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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-07-28 · 3 (28.7.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
3 (28.7.1927)
Date
1927-07-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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WMMWW« Seite 4 wm M»W°WWWWM lemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Reiseberichte ans Palästina Von Hermann Schocken. Dresden III. 1. Die Kolonien Zehn Tage vor dem Passah > «ginnen wir unsere Reise nach dem Norden — zum Ki rerethsee. Man fährt in Jerusalem vom Tamaskustor ab, an den Prophetengräbern vorbei, den Skopusberg hinauf, ito jetzt die neuerbaute Universität steht. Von dort ein unvi rgeßlich schöner Blick: Ein steiler Abhang führt hinunter zun i Kidrontal. Der ganze Abhang ist bedeckt mit Tausenden vln jüdischen und moslemitijck-en Grabsteinen. Man sieht den Oelberg mit den alten Llivenbäumen. Den Gethsemanegarten mit der schönen russischen Kirche. Links ganz unten das Hinr omtal und die Felsengräber. Hunderte kleine neue Häuser, vor jemenitischen und bucharisck)en Juden mit eigenen Händen erbaut, aus Steinen, die aus dem Felsen, auf-dem Jerusalem steht, gesprengt wurden, strahlen wie Marmor im hellen Sonnenschein. Vor uns liegt die ganze alte Stadt. E n gleißender Hausen von weißen Steinhäusern. Nebeneinander und durcheinander. Ucberall ragen die runden Kuppeln der Tempel, die spitzen Türme und die farbigen Zwiebeltürme der Kirchen hervor. Links innerhalb der Stadtmauermliegt der mächtige Tempelplatz mit den zwei herrlichen Moscheen. Die alte Stadtmauer Jerusalems ist anerkannt die schönste und am besten erhaltene der Welt. Als ob die Steine erst heute aus den Jelsenbrüchen gemeißelt wären, sq hell, so frisch, so glänzend sind sie. und die mächtigen Steins unten sind so wundervoll mit den Felsen verbunden, daß man gar nicht feststellen kann, wo die von Menschenhänden erbaute Mauer beginnt. Diese alte Mauer umschließt so viel Weltgeschickste und so viel Religionsgeschichte, daß man unwillkürlich den Kopf andächtig senkt, wenn man vom Skopusberg herab die ganze alte Stadt vor Augen hat. Tausend Jahre bevor Titus hier vom Skopusberg aus die Belagerung Jerusalems leitete, eroberte David diese alte Jebusiterfestnng. Taufend Jahre wichtigster Ereignisse für die jetzige Welt waren eS. Wenn das Auto nun vorbeifährt am Ehrenfrieohof des letzten Krieges, wo Hunderte jüdische und englisch^ Soldaten begraben liegen, die mitkämpften, die Stadt zum zu erobern, dann tauchen tausend vergessener Zeit auf. Man steigt von der zirka 750 5 höher und höher, bis man von hoc übersehen kann. Ter Blick reich Jordanebcne, und weit oben im Norden steht der schneebedeckte Hermon aus stiller, ewiger Wacht. Man fährt durch einige neue jüdische Kolonien, und die erste 'Stadt, durch die man kommt, ist die fast ganz christliche! Äadt Ramleh (3000 Einwohners. Hier befinden sich christnche Missionen und Schulen aller Art. An der Chaussee liegt die besonders schöne Anstalt der amerikanischen Quäker. I Wir befinden uns auf historislhem Boden, Samuels uiid Sauls Heimatorte sind nahe. Auch Schilo und Bethel. Man bekommt ein Bild von der hohen , tultur, die hier vor langen Jahren bestanden haben muß. 2 lle Berge sind bis zu den höchsten Spitzen terrassiert. Jetzt ist der Boden teilweise 3. Male zu belagern und Bilder und Gestalten halb keter hoch gelegenen Stadt oben fast das ganze Land vom Mittelmeer bis zur Nr. 3 her untergewaschen, und nur die kahlen Felsen stehen noch da. Manches ist wieder neu aufgebaut worden, und überall sieht man Oliven- und Feigenbäume oder Weinpslanzungen. Hoch oben wird Getreide gebaut. Nablus, di: nächste Stadt, ist das biblische Schechem. Jetzt eine fast ganz arabische Stadt mit Ausnahme von zirka 130 Samaritanern, deren Hauptstadt es früher war. Nablus hat jetzt 30000 Einwohner und ist Mittelpunkt der Oel- und Seifenindustrie. Dann kommt das Dorf Sebaste, das alte Sckomron, das jetzt ausgegraben wird. Es war die frühere Haup stadt der israelitischen Könige. Von der Größe und Pracht dieser früheren Residenzstadt bekommt man eine Ahnung, lvenn man die Säulen und Tempel und Häuserreste der Ausgrabungen betrachtet. Jen in, die nächste Stadt, ist das alte Enganin. Jetzt geht es in steilen Serpentinen schnell b ergab, und vlötzlief) liegt die Ebene Jesreel — der Emek — vor unseren Augen. Schon sind wir in der neuen, von amerikanischen Juden erbauten Stadt A f u l e. Wir befinden uns im Zentruni der neuen jüdischen Siedlungen. Von Haifa an der Küste bis zum Kinerethsee liegt die größte Ebene Palästinas, und sie ist fast vollständig in jüdischen Händen. Sie war leicht zu kaufen, denn diese Ebene, die vor tausend Jahren dicht bevölkert war mit großen Stäi »tert und reichen Dörfern, ist vollständig verwahrlost und zum größten Teil versumpft gewesen. Hier in diesen Malarmsümpfen haben jüdische Pioniere (Chaluzim) eine Arbeit geleistet, die einmal in der Geschichte unseres Volkes einen sehr großen Ehren, platz einnehmen wird. Mit zäher Ausdaiver haben diese jungen Juden aus den Städten Europas unbewohnte Arbeit geleistet. Viele sind an Malaria und Fieber gestorben oder dauernd krank geworden; aber sie haben jn dieser kurzen Zeit das Land, das im östlichen Teil weit unter dem Meeresspiegel liegt, fast vollständig entsumpst. -Pie haben zehntausend Eukalyptusbäume und, dann viele! Obstbäume gepflanzt. Sie haben Straßen und Häuser und Gärten gebaut. Das Land fängt wieder an zu gedeihen und zu blühen. Links und rechts, so weit das Auge sehen kann, jüdische Kolonien. Große und kleine. Mädchenschulen für'Ackerbau und Waisenhäuser. Auf diese Kolonien sind die Augen aller Weltwirtschaftler gedichtet. Macdonald und Henderson, die Minister Englands, haben diese Kolonien besucht. Hier hat der deutsche General von Schönaich seine Studien gemacht, und hier war zur Zeit, als ich dort war. der Präsident der Tschechoslowakei, Massaryk. Als ihm in En Charod die Quelle gezeigt wurde, an der Gideon seine Truppen vor über 3000 Jahren ausmusterte, sagte er: „An dieser Stelle der alten Geschichte wird vielleicht neue Geschichte gemacht — jetzt in diesen Tagen, die wertvoller für die - Menschheit sein wird, als die Gideons und seiner tapferen Dreihundert. Der neue Aufbau in der Ebene Jesrsel durch die lonzentrierte Intelligenz eines großen Teils der Juden der Welt hat Siedlungen aller Art im sogenannten Emek geschaffen. Hier sind viele kleine Privatkolonien auf privatwirtschaftlicher Basis aufgehaut. Andere, wie die chassidischen, privatwirtschaftlich, aber auf religiöser Basis. Teppiche Brücken Vorlagen Reisedecken Felle C. Anschütz Macht Dresden Altmarkt 15 Linoleum Läuferstoffe Tischdecken Diwandecken Kamelhaardecken i

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