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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-08-28 · 4 (28.8.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
4 (28.8.1927)
Date
1927-08-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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deblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden Seite 8 Gemein Wieder können wir auf keine wir unsererseits an der!,nellere und erfolgreichere M shtion zu entdecken. Das ist bi wirksamere Weise tun, als in- Bemühung arbeiten, neue, thoden der inneren Koloni beste Aktion der „Abwehr" Aber es gibt noch eine Anzc hl anderer wichtiger Gründe, Interesse seiner Gemeinschaft haben in Deutschland eine hl voll ausgebildeter jüdischer Landwirte und hnen ist, wenn sie sin Lande bleiben wollen und Vermögen verfügen, nur ein -aus denen der deutsche Jude im sich hier zu beteiligen hat. Wsr äroße Am Gähner. picht über eigenes beträchtliches schmaler NotauSgang geöffnet:'die Anstellung als Gärtner äuf jüdischen. Friedhöfen. Das aber reicht bei weitem nicht äus. und so gehen diese au sgebildeten Kräfte entweder Deutschland verloren, indem si< zur Auswanderung gezwun gen sind, oder verlieren ihre £ ualifikation, weil sie sich doch?weder städtischen Erwerben zu wenden müssen, um leben zil önnen. Das aber ist nicht nur ein individuell schweres Gechick, weil diese Männer fast! durchaus aus echtem, innerem ."eruf sich der Scholle zugeweni et haben, sondern das ist auch 'om allgemein jüdischen Standpunkt aus schwer'zu beklagen £enn wir haben leider, wie b« kannt, mit einer fortschreitenden Schwächung der leiblichen und geistigen Konstitutions 'raft der deutschen Juden zu rechnen, der auf keine andere Weise Abhilfe zu schaffen möglich ist als eben durch Rückkehr veuigstens eines Teils. unserer GlaubenSgeuossen zur kruftjpendenden Mutter Erde. Diese Dmge haben sich in der letzten Zeit, und namentlich als Folge des verlorenen Krieges, noch verschlimmert. Das deutsche Judentum hat si h hisher durch den Nachwuchs der kleinen Städte, der immer noch in einer gewissen Weise im Boden verwurzelt chyr, einigermaßen bei der alten Kraft der Seele und des Leibes erlx lten. Aber die kleinen Städte sind immer weniger imstande, ihre jüdische Bevölkerung festzuhalten. Der Handel, von de n sie bisher größtenteils lebte, gleitet immer mehr in die Hä ide von Genossenschaften über, die fast niemals Juden als Beamte einstellen, und auch den schmalen Rest dieses Betätigui lgsfeldes engt ihnen der Antisemitismus immer mehr ein der mit sozialpsychologischer Notwendigkeit sich seit dem Kriege unendlich verschärfen mußte. Nicht nur, weil das gt schlagene Volk einen „Sündenbock" braucht, sondern vor all m aus dem Grunde, weil den jüngeren Söhnen der Großgrundbesiherklasse die beiden Auswege zum Teil versperrt wori en sind, auf denen sie sich bisher versorgen konnten. Die Zihl der Lffiziersstellen in Heer und Marine ist gewaltig eing-schrumpft, und die Stellungen als höhere Beamte nehmen jeute auch andere, bisher im wesentlichen ausgeschlossene K eise des Volkes, namentlich die Katholiken, für sich in Anspr ich. So wird der Wettbewerb, und mit ihm der Antisemitn mus, notwendigerweise immer stärker. Wenn wir noch anfül»ren, daß es auch in der Großindustrie von Tag zu Tag shwieriger wird, jüdische Kaufleute und Akademiker gegen len geschlossenen Widerstand der christlichen Kollegen unterzubringen, so ist es klar, daß sich die Lage der deutschen Indent eit traurig gestalten muß, wenn es nicht gelingt, ihren Nachwi chs in immer wachsendem Maße dem einzigen Erwerbszweigc zuzuführen, in'dem es keine eigentlich« Konkurrenz gibt: der Landwirtschaft und ihren Nebenzweigen. Auch darin liegt, nebenbei gesagt, ein gewaltiges Moment der „Abwahr": denn überall in der Welt leben christliche und jüdische iBauern und Gärtner in friedlicher, ja freundschaftlicher Nachbarschaft, nicht nur neben-, sondern miteinander. | Nun hat Deutschland seit genau 40 Jahren eine kräftige Politik der inneren Kolonisation bereits : betrieben, am stärksten das kleine, von seinen Juizkern hartgerittene Meck lenburg. aber auch Preußen, das mit gewaltigem Aufwande von Mitteln Güter angetanst, parzelliert und an Bauern ausgeteilt lmt. Aber diese Methode, wenngleich sie technisch als vortrefflich geglückt bezeichnet werden muß, ist doch mit sehr schweren ökonomischen Schäden belastet und hat vor allein in sozialpolitischer Hinsicht ihren -Hauptzweck verfehlt. Oekono m isch: Das Verfahren kostet sehr viel Geld: denn die hier notivendige Regulierung der Hypotheken erfordert beträchtliche Zwischenkredite, die nur mit Kosten beschafft werden können: und die Gebäude eines Großgutes werden bei der Aufteilung sehr stark entwertet. Das Verfahren kostet ferner viel Land für die Zufahrtswege zu den zahlreichen kleineren Parzellen: wenn inan rechnet, daß auf einem Großgut auch nur -10 Bauern angestedelt »verden und jeder nur fünf Parzellen von Ackerboden verschiedener Bonität und Wiesen erhält, so versteht man, wieviel Fruchtboden es verschlingt, um alle diese Parzellen durch Raine von genügender Breite voneinander zu trennen, und vor allem, um zu jedem Einzelstück den unentbehrlichen Zufahrtsweg zu schaffen. Und schließlich kostet das Verfahren viel Zeit: es dauert doch in der Regel wenigstens drei Jahre, bis die Aufteilung vollendet ist: und in dieser Zeit sind regelmäßig sehr große Zuschüsse zu den Betriebskosten erforderlich, die zusammen mit den übrigen Besiedlungskosten auf den Preis der einzelnen Bauernstellen ausgeschlagen werden müssen und den Boden bis zur Untragbarkeit belasten. Schlimmer aber ist, daß das Verfahren sozialpolitisch versagen mußte. Die Aufgabe >var und ist, den Landarbeiter mit der Scholle zu verwurzeln. Der Landarbeiter aber wurde praktisch bei diesem Verfahren ausgeschlossen und erst recht zu.r Abivanderung gezwungen. Denn „siedlungsfähig" war hier nur ein Mann, der mehrere tausend Mark eigenes Vermögen in der -Hand hatte, um die Anzahlung zu leisten. Somit kam die Aktion nur (westdeutschen) Kleinbauern, die ihr Gütchen verkauft hatten, und mit einem stattlichen Erbteil abgefundcnen jüngeren Bauernsöhnen zugute. Um den sozialpolitischen Zweck der Maßnahme zu erreichen, ist es also schon vom deutschen Standpunkt aus erforderlich, eine neue Methode der Siedlung zu finden, die den Landarbeiter ergreift und womöglich auch jene schweren ökonomischen Mängel nicht besitzt. Eine solche Riethode habe ich bereits vor einem vollen Menschenalter aus theoretischen Envägungen heraus empfohlen und jetzt seit sieben Jahren in einem ersten, vollkommen geglückten Versuch auf der Siedlung Bärenklau, nordwestlich von Berlin, praktisch durchgefllhrt. Sie besteht darin, ein Grobgut zum Zweck der Siedlung zu erwerben, aber nicht mit einem Schlage aufzuteilen, sondern zunächst als Großbetrieb weiterzuführen und nach Möglichkeit technisch zu entwickeln, mit dem letzten Ziele, die darauf ansässigen und eventuell von außen zugezogenen Landarbeiter allmählich zur selbständigen Ansiedlung emporzufllhren. Um die Land-« arbeiter technisch und finanziell für diese Selbständigkeit vorzubereiten, erhalten sie nach den erprobten Methoden der „Gewinnbeteiligung" über ihren tarifmäßigen Lohn hinaus einen sehr starken Anteil am Reingewinn des Unternehniens, aus dem sie Ersparnisse machen ckönnen: sie werden fernerhin dadurch zur genossenschaftlichen Zusammenarbeit metho- 1 I Tragen Sie nur Fesch, das gute Haarnetz und wE Sie e« bei Ihrem Lieferanten nicht bekommen, dann wenden Sie sich an Fvau Emma Schurrte Wilsdruffer Straße 40. II. (gegenüber den Kammerlichtspielen)

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