Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 5 (28.9.1927)
- Date
- 1927-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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CINftcMotl Israelitiftchen Religionsgemeinde Dresden mmmmmmma* AmtücheS Organ b«< Gemeindevorstandes Berauttoortl. GchrWcttua«: Bürobirettor £j Ploruuxd«, Dresdr» - Bcrlao: Istaelittsch« Rrligions-nnrtnd« Drrsdea - Druck: Raben & Comp., Drrsbrri-A. Haapsaauahm Haapsaauabmesteilr sür Zaseratr: 3«. < Zrughaosstrahe 2,1. T?lephoa 14051 - Dir 29 mm Roajxneillrrriic kostet 30 Pf., laufend Rabatt 3. Jahrgang Dresden, dm 28. September 1927 Nummer 5 Improvisationen im Tischri zun Der erste Reujahrsaliend hllle Achtung vor dem, der nur an den Hohen Feiertagen (Gottesdienst kornmt. Wir sollen ihn nicht von oben herab ansqhen. Wir Juden von 1927 nüssen froh sein, wenn er wenigstens an diesen Tagen kommt, sich an diesen Tagen zur ('!ei reinschaft bekennt. Die Zahl derer nimmt sicher nicht zu: feie i wir froh, wenn sie nicht abnimmt. Ich habe Respekt vor dem, der am ersten Abend deS Neujahrsfestes im Gesellschaftsanzug, mit frisch geplättetem Zylinder, das Festgebetbuc i in der Hand, die Synagoge betritt, unsicher, etwa so, als trä:e er in ernen Konzertsaal. Die Betplatzkarte fest zwischen dci Fingern, folgt er dem Platzqmveiser. Die Syiwgoge ist ihist festlicher Versammlungsraum, und was sich hier begibt, erscheint ihm seltsames Gemisch r ‘ " ' ersch lischer Erbauung: gesellschaftlich zitium. Feierliche thetischen Genusses und see .geregeltes religiöses Excrik und ernste Vermahnung von der Kanzel dringen auf ihn ein, lö en ihn, für kurze Stunden mir. aber wirksam, vom Alltag, llle Achtung vor ihm! Aber aiuh ein »venig Bedauern. Der n ihm entgeht etwas; ihm fehlt das Wesentlichste, das tief! Erlebnis des Augenblicks: die Freude, das Eigentum, dev höchste Besitz des mit der Synagoge innig Vertrauten. Wahrend jener mit dem Finger äügstlrch die Zeile verfolgt, die der Vorbeter eben rezitiert, wahrend er froh ist, im rechten Moment rrmaeblättert zuin unfern Synagogen in leicht dahinfließendem Rezitativ haben, lauscht der andere, ohne ii s Buch zu sehen, der Melodie, vorgetragen, aber das Kaddischgebet vor Mussaf am Neujahrsdje heute abend der Vorbeter zvm ersten Male nach Jahres-, und Versbhnungsfest — das ist etrvas Ungeheures. Jisgaual, mondstag in die Posaune! Geht mir mit eurer angeblich modernen Musik! Wagner, sagt ihr, hätte zuerst die Musik dem Wort untergeordnet? Hättd in der Musik jegliche Stimmung gezeichnet? Wer einmal Tik’u wachaudewh sdiofor erfasst hat, sagt das nicht mehr! Aber wie viele erfäsfen es heute?. T . Ter große Kaddisch Auch Gebete haben ihre Schicksale. Fragt die Rabbinen, was an den Festtagen das wichtigste Gebet sei. Sie rverden einstimmig sagen: Schacharis, das Morgengebet. Aber die Traditio, will es, daß die äußere Form dieses Gottesdienst» abschnittcs dem.zu widersprechen scheiist. Man wendet alle Liebe ui d alle- Kunstsorm dem Mussafgebet, dem Zugabsopfer in. mosaischen Anordnung, älso den« iveniger bedeutsamen Gebetordnungsteile zu. Den Mussaf-Chafan. den Kantor möchte ich sehen, der den Schacharis-Kollegen für vollwertig ansähe! Eitelkeit der Eitelkeiten: aber das ist Tradition. Der Verständige lächelt und läßt es denn gelte:'. Und nimmt es auch hin, daß das Kaddischgebet vor Mujjaf an den hohen Festen diese großartige Feierlichkeit bekommen hat. Was ist es denn eigentlich? Eine Heiligungssormel, ein Ruhepunkt, eine Caesur, ein Einschnitt, ein Signal, das meist den Endpunkt einer Gebetsreihe bezeichnet. Zumeist wird eS fpist wieder anstimmt. Der T?xt, der jeden Freitagabend iniederkehrt, der dem Beter mi der Sabbatweise im Ohre liegt, er klingt heute anders; u») der Beter weiß das. und er in doch immer wieder überrascht, wenn zum ersten Male jene seltsame Tonfolge ertönt, die das musikalische Leitmotiv der hohen Festabende ist. Die sich mit Worten nicht wiedergeben läßt, dieses ab- und aufsteigende Psalmodieren. das sich bald wiegt, bald heiter klingt — abep können jüdische Synagogen inelodien wirklich heiter sein? j— Es ist immer ein Lächeln unter Tränen ... Aber da schw ngt sie sich auf. die gewaltige Fanfare: Tik’u wachaudesch ichaufor ... Stoßt am Neuwejis Kadusch ... Wer diese Melodie, kennt, weiß wie auf- Ivühlend gerade diese Worte klingen. Akzente von geivaltigcr *. Wirkung, Aufruf und Aufschrei, Bekemstnis und Hilferuf, Todesbereitschaft und Lebenswille, mit einem Wort: oer große Kaddisch. Das Gebet an sich. Was immer auch folgen mag —, und wenn alle Rabbinen mit Gründen und Abergründen kämen: dieses Kaddischgebet ist konzentrierter Versöhnungstag, ist der ganze Tischri in einer Nußschale, ist jüdische Kawonah, mystisches Jn-sich-Versunken-sein, ergreifend, erschütternd, wte nichts anderes rm ganzen jüdischen Gottesdienst. Warum? Keiner (ann es sagen? Und wenn Ablösung m» NeujahrSwünschen Wie erinnerlich, hatte berDosstanb der Israelit.Religion«gemetnde im vergangenen Jahre bie Gemeindemttglieber gebeten. schriftlich« NnrjahrSwuasch« a« V«kmmt« ««» Fr«««»« durch ei»r«<S«idst»««-« für Wohltütigkritsverei«« u. -aaftall«« btt H«m«i«d« abzuISf«« Dieser Ruf hat bet einem größeren Teil unserer Gemetnbemitglieber seine Wirkung nicht verfehlt. Auch in diesem Jahre bittet der Vorstand alle Genteinbeangehörigen, die ReujahrSwünsche abzulSsen. Damit aber bie Selber rechtzeitig ihrem Jweck zugeführt werben können, wird gebeten, schon jetzt von der beiliegenden Iahlkärte Gebrauch zu machen. In ber nächsten Nummer der Ieitusig werben bie Namen ber Spender ohne Nennung de« Betrage« veröffentlicht. Iiöe, -<be «ach feiarm Löaan». Ainaaa» stehe;«rii«k. Sach »te kleiaste Gabe ist willkoanae«. Der Vorstand der Israelischen Religionsgemeinde zu Dresden Siegfrteb Pionkow«kt. RechtpamoPaul Saltnger. Max Levt. SanitSt«rat Or.S. Salzburg. Sanitäwrat vr.E.S1mmermann i'I-