Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 5 (28.9.1927)
- Date
- 1927-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4892693-5447358-5769799--0512-4893147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gjei ite 6 Gemeindeplatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Rr. 5 DaS Kol Rtdre Pon Rabbiner Dr. Ignaz M a y 8 a u m, Bingen a. Rh. Lenken wir an jene sinnlosen spräche und be» schwörizngen die von unbezweifelter Heilkraft im Volke sich erhalten und dis Hallen wie rufe der geister und götier, an alte gebe je die und getröstet Hahn, ohne daß wir ihren inhcjlt überlegt, an lieber und reime aus grauer zeit dip keine rechte klärung zulayen bei deren herfaguNg aber weite fluten von genüfien und peinen an ans vorüberrollen und blasse erinnerungen auferstehen die wie schmerzhafte schwestern uns schmeichlerisch die Hände geben. «Stefan Geesrge: Tage und Taten.) Liberale wie orthodoxe Rabbiner haben das Kol Nidre meinde, ob liberal oder rt. Wer also heute die «er aufnimmt, darf seine ihm vorliegende Gebet n diese ganze Welt reli» n, die von der Gemeinde gen wurde und die nun rjreisgegeben. Und die jüdische «rthodor, hat die Preisgabe ignor Diskussion über das Kol Nidre wi l nteriuchung nicht allein auf da teschränken, sondern er muß auch i iöfer Inhalte einzudringen versu i r den sinn des Gebetes hineinget, i lehr immer wieder auflebt, wo d^s Gebetes erwähnt wird. Hie einsühlende Religionspsychologie, die ein Symbol unters.icht, begnügt sich ja auch nicht mßt dem bloßen Sachkreis, i er das Symbol ausmacht, sonderst sie muß vor allem eriahren nicht, was es4st, sondern »bas es bedeutet. Tie Bedeutung eines religiösen Symbols ist aber immer im reli-! Lösen Subjekt, in dem verehrenden Besitzer des Symbols, zu linden. Tie Geschichte des Kol Nidre ist also nicht unwesentlich für den sinn des Kol Nidre, jene erklärt diesen. Es ist Picht unwesentlich, zu wissen, daß alle Ratlosigkeit der religiösen Führer, die mit dem Kol >Nidre nichts anzufangen - wußten, daß mich alle raiionalen Gründe, die sich gegen das Kol Nidre wandten, nichts vermocht hatten gegen die Snhänglichkeit, mit dfr die jüdische Volksseele an dem Kol Nidre festhält. Unabhängig von den Entscheidungen über daS Kol Nidre. ob sie nun oxthohox oder liberal waren, auch trotz aller Anwürfe von außen — die Lüge über die Underbindlichkeit des Judeneides nahm hier ihren Ausgang — lebte n der religiösen Gemeinde der Jüden das Kol Nidre wie pin mit Ehrfurcht umgebenes Erbstück, das in die andersrtige (Gegenwart nicht recht hineistpassen will, dessen Sinn jemand recht deuten kann, das abet aufbewahrt werden muß ür ein Geschlecht, das es wieder ^verstehen und verwenden önnen wird. Ter Erew Jomkipvur heißt auch dort Kol- Nidre-Abend, wo vom Kol Nidre nichts übrig geblieben ist als die Melodie, mit der an stelle hes ursprünglichen Textes ein Psalm gesungen wird. Suchen wir nun das Kol Nidre vornherein soll gesagt werden, dal ständnis noch nicht identisch ist mit ein altes Gebet zu erhalten. Tie ein Wagnis sein, und die prakti liegt in einer anderen Sphäre als Auseinandersetzungen eröffnen kön Tas Kol Nidre besagt, daß all« Bosch* ® Eisemann- ^2 Fabrikate zu verstehen. Aber von j unser Wille zum Derbem Versuch, der Liturgie letztere mag in der Tat Entscheidung darüber t>ic folgenden theoretischen en. Gelübde, alle Eide aufgelöst sein sollen. Die vielen Bezeichnungen, die n langer Reihe aufgezählt werden, bedeuten soviel wie men chlich gesetzte Bindung. Der Nachdruck liegt auf dem Fastum der Auflösung. Die Fülle der Worte für Arten menscklich möglicher Bindung, fast durchweg Synonyma, sollen licht einzelne Beispiele bedeuten, sondern es soll vielmehr üne Auflösung in ihrer ganz besonderen Mächtigkeit vertu ldet werden. Tie Auflösung, die am Erew Jomkipvur oerkündet wird, außer daß sie durch Auflösung von Eiden und Gelübden illustriert wird, wird auch insofern zu: Erscheistung gebracht, daß die Abarjonim, die mit dem Hann Belegten, dem Gottesdienst beiwohnen dürfen. Der l nterschied von gut und böse fällt, das mächtigste Beispiel für eine Auflösung, die menschliches Hirn ersinnen kann, und die hier als kultische Form dient, um d i e Auflösung dem religiösen Bewußtsein anzudeuten, die am Erew Jomkippur verkündet werden soll. Welche Auflösung? Welche Bindung soll gelöst werden? Gelöste Eide, gelöste Gelübde, überhaupt die Losung von den Massen von gut und böse sind die schreckhaften Bilder, die der jüdische Genius schuf, um die Verkündung des Erew Jomkippur, des Vorabends vom Ta«,e Xuura vevjsum, zu formulieren. Welche Verkündung?. Das Judentum ist ethischer Monotheismus. Es ist nicht Ethik. Ethik ist nie Religion. Die i nbedingte Forderung sittlicher Verpflichtung kann menschlichen Gewissen gegenwärtig sein, ohne dasi diesem Gewissen damit schon die Welt der Religion erschlosien zu sein braucht. SRan kann die Pflicht tun als Pflicht, ohne daß sich 5amit >r eitere Erlebnisse und Fragen verknüpfen mußten. Es isi immer die große Gefahr des ethischen Monotheismus gewesen, pon einer Generatiin, die läng st nicht mehr wirklich religiös war, wegen seiner Verknüpftheit mit der.Ethik re st los in Ethik umgedeutet zu werten. Diese Verknüpftheit ist gewiß in allergrößtemMatze vor- Händen. Sie besteht darin, daß der Weg zu Gott seinen Ausgangspunkt nimmt von der Hingabe in sittliche Inhalte. Der Anfang dieses Weges ist das Ein achste und Selbstverständlichste, eben weiter nichts als das Gebot: vollbringe Gutes. Was das ist, weiß jeder. Das Gute, eben das Gute. Es ist das Nüchternste und doch so Erh« kbene. Die eintönigste Alltagsarbeit ist der Tummelplatz fir Helden- Hafteste Pflichterfüllung. Suche nicht jenseits dis Meeres, schau nach keinem weltfernen Himmel. Tue dei nc Pflicht. Ist der, der seine Pflicht tut, fromm? Der Fromme tut seine Pflicht. Der, der seine Pflicht tut, wird fromm, wenn er seine Pflicht als ein Lehen ansieht, das ih n gegeben, um sich um Gott zu mühen. Der Kampf um >en Segen beginnt mit dem Ringen um die Erfüllung 1 er Pflicht. Aber die Gefahr dessen, der seine Pflicht tu, ist keine kleine. Er wird so leicht selbstgerecht und satt, m d er fraßt nicht nach dem, was mehr sein kann. Besonders wenn sein Mühen sich lohnt. Und ist seine Pflicht wieder schwer und er muß viel stöhnen, so wird er leicht hart, stre rg, finster. Die Gefahr dessen, der seine Pflicht tut, -ist keine kleine. Das Kol Nidre rüttelt uns auf. Daß wir uns der Liebe zu Gütern irdischer N atur, Geld, Besitz, Macht, nicht ganz ausliefern dürfen, wird oft gesagt. Diese Reserviertheit aber auch sittlichen Leistungen Unvergängliche Erinnerungen verschaffen ■ Ihnen selbstgemachte Photographien. / Deshalb sollte eine Kami steter Begleiter sein. / Bei Anschaffung und Handhabung einer solchen bcd! Sie sich vorteilhaft meines Rates. / Photographieren stellt sich dann nicht Photo-Kino-Radiohaus Wünsche «ra Ihr lenen teuer.? ngstr. 34 lathau« EHLifsl T.BIENERT I IGRIESS