Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 3 (28.7.1927)
- Date
- 1927-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9?r. 8 «»meinbebloit de, Israelitischen Religio „»gemeinde Dresden Seite 5 andere kommunistisch. Die neren Verhältnisse nicht ein, «. Die englische Regierung Wieder andere sozialistisch und Regierung mischt sich in die ir sondern läßt jeden Versuch z sorgt für absoluten Schutz ein^s jeden Einzelnen, nur für Recht, Gerechtigkeit und Ordnung; und die Zionistische Organisation und der Keren Kajemeth, die den größten Teil des Bodens znr Verfüg mg stellen, haben nur das eine Ziel im Auge: „den jü fischen Aufbau des Landes' . Leider habe ich zu wenig Zit dazu gehabt, das Leben in den - verschiedenartigen Kvlorien genauer zu untersuchen, daher möchte ich "hier kein Werturteil abgeben. Das irxirc bei dieser überaus wichti >en Frage überhaupt unmöglich. Was hier praktisch auf ganz neuem Boden versucht wird, ohne jede Regierungseinschränkung, wird sich später bewähren müssen, und da n erden Rentabilitätszahlen die einzig denkbare Sprache sprechm. Steil bergauf, aus dem >rünen Tal. und wir sind in Nazareth, herrlich am Bergabhang gelegenetwa 12 OOO Einwohner, davon zi:ka 8000 Christen, dem be rühmten Pilgerort der Christen. Alle christlichen Sekten unterhalten Kirchen, Klöster ui d Schulen hier in der Heimat des jüdischen Träumers, der ilir Heiland ist. Von hier geht eS bergauf und -ab, bis man bei der Kolonie Mizpa Meeres spiegeltiefe erreicht, und danr geht es steil bergab bis zu 200 Meter unter dem Meeresspiegel nach Tiberias e.m Kinerethsee. Reisende sagen, daß der Kinerethsee schöner ser als die schönsten Seen Obei Italiens oder der Schweiz, und ich will nicht versuchen, ine Pracht dieser herrlichen Gegend zu schildern. Dre Straße * von Jerusalem nach Tiberias ist vielleicht eine der! schönsten der Welt, sie ist fest und gut angelegt und wird im bestmöglichen Zustand er halten. Um die Osterzeit herum wimmelt es auf dieser Straße von AutoS, denn daS lLand ist voller Touristen aller Nationen und Religionen. Liberias hat zirka 12000 Ein wohner. Davon sind über £000 Juden. Bis vor einigen Jahren lebten alle. Juden un» Araber, innerhalb der Stadtmauern, aber jetzt find zirka 200 neue kleine schöne Hauser an den Bergabhängen gebaut worden, und die Juden ziehen allmählich auS dem überfüllt n Stadtinnern heraus. Diese neuen Häuser liegen besonders malerisch an den hoh.m, stellen, grünen Bergen. D r Stein, aus dem sie gebaut sind, ist fast ganz schwarz, rnd die weißen Kalkfugen »nd die roten Dächer geben ein lebendiges, buntes Bild. Nach der Zerstörung Jerusalems war Tiberias daS jüdische Kulturzentrum. Hier wu den die Mischna und. der jcrusalemische Talmud abgeschlossen. Hier liegen auch viele unserer berühmten Gelehrter begraben. Diese Gräber sind Wallfichrtsstätten der Eiywohner und besonders der Touristen. Maimonides, Io und Rabbi Meir Bal Netz funden. Vom Altertum c sanan den Sakkai, Rabbi Akiba haben hier ihre Ruhestätte gc. »er berühmt sind die heißen Quellen von Liberias, die sitzt zwar noch vernachlässigt sind. aber-große Heilkraft gegen heilen besitzen, so daß sie Rheumatismus und Hauttrank' 'cherlich wieder berühmt werden können. Ein neues Hotel u rd Badehaus wird jetzt dort gebaut; der Platz ist wie vor Gott geschaffen, ein Pilgerort für Kranke und Heill>edllrftige zu werden. Ein Erlebnis in Tiberias werde ich nie vergessen. Es war einige Tage vor Passah, und das ist bekanntlich die Reinmachezeit aller orthodoxen Juden. So kamen Frauen und Mädchen, barfuß. in ihren dünnen, bunten Kleidern, mit ihren großen Blechdosen und Steinkrügen an den See, schürzten die Kleider auf, gingen bis über die Knie hinein und schöpften das Wasser, setzten die (Yefäße auss Haupt und gingen kerzengrade die steile Straße hinauf, — eine endlose- Pro- Zession, — von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, -sdlt und jung. Es war ein Bild wie aus biblischer Zeit. Und überall wurde gewaschen und gescheuert und >veiß getüncht. Südlich von Tiberias liegt an den Ufern des Sees die von Baron Rothschild 1009 gegründete Kolonie Kinercth. Von dort ist es nur eine kurze Strecke zur Brücke über den Jordan, der hier aus dem See fließt. Auf der anderen Seite des Jordans befinden sich die zwei schönsten Kolonien auf Nationalfondsboden. Dagania A, 1908, und Taganai B, 1920 gegründet. Wir haben bei unserem kurzen Aufenthalt den Eindruck gewonnen, daß hier ganz idyllische Zustände herrschen und daß die Träume der größten Idealisten Wirklichkeit geworden sind; aber unser Aufenthalt war zu kurz, um einen Eindruck zu gewinnen, wie die Kolonien sich entwickeln werden. Der berühmte Berg Tabor ist in der Nähe, und neue jüdische Kolonien liegen ringsherum. Hier gedeihen Orangen und Zitronen, auch Bananen und Mandeln und Wein, und gute Erfolge wurden bei Versuchen mit Baumwollanpflanzuugen erzielt. Es ist noch alles im Aufbau und im Entstehen begriffen. Nördlich am Tiberiassee liegt Kapernaum, in jüngster Zeit wieder berühmt durch die Ausgrabung und Wiederherstellung eines herrlichen Tempels aus der Zeit König Herodes'. Tie Reise nach Palästina wäre lohnend schon der Besichtigung dieses einen alten Tempels wegen. Man bekommt ein Bild der Zustände, die in Herodes' Zeit herrschten. Griechischer und römischer Einfluß, aber vorherrschend jüdische . Kultur. Es ist eine Kulturgeschichte, in Stein gemeißelt. Jetzt geht der Weg wieder steil nach Rosch Pina, einer 1882 von rumänischen Juden gegründeten Kolonie. Weiter nördlich. 850 Meter hoch, liegt die alte Stadt Safed mit zirka 16 000 Einwohnern, von denen die Hälfte Juden sind. Malerisch und schön hängt diese Stadt am Bergabhang, aber in der Stadt selbst — im jüdischen Viertel besonders — herrscht große Armut. Amerikanische Wohltätigkeit Und die Hadassa* versuchen das Los der Armen zu bessern. Hier leben fast ausschließlich alteingesessene Familien, die. von Wohltätigkeit (Chaluca) abhängig waren und die sich zum großen Teil dem Beten und dem Studium heiliger Schriften widmen. Im letzten Kriege herrschte hier eine Hungersnot, der einige tausend Einwohner zum Opfer fielen. Bis weit hinauf zur. syrischen Grenze befinden sich an guter Straße gelegene jüdische Kolonien; Telchai und Metulla sind die nördlichsten. Hadaffa, eine amerikanische Frauenorgamsation, die Kranken. Häuser und ambulante Stationen überall im Lande 'Unterhält. Die Buchdruckerei Kacfcn O Comp. Druckerei, die Ihnen sämtliche Drucksachen einwandd schnellstens liefert. Verlangen Sie VertreterbesLfch! rei u Ru 25261