Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 1 (28.5.1927)
- Date
- 1927-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1 «mein deblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden Seite 8 durch die tn ihr gepflegte Predigt. Man kann den Hoch- und Tiefstand der religiösen Kultur von nun an an der Rolle inessen, die der Predigt im Glttesdienst eingeräuint ivird Das wichtigste Mittel der Offe, barungsreligion. die das urwrüngliche Erlebnis in der Rel gion nicht missen will, ist die Predigt. Alle die mystischen Neigungen befriedigende Eiirführung von Sakramenten blich ausgeschlossen, iveil da« Offenbarungspostulat die Verniniftkräste des Menschen wachhalt und sie nicht weniger in Anspruch nimmt als sein (Gefühlsleben. Bei der Predigt, n der das Gotteswort ver - kündigt und ausgesprochen werden mutz, handelt es sich um etwas ganz anderes, abi bei Sakramentalhandlungen (Taufe, Abendmahl. Messe, als«: jegliche Symbolverfestigung, die mit undiskutierbarer Heiligkeit umgeben ist), bei denen die kultische Schau stellnng da; Wesentliche ist. Tie Predigt und nicht irgendein kultisches Zeremoniell ist neben (Gebet und Lied der wichtigste Teil dis Gottesdienstes in der jüdischeu Lffenbarungsreligion, worauf auch schon ihre alte Geschichte hinweist, die bis in die Anfänge der Synagoge zur Zeit der Sofrim zurückreicht. Weiterhin ist eS dem Off« nbarungsideal der jüdischen Religion zuzuschreiben, wenn las Judentum niemals einer kirchlichen Frömmigkeit verfalle :t ist. Kirchliche Frömmigkeit geht von der Voraussetzung ans. datz tiefes religiöses Leben im (setriebe der Welt letztlich; icht möglich sei. Ter „Welt" als dem religiös nicht zu durchdringende» Teil des menschlichen Lebens steht gegenüber die Gemeinschaft der Kirche mit ihren anderen Gesetzen, n it anderen Zielen und mit anderen Hoffnungen. Diese Zveiteilung Welt — Kirche ist aber von vornherein unmöglich, wo der Offcnbarnngsgcdanke die Religion beherrscht. Tenn wo ist die Offenbarung erwerbbar? Wenn alles Mittler um ausgesckwltet bleiben soll, bleibt eben nur das Leben übrig, das. gefährliche Leben mit seiner reichen Schönheit und seinen entsagenden Kämpfe», mit seinen Hoffnungen und 'tcrzweiflungen, das Lebe». in das der Sucher gestellt ist, und wo er aus dem Platz, auf den ibn das Schicksal hingewiesen lat, zu verhqrren l>at. Treue, Pflichterfüllung, Wahrl)aftigkei t und Ausdauer, das Leben mqcht sie wahrlich schwer, dies Tugenden: aber wenn sic n^chsen können, dann doch nur im Leben. Tort werden sie erprobt und können sich als eckt erweise». Weil cs also nur die Tiener um das Gute sin >, die die Offenbarung empfangen, weil nur sie es sind, i ie Gott und'seine Gebote begreifen, deshalb jst es das L« den. in das uns die Osfenlarungsreligion iveist. Tenn nicht dogmatisch formuliertes raune lebensuutüchtiger Schl; Erfahren der in der Welt stehe deshalb ihre über sich halte überblickenden Mensch« Offenbarungsbesitz bedeutet Wissen, nicht mystisches Geärmer, sondern bedeutet das «den, mit ihr kämpfendei) und ch n a u s w e i s c n d e n I n - n. ■Scrrc/fraße 5-7 ttwnnen BÖSENBERG in. Was ist der Jnlmlt der Offenbarung? Lässt sich dieser Inhalt weiter ausführen als mit der kurzen Andeutung: sie ist das Wissen um Gott? Natürlich ist die Bezeichnung „Wissen" von Gott eine ungenaue und enge. Das ganze (semütslcben des Menschen, seine moralischen Wertungen und seine Gefllhlserlebnissc steuern zu diesem,Wissen ihr Material bei. Tas pure Wissen lätzt den Menschen in seinem Seelenleben unberührt. Wenn man dies von einer Art des Wissens, die man dann Weisheit nennt, doch behauptet, so ist mit ihr nicht nur Klotzes Sachwissen, sondern, schon religiöses Wissen gemeint. TaS Sachwissen, auch in seinem grötzten Umfange, berührt nicht innerlich, macht nicht glücklich und lätzt nichts hoffe». Tie Offenbarung, wenn mau sie auch „Wissen" von Gott nennt, ist von dieser Indifferenz frei und vielmehr von höchster Wirkungskraft auf das menschliche Seelenleben. Alle L f f e n b a r u n g i st H e i l s o f f e n b a r u n g. Wer (sott gefunden hat, der hat Friede und Glück, er hat das höchste Gut des Lebens sich erobert. Wer von Gott koinmt, dem sind die Augen geöffnet. Er sieht die Welt in ihrem Goldglanz, er sieht die gottgeschaffene Welt, die reichen Felder im Erntesegen, das satte Grün des siegenden Sommers, die gesegnete Natur. Und in dieser Natur die gesegrtete Menschheit. Lachende Kinder, Jugend, kämpfende Männer,' geschmückte Bräute und glückliche Mütter... Ein .Halleluja geht durch die Welt, und der Mensch, der die Offenbarung crfatzt, hört dieses .Halleluja. Tas ist nicht Schwärmerei, die am Leid des Lebens blind vorüberginge, die in,oberflächliche»; Optimismus zu einer vorschnellen Bejahung käme. Tiefes .Halleluja, dieses „Und siehe, es war alles gut" der religiösen Heilsbotschaft überwindet dgs Leid, und zwar durch die Macht des Vertrauens. Tas religiöse Vertrauen n>eitz uin die vielen Tränen, wcitz um das schreiende Unrecht des „Zadik wera lau", lvomit die rabbinische Formiilieruiig auf die Möglichkeit binweist, das; jemand gut und doch im Leide sein kann. Tiefes Vertrauen ist geprüft an jedem leidvollen Nichtverstchcn, wie es in der Klage Jeremias zum 'Ausdruck kommt: „L Herr, ivarum bist du nur wie ein Fremdling im Land, wie ein Gast, der nur zum Uebernachten bleibt?" — und bleibt trotzdem unerschüttert. Tie Offenbarung ist Friedensbotschaft. Sic lehrt uns Vertrauen, wo nur »icht begreifen. Sie lehrt uns Temnt, wo Gott sich in sein Geheiin- »is hüllt und uns die Antwort versagt. Tiefes Nichtweiterfragen, dieses stille Sichbescheiden, auch dies erfährt die Seele, der die Offenbarung zuteil wird.- A l l e s weis; sie nicht, aber sie weis;, datz Gott die höchste Weisheit und die höchste Liebe ist, und dies gibt ihr die Ruhe und den Heiterei; Frieden. Immer offen für alles Leid der Welt und bereit, mitznfühle», aber durch eine nicht zu erschütternde Zuversicht fern aller Anklage und abgeklärt zur Erkenntnis: datz Gottes Wege nicht die der Menschen sind. IV. Tie Auffassung des Jndcntums über das" Wesen der Offenbarung ist nicht erschöpft, wenn inan sich nicht an die fseschichtlichei; Bedingungen erinnert, unter denen der jüdische OffenbarungSbegriff in Erschciiniiig getreten ist. Analysiert inan, lvas im rabbipischei; Zeitalter unter „Thora" verstanden wurde, so siiid diese geschichtlichen Bedingungen gegeben. Tic WollWarenhaus Saxonia Wilsdruffer SfiaBe 46 / Faik & Posener / Wilsdruffer Straße 27 Das gediegene Spezialkaufhaus für Stj-ümpfe. Wollwaren. Trikotagen. 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