Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 4 (28.8.1927)
- Date
- 1927-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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■y- (Seite 6 (SemetnbeBlalt der Israelitischen Religion-gemeinde Dre-den «r. 4 Die ländliche Lage der Schule, die Einsamkeit des Reiches ür sich schasst eine Welt, die abseits liegt vom Getriebe der Großstadt und anregt zur Selbstbesinnung. Ten Mittelpunkt bildet ein landwirtschaftliches oder gärtnerischer Beirieb, und dadurch wird die Verwurzelung mit dem Boden gefördert^ die die Jugend dringend nötig bat. Die schulen sind Gemeinwesen mit wirtschaftlicher und pädagogischer Autonomie. Ter Begriff des Wirtschaftlichen oll aber nicht etwa im landläufigen Sinne verstanden werden. Tas Wirtschaftliche ist nur die notwendige Grundlage des Gemeinschaftslebens, aber nicht dessen Zweck. Wie n einem Gemeinwesen alle, Kopf- und Handarbeiter, zuammenwirken müssen, um das Ganze zu gestalten, wie das tzemeinwefkn nur durch harmonische Zusammenarbeit beleben kann, so soll es auch in diesen Schulen sein. Keiner oll sich zu gut dünken für irgendeine Arbeit, jeder soll dienen, vo cs nötig ist, sei es bei der Landarbeit, im Garten oder in >cr Werkstätte, sei es bei der Reinigung des Hauses oder bei 'er Beaufsichtigung der kleinen Schüler. Ter Lehrer ist nicht tiir geistiger Berater, er ist .Helfer überall^ wo seine Hilfe tätig ist. Ter Gedanke der sittlichen Freiheit des einzelnen, 'erblinden mit der Verpflichtung der Hingabe an die Gesamtleit, wird hier am leichtesten in Einklang zu bringen sein. Inch die Spannung, das feindliche Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer wird in einer solchen Gemeinschaft unnägttch sein, strenger Gehorsam muß herrschen: aber nicht 'er fyeborsam der äußeren (besetze des Staates, sondern der Gehorsam muß innerlich sein, er muß in Richtung der Anlage ind Wertentwicklung der Jugend Kegen, der Schüler muß elbst die Empfindung haben, daß dkr Gehorsam nicht etwas hm von außen Aufgezwungenes, sondern eine Naturnotvendigkeit ist, die sein Gedeihen bedingt. Für unsere jüdischen Kinder, die fast alle in den Brennpunkten der sogenannten Kultur aufwachsen, wären solche anderziehungsheime von unendlichem Werte. Es ist ja hinänglich bekannt, daß die Zusammenballung der Juden in den Großstädten, die vollständige Loslösung von der Scholle Geabren für das Judentum mit sich gebracht hat, die schwer zu beheben sind. Wir wissen außerdem, welche Schwierigkeiten für Religion und Sitte die Erziehung unseres jüdischen Kinder in der Großstadt bereitet. Ware es nicht pan unendlichem Vorteil, wenn wir in gesunder Gebirgslust, in ländlicher Einsamkeit dem jüdischen Kinde Stättesi bereiten könnten, wo es sich beschützt vor feindlicher Umweh körperlich und geistig, religiös und sittlich unter her Führung kundiger Männer harmonisch entfalten könnte? Es wäre natürlich besonders wertvoll, wenn die Erziehung in solchen Heimen vom neunten bis' zum achtzehnten Lebensjahre währen könnte, also die Zeit der allgemeinen Ausbildung Her Schüler in einer höheren Schule umfassen würde. Doch wenn aus finanziellen Gründen eine neunjährige Erziehui g nicht in Frage kommt, so würde ein sechs- oder wenigstens dreijähriger Aufenthalt in einem solchen Erziehungsheim für Binder von neun bis fünfzehn Jahren von unschätzbarem Wer e sein. Wenn gegen die Jnternatserziehung oft der Enwand erhoben wird, daß durch das jahrelange Fernsein v>m Elternhause eine Entfremdung des Kindes diesen gegenüber eintreten kann, so muß darauf erwidert werden, daß gerade in der heutigen Zeit dieser Einwand nicht stichhaltig ist. Denn die Entfremdung der Jugend dem Elternhause gegenüber ist in der Stadt viel größer, wo Jugendbewegung, Fi eunde und alle anderen oben schön genannten fremden Einflüsse das Kind vom Hause abziehen, während im jüdisch« n Landerziehungsheim sachkundige Lehrer und Führer d;r Jugend das Verhältnis zwischen Jugend und Elternhaus nniger gestalten und die Verbindung rege erhalten werden. Noch ein Wort über den inneren Aufbau und l ie Gesamtorganisation des Unterrichts im Landerziehungsheim. In Anbetrachk dessen, daß die Schüler wissenschaftlick, praktisch, sportlich und künstlerisch ausgebildet werden, ki nnte man leicht zu dem Glauben kommen, daß eine Ueberlastung eintreten könne. Doch gerade das Gegenteil ist der Fall, da die Zeit in einem Internate rationeller eingeteilt w!rden kann und da die Schüler nach der praktischen und wisse« schaftlichen Seite in Gruppen, eine Schulgemeinschaft und sine Werkgemeinschaft, geschieden werden. 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