Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-05-28 · 1 (28.5.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
1 (28.5.1927)
Date
1927-05-28
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4892693-5447358-5769779--0404-4893043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 1 Reiseberichte aus Palästina Von vcrmanwTchocken, Dresden II. Im Lande Viele Besucher Palästinas lernen das Land leider nur als eilige Gäste kennen. In der kurzen Zeit. die ihnen zur Vcrsügung steht, werden sie natürlich nur Sehenswürdigkeiten beachten, die ihren besonderen Interessen entsprechen. So werden Christen die Plätze besuchen, die sie an das Evangelium erinnern, orthodoxe Juden werden bei orthodoxen Einrichtungen verweilen und mit ihren orthodoxen Gesinnungsgcnoisen sprechen: Zionisten iverden die neuen Kolonien. Lehranstalten und Versuchsstationen besuchen und sich mit ihren Führern und Gesinnungsfreunden beraten. Ter mebr oder weniger afsimilierte-Westjude läßt sich von Cook oder der American Expreß ivährend weniger Tage von arabischen Führern die sogenannten heiligen Stätten zeigen ltnb' verläßt das Land, ohne von den ungeheuren Ereignissen berübrt zu werden, die sich hier abspielen. Ich bin nun säst vier Wochen im Lande und habe nur den westlichen Teil von Palästina und Jerusalem und Umgebung besucht. Tel Aviv, Jaffa, Haifa und fast alle dazwischenliegenden Siedlungen: die alten, wie Petach Tikwah, Sichron Jakob, Hodera, RUcbon Le Zion. und alle die neueren, die auf dem Boden der „Pica" und besonders des Zieren Kajemetb entstanden sind. Ich lxibe die alten und die neuen Tempel, Schulen, Versuchsstationen und Arbeiterschulen besucht. Mit vielen Hunderten von 'Inden aller Richtungen lmbe ich gesproctien, auch mit den Fübrcrn der Zionisten aller Richtungen; ,mit Miß Szold, der Gründerin der.Haddassa, und den Mitgliedern des amerikanischen Komitees, das zur Prüfung der .Haddaüa-Tätigkeit im Lande ist; mit den Aerzten und .Krankenschwestern und den Patienten in ihren Krankenbäusern, — mit dxn Leitern der schulen, mit Lehrern und Schülern. Ich bade mit alten Kolonisten gesprochen, die jetzt liäufig als etivas satte und müde Bal Battim erscheinen, mit jungen Siedlern, die erfüllt von Idealismus sind, mit Arbeitern am Felde, am Häuserbau, beim Straßenbau, init vielen hungrigen Arbeitslosen in Tel Aviv, und mit jüdischen Geldverleihern, die sich nicht scheuen, hohe Zinsen aus ihren geldbedürftigen Brüdern herauszupressen. Gedankenaustausch mit Touristen aus allen Ecken de : Welt; mit Fabrikanten, Spekulanten, Kaufleuten und Dichtern: Ich habe in diesen paar Wochen eine Fülle jüdischen Lebens erlebt, wie es nirgends in der Welt möglich wäre. Hier in Palästina befinden sich außer den rund 50000 alteingesessenen Juden etlva 100 000 Neueinaelvanderte. Allerlei Menschentypen! Alles arbeitet, kämpft und strebt. An allen diesen Menschen klebt die eigentümliche Lebens¬ und Tenkungsart ihres Geburtslandes. Grelle Gegensätze prallen hier aufeinander;. West- und Lstjitden und Sepharden; Juden aus Jemen, die kaum von den Arabern zu unterscheiden sind; Juden" aus Persien, Mesopotamien, Buchara. Alle mit ihren besonderen Trachten, alle b ganz verschieden im Aussehen, in Kleidung, -Haltung und Lebensweise, und doch alle als Juden erkennbar.! Und wenn man Stadt um Stadt, Torf und Land besucht hat und diese verschiedenen Juden gesehen und gesprochen hat, dann wird man verstehen können, weshalb so ganz verschiedenartige Berichte über Palästina entstehen können. Sie stammen alle von Menschen, die ehrlich denken, die aber Land und Leute zu flüchtig gesehen haben. Jetzt — nachdem ich fast einen Monat unter den allergünstigsten Bedingungen meine Beobachtungeit im Lande machen konnte, werde ich mit viel größerer Vorsicht ein Urteil abgeben, als nach einem dreitägigen Aufenthalt. Erst will ich noch den nördlichen Teil um Liberias herum sehen, der anerkannt der schönste Teil "kst, dann die neuen Kolonien in Emek Israel besuchen, die die wichtigsten in wirtschaftlicher Beziehung sind, dann erst will ich in aller Ruhe alles Gesehene und Gehörte überlegen, und dann wird wohl auch von der vielen Kritik nicht sehr viel übrigbleiben. Aber ich hoffe, daß Acrc/e- CLrtiket in üöenuä/tigender CtusivaM , v fbadc-fiandtucfeer fbade,~CcLkcn föade-ClnzäQc fbadc-Capcs fbadc-Qaubcn fbadc-Sc^u^e föcLdc-DItcuitzf \ Torma - Jbadcan^ugc * /St^a^oe. 6.-8 "" 10 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.