Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 5 (28.9.1927)
- Date
- 1927-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4892693-5447358-5769799--0509-4893144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Nr. 5 Semeindedl j*rm*r*rjv’yfvrr7?» «rrfl att der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 3 hesoitlers an diesem, vom Ra-bimr „benschen" (segnen). Bei Tische tverden am Abende allerlei Svcisen verzehrt, die symbolische Wünsche für das neue Aahr darstellcn. (rin :'U’fcI ivird in Honig getaucht. So sill ein „süstes" Jahr beschert sein. „Rnbia". was als Fenchel genommen ivird. klingt an „row" (viel) an. Dasselbe deuten „Möhren So soll (Mohrribcn) an. Stiirbis <hcich das Glück „mehren" — „zcrreisten", besagt: tnoblauch („krati", iikiit Ausgerottet werde jede silka", vergleiche „s tak" aus Aai der brüisch „kra") mit Anklang an „krL zerrissen werde böses Verhängnis! denkt! an „karet" — „ausrotten"): Fcinoschaft!" Mangold (aramäisch — „wegschafsen"): ..Weggeschafft weide jede,Gefahr!" Dattel- «bcbväisch „tamar", während „tamam" „vernichten" bedeutet): ..Aedes .Hemmnis schwinde!" Ein Granatapfel mit semen viele i fernen: „Unsere guten Werre mehren sich wie diese Sterne!" Fische, die ja di? Augen stc«>offen halten, erinnern an «eil „Hüter Israels., der nicht schläft noch schlummert". Fc-ttts Fleisch verheifst ein fettes Aahr. Ein Stalbs- oder Widderkopf: „Es erfülle sich 5. Mosa 28.13: 'Ter Eivigc luiib dich sunt Stopfe und nicht zum Schweife machen?" Auch deitkt man beim Widder an die Opferung! Isaaks. Nüsse sind vcr bote i. weil Nuß hebräisch „egos" heitzt, und dieses nach dem Zah enwerte der Buchstaben gleich 17, d. i. soviel wie „chet" iSültde) ist. Ausserdem darum, weil die Nuß Schleim verursacht und beim Schofarblasen jedes Husten und Sichräuspern untt rbleiben soll. TaS Schofarblasen wurde nur würdigen Personeit anvertratst. Man ehrte den. der im Ehrenamte diese Funktion ibt, durch Ausruf zur Thora an einen Festtag. R. Ehajim : Bacharach hatte zu entscheiden, ob ein Schosarbläser aus Grohstadt, der sonst diesen Dienst in einer kleinen Gemeinde für vier Taler versehen hatte, mit Recht, der gefährlichen Striegsumstände wegen, statt dessen 20 Taler beanspruchte. Es wurde in verschiedenen Gegenden in, verschiedener Reihenfolge der Töne geblasen. So z. B. nach Eiset Tyrnatt, in Brünn in Böhmen anders, als anderwärts. Vor dem Blasen ruft der Schofwrbläser eine Anzahl Engel an, deren Namen durch Grammbteia, d. h. Einsatz von Werten mit gleichem Zahlenweme der Bitchstaben, geivo inen werden. Unter ihnen findet sich Sandalfon. der vielleicht, wie Sarperdon aus Sarpiaon. aus Silvanus entstanden. wenn nicht als das griechische Synadelfos anzusprrchen ist. sowie „Anaktom pistosn'", die zu der bekannten magischen Formel gehören, in der, man wohl das griechische „Anax theon hipsistos Oionv-osl (Herrscher der Götter, Höchster. Dionysos) erkenne» darf^ Am Neujahrstage selbst schlafe man nicht, wenigstens nicht binach Mitssaf, wie es sonst viele nach Tische zu tun pflegen. Man steht ja vor dem himmlische»! Richter! Man grüsst sich mit „Gut Jomtow!" und erhält die Antwort „Gut Fahr!" Nach dem Minchagebete gehet alle, auch Frauen und Sri oder, an einen Fluß oder Teich.; Dort schütteln sie ähnlich, tut: bei der Begrünung des Neumonds, ihre Stleider. ivie wenn sie ctwcis ablversen wollten.^ Man leert die Taschen und ivirft Bi osamen den Fischen zu. ...Taschljch" nennt man diese Zere- »ilmie, die von verschiedenen Bibeljversen begleitet wird, nach Mcha^7,19. „Du wirst alle unsri Sünde in die Tiefe des Röeeretz werfen (taschlich)." Es gilt als gutes Zeichen, wenn Fische die Brosamen auffangen. So >vie diese durch das Wasser geschützt sind, so möge uns Gort in seinen Schutz intimen, er, der auch mit Abraham war, als er mit Asaak nach dcin Moria zog und. Nach der lieb«rlieferung, sie plötzlich vor einem Wasser standen, das sie glücklich durchwateten. Dieser Brauch dürfte, von den Deutschen am Rhein, bei denen ihn ». a. Petrarca beobachtet hat. z» demAuden gekommen sei». Er findet sich schon bei den alten Babyloniern, die bubet beteten: „Mein Drangsal möge der Fisch wegnehmen, der Ström sortführen!" Auch in Tirol warf man am Weihnachrsabcnd ettvas Mehl in den Brunnen, bei den Tschechen uiid ‘ den Kroaten noch setzt Brosamen und andere Speisereste. Tie Anschauung des Volkes, man gehe seine Sünden abschiittel». ivird ausdrücklich verpönt. Man gebrauche nur den Ausdruck „Taschlich sagen" oder „Taschlich machen". Diesem Brauche, der aus der nichtjüdischcn Umgebung übernommen ivurde, aber nur als Form und Einkleidung für eineit religiöse» Gedanken dienen sollte, steht das „Kappore-Schlagen" am Erelv Aomkippur nahe. Ein weifser Hahn —! von Frauen eine weisse Henne -- wird dreimal um de» Stopf geschwungen und dabei gesprochen: „Dieser Hahn sei ein Ersatz, eine Aussöhnung. ein Austausch für mich! Er gehe zum Tode, ich aber einem glücklichen, gesunden und langen Leben entgegen!^ Der praktische Zweck dieser Zeremonie besteht darin, das; der -Hahn selbst oder sein Geldwert Armen gespendet, die Ein? geweide Vögeln oder anderen Tieren, für die mau bei jeder Gelegenheit gleichfalls Erbarmen zeigen soll, hingeworsen Iverden. Auch dieser Brauch scheint aus Babylonien herzu-, stammen. Wie Raschi in seinem Talmudkommentar berichtet. Pflegte man zur Zeit der Okioiieit etliche Tage vor Roich haschana in Störbchen, die mit den Namen der einzelnen Familienmitglieder bezeichnet waren. Bohnen oder.Erbsen ,;»- Pflanzen und am Rosch haschana um den Stopf zu schwinge», um sie dann ins Wasser zu werfen, gleichfalls mit de» Worten: „Tiös sei mein Ersatz und Austausch für mich!" Aehulich legt mau noch heute in Indien die Sünden in einen Topf und wirft ihn ins Wasser. Berwandte Vorstellungen herrschen bei den Arabern in Palästina, in Hintetindien und sonst. Wie in vielen Gegenden Deutschlands werden, ttut einen Zauber zu wirken, Menschen inS Wasser geworfen. Dasselbe geschieht als Taschlich bei den kaukasischen Anden, die einer den anderen scherzweise ins Wasser iverfcn. um, tvie man dort sagt, „wie die Fische zu schwimiuen". Tie stabbala, die sich, wie so vieler jüdischer Sitten und Bräuche, auch der „Stappora" bemächtigt bat, findet in den Anfangsbuchstaben der Worte „chalifathi" (mein Austausch), „temuratln" (mein Ersatz) uiid „kapparath" (»teilte Sühne) den Namen des Engels „Chatakh" angedelitet. der. wie die Parze Atropos, den Lebensfaden „abschneidet" („chätakb"), ivesbalb ein Chassid zur Erinnerung hieran ein scharfes Messer bei sich zu tragen Pflegte. Der Brauch war in der Zeit der Okiotieii in der Provence und in Narbonne heimisch, in Atalien hingegen zumeist auch den Sefardim fremd. Den Beleidigten zu versöhnen, ivurde alles aufgebotcn. Zum wenigsten ist dreimal vor drei Zeugen der Bersuch zi».unteruehineii. War der Beleidigte unversöhnt gestorben, so geht nian, ivie schon im Machsor Bitry erwähnt wird, mit zehn Männern an sein Grab und bekennt vor diesen, was man an Gott und dem Toten gesündigt hatte. Daß, wie manche es taten, man in der Synagoge einfach anSrief: „Wen ich beleidigt habe, der verzeihe mir", ist ungültig. Doch ist die Ansprache R. Akiba Egers an Stolnidre berühmt geworden, der mit der Bitte »in Berzeihung und der Zusicherung, das; er allen vergebe, vor die Gemeinde an den geöffneten Thoraschrein hintrat. Nach dem „Beth chadasch" gebührt Vorstehern, die - daS Jahr hindurch ihr Amt gewissenhaft und liebevoll geführt haben, die Ehre, am Rosch haschana vorzubeten. Der „Stizzur Sch'loh" bemerkt jedoch: „Aber in unseren Toroth (Zeiten) sind nicht viel solche Parnassim nei-maniui (zuverlässige Vorsteher) vorhanden, drum gehört (hat) der Ehasan mithpallcl Tragen Sie nur Fesch, das gute Haarnetz und wenn Siebes bet Ihrem Lieferanten nicht bekommen, bann wenben Sie sich an Frau Emma Schunke Wilsdruffer Straße 40,11. (gegenüber den Kammerlichtspielen) ./ I. -. — -1a«.fiif