Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 5 (28.9.1927)
- Date
- 1927-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4892693-5447358-5769799--0508-4893143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
Nr . 5 Seile 2 man tausend Erklärungen gibt, kestie trifft den Kern. Was uiitzt auch das Dörfchen, es zerstört ja doch nur das Schönstem den Zauber des ('ieheimnisvollen, Pen Rest des Rätselhaftender. gering genug, einer leider zu »ehr aufgeklärten Zeit geblieben ist. Rjcht Nachdenken, nicht erklären wollen: suhl e n muß inan es! emeindeblatt der Israelitischen ReligionSgem'einde Dresden Iom-Kippur-Endc ^ir Siinchas Tanroh wirklich Hrende? Seien wir ehrlich, es in doch mehr ein Kindervergnüz en. Tie wahre Freude ist ^om-.Kippnr-Ende. Richt für die. die rmch dem Schofartone das Weite suchen und in Hellen 5 charen die Synagoge verlassen. sondern für die wenigen,!äe drin bleiben und über das Maariingebet noch veriveilen. Es ist die Freude deycir, der sich selbst bezwungen hat. der, fiebernd in der Erregung der Askese, nach der ungeheuren (Spannung des Tages all» niäblich sich wieder dem Alltag zuw^ndet und aus dem schweren Bann des gewaltigen Erlebnisses wieder erwacht. Tie Schioere fällt ab, man regt sich, bewegt die Glieder, schliesit das Gebetbuch ein. den Talis, blickt frei umher, lind man siebt nur freudige (*Vefict»ter. Wo »3 besonders die Borbeter strahlen. Sie sind die Helden des Tages. Sie haben der Gemeinde über den Tag hinweggeholfen, durch abwechslungsreichen Bortrag die Zeit verkürzt, haben hiehr geleistet, als je ein Wagner-Sänger vermag. Was protzt ihr Tristan- oder Siegfried-Sänger? Mnssaf zu Icm Kippur ist eine grandiosere Leistung! Und gar Reilah, nach mehr als vierund zwanzigstündiger Fastenzeit noch solche hohe Töne! Das' sind Triumphe, die nur ein Chasan kennt! Und die undänkbare Hörer viel zu wenig zu würdigen wissen! Wer einem Chasan am Ende des Jom-Kippur-Dienstes nickt von ganzem -Herzen Jeschkauach (Gottes Dank!) sagt, verdient eigentlich nicht, der Segnung dieses Tages teilhaftig zu sein! Doch dies nur nebenbei. Aber nicht nur die Vorbeter freuen sich, alle die am Gottesdienst teil hatten. Die Borsteher atmen auf, denn ihre Verantwortung war grob. Die Kultusbeamten jeder Art sind froh, daß der Tag vorüber ist, daß alles gut ebgelaufen ist. Rie klingen die Segenswünsche, die alle einander zurnfen, ehrlicher und freudiger, als in diesen Augenblicken. Und wenn der frische Luftzug durch die weitgeöffneten Türen einströmt, die tief herabgebrannten Seelenlichter beunruhigt und die'dünne Stimme des Wochentagsvorbetcrs verschlingt, der init Windeseile die letzten Gebetsverse bewältigt. wenn nach einem Tage voll Geistigkeit mit den Signalglocken der Straßenbahn, den mißtönenden Sirenen der Autos das, was man heilte Leben nennt, andringt und uns aus unsrer wahren Heimat, aus den Bezirken der Seele, in die Fremde, der wir fronden müssen, ohne Erbarmen hineinreißt, dann haben wir noch die Kraft zu einem Wunsch: Laßt uns, die wir eben noch Engi^l waren, uns so beherrschen, daß wir dm nächsten Tage noch Menschen genannt zu werden verdienen! Dr, Leo Fant!. Unsere Aerbstfeste in Bottsbrauch und Bottsglauben Don Tr. M a r G r n n wa l d. Wien Tie Ouvertüre zu der Sinfon e unserer Herbstfeste bitdet der Monat Elnl. Tem Moll de - Freudentage dieser Serie entsprechen die Sabbats, die in d esen -Monat falle», und die zu den „Schema nechenitoh", den sieben Trostsabbaten gehören. die ans das Trauern und das Fasten des 0. Aw folgen. Tie Haitaroth dieser Sabbate sollen über den Verlust Jerusalems und die anderen Martyr en, von denen die jüdische (beschichte meldet, trösten. Des salb wird auch, wenn der Monatsanfang des Elnl auf einen Sonntag triftt, nicht, wie sollst üblich, die fällige Haftara durch die von Erew Rosch Chodesch ersetzt, weil diese keim» tröstlichen Zuspruch enthält. Tie ernste Weise der Tage des Gerichts, der Buße und der Versöhnung präludiert das Dur des Sckofars, der iin Elnl täglich geblasen wird. Tic in diesem Monate zu vollziehende „Rückkehr", die Wiederannäherung des Gott entfrcnldeten Herzens an den himmlischen Vater, deutet schon der Monatsname Elnl an. Er wird aus den Anfangsbuchstaben der vier Worte „ani l'dodi w'dadi li" („Ich bin dein Gott und du bin mein"» im HobcnlHde 6.3 gebildet. Diese vier Worte enthalten vier Jot. d. i. »ein Zahlenwerte dieser viex oot entsprechend, 40. Deshalb soll biefen JKonat und noch zehn Tage im darauffolgenden Tischri der schofar zur Rückkehr zu Gott ermahnen. Tik übrigen Buchstaben jenes Zitates enthalten die Bestandteile des Wortes „Radud" (unstet, flüchtig). Ter Elul soll um>. die wir vor dem Angesichte Gottes unstet geflohen sind, zu ihm znrückführen. Am Rosch Chodesch Elnl iverden im Hinb ick auf 4. Mose 30,3 leichtfertige Gelübde gelöst. Tie Schlnßbuchstabcn der Worte dieses Schriftverses „lo jachel d'baro k'kol" bilden das Wort Elnl. Man sagt den ganzen Monat hindurch den Psalnt 27, weil „ori" darin auf Rosch haschana, „tv'jisch 'i" auf Iomkippnr. „miini ira" auf Hoschaua rabba gedeutet wird, das Wort „Snkka" darin und in ,lule" „Elul" enthalten ist. Aehnlich las man in „Arjeh", Amos 3.3 („Ter Löive brüllt"), die Buchstaben als die Anfangs der Worte Elul (a), Rosch haschana (r). Jomkipur (j), Hofchana rabba (h). Tie. vierzig Tage des Schofarblasens finden aber ihre Begründung auch darin, daß Mose, als er die ziveitcn Bundestafeln holte, nach vierzigtägigein Aufenthalte auf dein Sinai zurückkehrte. Ugi während dieses Ausbleibens des Führers das Volk vor einem Rückfall in die damals begangeiie Lünde des Goldenen Kalbes zu bervahren, habe man täglich Schofar geblasen. , Der Tag des Gerichts wird durch die Bußgebete ( (selichoth) einyeleitet, die man einige Tage vorher, bei den Sefardin (spanisch-portugiesischen Juden) täglich im Elul ani! frühen Morgen verrichtet. An Erew Rosch haschana besucht man die Gräber Angehöriger und der Rabbiner oder Märtyrer, doch nicht zweiinal am selben Tage dasselbe Grab. Ter Sinn dieses Brauches ist: Wenn Gott sich unser nicht erbarmt, sind wir den Toten gleichzuachten. Auch ist das Gebet an den Gräbern wirksamer, weil Gott der frommcn Taten der Verstorbenen gedenkt. Aber gewarnt wird vor der Vorstellung, als ob die Toten für die Lebenden Fürbitte leisteten. An die Armen »verden Gaben verteilt. Almosen sind Gott gefällig und sollen auch sonst vor dem Beten gespendet werden. "Hierauf wird gebadet, und zwar dreimal, »veil Ezechiel 36-28 dreimal von Reinigung die Rede ist. Manche lassen sich nur von übereilten, auf ihre Person bezüglichen Enthaltungsgelübden durch erst Kollegium von drei Gelehrten entbinden. Dieses gilt für die vergangenen Gelübde. Außerdem wird aber noch eine „Messirath modaah" gesprochen, d. h. für die Zukunft jedes Gelöbnis für ungültig erklärt, das man etwa ohne klares Beivußtsein aussprechen sollte. Rach dein Abendgottesdienste »vünscht einer dein anderen „l'schana toba tikkateb" („Zu einem guten Jahre werdest du in das Buch des Lebens eingeschrieben"). Der andere erwidert: „Gam atta" („auch du"), oder ähnlich. Vor Zeiten lautete der Glückivunsch in Deutschland auch: „Ter Bore (Schöpfer) gasre (bestimme) dich l'schana toba." „Gam othah" lautete der Gegengruß. Kinder lassen sich in der Synagoge, wie an jedem Freitag und Iomtowabend, so DAS HAUS FÜR VORNEHME DAMENBEKLEIDUNG D R E S D EJN-A. PRAGER STRASSE 34, TELEPHON 21746