild für jtt>es religio Aber doch ist die eigentlich religiö identisch mit jener charakterfesten, einen sittlichen Zweck. Die religiöse hinaus noch etwas anderes in sich, Verhalten doch fehlt. Es ist das so sehr als notwendig an auf gebrachte Opfer hat an diesem tragischen Gehalte in das wider- Vorastssetzungen. Gewiß ge- Zielen zur Verfügung und neue Inhalte ihrer haben, einen Grad von Pflichtensystem bleibt. Haltung nicht restlos energischen Hingabe an Haltung hat darüber das dem rein sittlichen sien von dem ewig Provisorischen aller menschlich sittlichen Leistung. Ein Pflichten system, das heute allen Forderungen des Tages genügt, kann füf die morgige Situation zu eng se n. Der religiöse Mensch iftj bereit, fortwährend zu korrigie en. Er verschenkt nickst seist Herz an irgendeinen Inhalt a s solchen. Für ihn war iilir das Opfer wesentlich, zu dem chm der Inhalt die GeleHenheit gab, und er ist bereit, d:n Kreis seiner Inhalte stets offen zu halten, die Rangordnung der Inhalte umzustellen, neue aufzunehmen und manches überhaupt über Bord zu werfen. Der nur sittliche Mensch hat diese Beweg, lichkeit nicht. Er verschenkt in der Tat restlos sein Herz (ist seine Ideale, und die Einseitig^ it kann seine Größe sein, kann aber auch,; a muß schließlich den Keim zum Zusammen iruch bedeuten. Denn das Leben ist in stänt igem Flusie. Wer fein Herverhärtet, seine Liebe nur an einen bestimmten gesch chtlichen Komplex hängt, über den wird daS Leben nur allzubald hinwegrauschen. Diese Warnung, die dem geistigen Menschen so not tut, ihm der bereit ist zu Kampf und Opfer, aber desien Schwäche es so oft ist, daß er sich ganz verkauft an sein Ziel und e, blind wird für die ewige Ordnung, der sich alle Ziele ei izuordnen, unterzuordnen haben, diese Warnung liegt im Suse des Kol Nidre. Es fordert uns auf, für einen Augenblick die Tafeln unserer Werte z> zerbrechen, damit in diesem unS erschütternden Augenblick s§elischer Einkehr uns der Sinn sich eröffne für lenes Reych, mildem verglichen das Reich wenschlich sittlicher Werte nur die Vorhalle *Jt. rn ^r! ft>c.nn sie auch die Vorhalle des Allerheiligsten ist, sollen wir nicht stehenbleiben. Die Einkehr, zu der uns das Kol Nidre zwingt, entreißt uns aber nicht endgültig dem sittlichen Leben, sie führt Uns znin sittlichen Leben zurück, aber als andere, die wir vorher waren. Wir können nunmehr aller Trübungen gewahr werden, 'mit denen wir unsere sittlichen Aufgaben verfälscht und verkleinert haben. Der Ruf des Kol Nidre ackert unsere Seele auf und macht sie aufnichmefähig und bereit den Pflichten gegenüber, von denen wir vorher nichts wußten, nichts wissen wollten. Der religiöse Mensch ist zu dieser Einkehr, die das. Kol Nidre' meint, bereit, kann diese Auflösung von allen Bindungen. in die ihn sein Tun und Wollen verflicht, ruhig und demütig in sich erleben. Er ist dadurch mehr Charakter als der, der konsequent ist und sich nicht losreihen kann. Diese tiefe, unbedingte Einkehr, dieses Sichzurückziebcnkönncn von seinem sittlichen Aufgabenkreis läßt sich sowohl in seiner Bedeutsamkeit als religiöser Akt als auch in der Bedeutsamkeit, die dieser Akt firr das sittliche Tun selbst gewinnt, noch weiter verfolgen. Die Religion fordert die Hingabe an sittliche Wette. Wie immer sich das sittliche Leben einer Zeit darstellen mag, ob der Wett des Staates oder der der Nation mit allen damit verbundenen Attionen oder ob der Wett einer politischen Institution, etwa der demokrattschen Verfassung oder einer Wittschaftsreform, im Brennpunkt der Bemühungen sein wird oder die mehr geistigen Werte der Wissenschaft, der Kunst oder der Bildung die .Hauptenergie ’■ in Anspruch nehmen, immer wird sich die sittliche Haltung von der religiösen zunächst nicht unterscheiben. Es ist so, daß die Forderung erhoben wird, sich diesen Werten hinzugeben, mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen und Neigungen, ja auch bas eigene Leben nicht als zu hoch anzusehen, um es für diese Werte einzusetzen. Das ist sittlich und es ist ebenso religiös. Von einem Unterschied muß aber bei einer Entwicklung des sittlichen Lebens gesprochen werden, sofern es unabhängig von der Religion seinen Lauf nimmt. Bei einer Autonomie der Kultur, bei einer Verselbständigung der BAUMÜfTER WALTER STEIINHKUSER ARCHITEKT DRESDEN-A.1. BMLHTIM F«l ■- ID WOIIM0SMO, BE* FMMAMS6IE ALLE! Uli- UIO El, fiUTACKTEI, TEL18396 VaaSöorfS Harten »« f Aetlvahnftnche Lroße und klein« Zimmer zur MM KMfKnqi« *•* FeMchkettem JkMtanfMftoft« 4«f(n Ruf 14400 Dienstag — Donnerstag — Sonntag Inserierei^rm^Gewinn!! «Sä ■»— "it. w- -i ■HW«»?« Richter u. Reichart Baumeister Dresden — A. Ausführung von PragMr8traB«46 Nou- und UmbautMn Talsphon 23931 Hausabputx EntwMs*rungsanlag«n Kostonanachläg* und •achveratändlg* Beratung >

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