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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-05-28 · 1 (28.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
1 (28.5.1927)
Date
1927-05-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt d-er Israelitischen Religionsgemeinde Dresden (»lott. Ties können wir glauben. Jede einzelne sittliche Tat ordnet sich einem geistigen Bau ein, und hier hat auch die bescheidenste Handlung des Kleinsten ihre unendliche Bedeutung. Sic ermöglicht und verändert grundsätzlich diesen Bau. So lehrt uns der Glaube. Darüber hinaus ccker ist dies möglich: Es lstbt Handlungen, die schicksalhaft für sittliche Ziele tvcrden können. Wem solche Handlungen sichtbar werden, wer mit wiüigeni -Herzen an solchem Platze steht und die Sendung ergreift, dessen -Handlungen ordnen sich nickst nur jenem geistigen Bau eiu, das ganz gewiß, fonderir machen ihn auch sehend für das Werden und Wachsen dieses Baues. Er sieht klar, was not tut, und darf es schauen, das; sein Opfer ivirklich sinnvoll ist, und daß das, was geboten war, sich auch erfüllt. Er stand an Gottes Seite, nahm bewußt Gottes Willen in sich auf, und wurde fein Werkzeug. Wenn ein so erfahrener und in den Schicksalen einer durchgcfübrten Sendung lileprüster von seinem Gotte erzählt, dann ist es k l a r c. s i ch e r e Sprache. Wie Jakob tragen sie wobt alle ihr' leidvolles Andenken davon, diese edlen Ringer. Aber sie kämpften sich durch, und aus ihrer Hand empfängt die Menschheit die Offenbarung. Tie Gewißheit des Glaitbens kann, soll und muß unser Leben ständig begleiten, zur Gewißheit der Offenbarung können uns nur einzelne, cnväblte Augenblicke unseres Lebens führen. Sic können dies, ivenn wir nxrch genug sind, in dem (§eickiehen der Welt Ziele zu erblicken, die die Ziele Gottes .-find, und wenn wir stark genug sind, unser Leben diesen Zielen zu weihen. Solchös Leben führt zu einem Sinai, führt dorthin, wo sich die Himmel öffnen, wo die Gewißheit der Lttenbarung erworben wirdll. Man könnte glauben, daß die jüdische Religion, lveil sie Osfenbarungsicligion ist. oder wenigstens sich als Lffeubarungsreligion im Ablauf der jüdischen (beschichte herausgebildct liat, eine Gemeinschaft voraussetzt, in der Priestertum und Laientum sich schroff gegenüberstehen. Tenn es ist ein aristokratisches Prinzip, den Besitz einer Offenbarung als Forderung aufzustellen. Tcmgegenüber ist das Glaubens? gebot, das allen gleichermaßen zuckemutet werden kann, demokratischer Natur. Run ist es ja bekannt, daß das Judentum in seiner (beschichte nicht ein Standespriestertum, sondern ein Bolkspriestertlim entwickelt und festgehalten hat. Tie religiöse Führerschaft ist nicht kirchlich reserviert, sondern das religiöse Leben selbst mit den fragen, die es stellt, und den Antworten, die es sucht, sammelt um sich die Menschen, die an den realen Fragen und Aufgaben ihr Führertum beivähren. Tie Meister des Rabbinismus im nack biblischen Judentum empfangen, ihre Führerstellung l>on der ~ ‘... ‘ nicht von Leistung, die ihr Führertum legitimiert, und einem Amt, das sie mit kirchlicher Würde umgeben t litte» Die religiöser rdermann Person des geweihten Priesters, der dem Laien in Hinsicht etlvaS zu vermitteln hätte, was nicht j selbst kraft seines Tenkens, Tuns und persönlichen Betens - ... . .. - ..... :«.T das , teilt die uchende. ihr „alle erlangen könnte, ist kein jüdischer Typus. Gewiß bot, daß die Offenbarllng das Ziel des Frommen is Gemeinde in Meister und Schüler, in Fertige und Aber über diese Teilung hinweg geht das Gebot: sollt mir sein ein Reich von Priestern". In der Erfüllung Nr. 1 dieses Gebotes sind die einen weit, die anderen stehen am Anfang. Ter Unterschied, der hier vorliegt, ist aber ein anderer als der, den eine Kirche durch ihren von rornherein feststehenden Unterschied von Priestern und Laien schafft Tas Gebot: ihr sollt mir sein ein Reich von Printern, erfüllt schon der .Hausvater, der den Sabbattisch Jitil Kiddusch und Tischgebet weiht. Priestelstum ist nach jüdi cher Auffassung kein Stand, sondern ein Schicksal, dessen eder teilhaftig werden kann, wie groß auch die durch die in! ividuellen Verschiedenheiten bedingten Unterschiede dieses Schicksals sein mögen, ein Schicksal, das eine Lösung Heist eigen nennt. mit ihrer enet ihm. Ablösung liege die Gebetet Tie wichtigste Frucht der Offenbarungsreligion priesterlichen Forderung: erkennet Gott und d ist in religionsgeschichtlicher Hinsicht die Predigt alb Teil des (Gottesdienstes. Es ist eine nicht richtig gesehene Beurteilung der jüdischen Entwicklung, wenn man sagt, in der des Lpfergottesdienstes durch den Gebetgottesdiens schöpferische Leistung des nachbiblischen Judentums, wurde auch schon vorher. Im Tempel zu Jerusalem hat das Gebet keinesivegs gefehlt. Tas schöpferisch Reue l«gt in der Einführung jenes rationalen Bestandteiles, wiq ihn die Tchristerklärung als älteste Form der Predigt darmellt. Die prophetische Rede vorher war keine Predigt. Tie prophetische Rede hatte einen bestimmten, meist speziell politischen Inhalt oder solchen, der sich im allgemeinen auf das geschichtliche Leben bezieht und das Weltgeschehen von den! religiösen Forder»ingen aus beurteilt, oder sie ist religiöse Konfession. Tie Predigt kann das auch alles fein, sie ist aber nicht, was die prophetische Rede war, Gelegenheitsäußeruna, sondern nunmehr fester Bestandteil des Gottesdienstes. iTer Prophetismus war niemals Volksgut geworden, er wurde es erst durch die Wirksamkeit der Synagoge, die nunmehr neben den Tempel trat, und ihn schließlich ablöste. Und vornehmlich Tapeten- und Linoleumhaus F. SCHADE & CO. tn, Walsenhausstr. IO Am Contral-Theater, gegenüber Kaffee-König . Fachmännisch gepflegte Habanas und Brasils Robert Herrmann Zigarren-Import-Haus Dresden-A-, Prager Straße 20 Fernsprecher Nr. 20370 - Gegründet 1863 Spezialität Rohera- FabrikaU > FernspredhAnlagen jedes Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühfampen-Zentralen, Haustelephon-Anlagen in höchster Vollendung in Kauf und Miete führen aus Dresdner Privat-Telelon-Oelelllchaft Femspr.-Sammel-Nr. 25631 DftSAlHAtl Wilsdruffer Straße 15 Auskünfte und Ingenieurbesuche kostenlos und unverbindlich

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