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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-05-28 · 1 (28.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
1 (28.5.1927)
Date
1927-05-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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•> ' Seite 4 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 1 Thora ist die ganze Offenbarung. Tiefe Gleichfetzung bedeutet mehr, als sie auf den ersten Blick zu besagen scheint. Im Sinne dieser Gleichfetzung kann man sagen, der biblische Nation ist Thora. Nicht aber kann man sagen, die Thora ist der biblische .(tanon. Vielmehr die ganze Fülle an Lehre, die irgendein" Schriftkundiger aus dem jtanon herausgeholt bat, und die noch andere Herausbolen werden, ist, obwohl sie nicht in der Tbora geschrieben steht, auch Thora. Tie Möglichkeit. dgß neben die schriftliche Lehre die mündliche als eine ebenfalls gültige Lehre sich durchsetzt, ist durch die besondere Auftastung von der^Thora als der ganzen Offenbarung gegeben. Tiefe. Auftastung ist nämlich so zu charatterisieren: Tie Tbora ist da. Gott braucht nichts mehr hinzuzufügen. Wir baden in der Tbora das Ganze der Offenbarung. Aber anderswo bei der Dogmenbildung, ausschließt. Und ebenso ausgeschlossen bleibt, daß die mündliche Lehre der ursprünglich schriftlichen als etwas Fremdes und anderes zegeniibersteyt. Denn so sehr uns die Interpretation und die Allegorie, durch die die mündliche Lehre aus der schriftlichen herausgeholt und herausgedeutet wurde, als künstlich und gezwungen erscheint, die Notwendigkeit, sich vor der christlichen Thora zu rechtfertigen, hatte ihre wichtige Funk Ion. Die mündliche Lehre war (mit unseren heutigen Augen gesehen) Neuschöpfung. Aber sie blieb apch als Neuschi pfung im Rahmen des von der geschriebenen Thara vor<! ezeichneten sittlichen Monotheismus. Dieser Rahmen wurle nie gesprengt. Tie neue mündliche Lehre ist gleich de; alten geschriebenen immer jüdische Lehre geblieben. diese (lanzbeit ist zu vergleichen mit der (yanzheit einer unendlichen Reibe, die auch gegeben ist. deren (Yegebenbeit aber immer konkreter ausgenibrt ivcrden kann, und bei der es nie eine Form gibt, die zum Abschluß berechtigte*. Man kgnn dabcr die Gleichfetzung zwischen Tbora und Offenbarung so aussprechen: die Tbora ist die ganze unendliche Offenbarung. Damit ist auch die doppelte seelische Haltung, die dieser Tborabegriif beivirkte. erklärt. Wir haben die ganze Tbora! Welches Glücksgenibl und Selbstbewußtsein haben ganze Geschlcchtcrreihen aus dieser ftlewißbeit gesogen. Ter Anserwäbltbeitsgedänke hat hier seine Wurzel: Aber auch ein anderer wurzelt liier. Tie Tbora ist ein unerschöpflicher Brunnen. Wer darf sagen, ich habe sie ausgeschöpft. ich brauche nicht niebr weiter zii suchen und zu fragen! Das ist das UnendlichkeftswoUen der jüdischen Religiosität, die an allem Formulierten das Enge, an allem (Gewordenen das Unvollkommene siebt. Das Bewußtsein um die Thora als ganze, unendliche Offenbarung pflanzt Rübe und Bewegung zugleich in das jüdische Herz. Tie ganze Thora zu haben, welch ein Glück, die unendliche Tbora. welch eine Aufgabe! Tic Tbora ist unerschöpflich. Fortivährend gebiert sie als schriftliche Lcbrc eine mündliche, die den veränderten Zeit- und Tenkverbältuisien gegenüber ein . Zurückbleiben, ivie - Tiefer Vergleich stammt von Travers Herford, der in seinem Buch „Tacpbarisäische Judentum" l Leipzig, Gustav Engel, 1813) diese Theorie der. Tbora grundlegend entwickelt. Es ist ein leichtes, dieser Methode der Neuschä stung, also der Art, wie die mündliche Lehre gewonnen wurde, mit ttritik zu kommen. Das moderne geschichtliche Denken, Pas in den Büchern der Thora nichts Einheitliches, sonde schiedenen Zeiten geschichtlich Gewordenes sieht, Methode aus. Das ist richtig für die 'Gegenwart, Anlaß zur Kritik der Vergangenheit. Es ist ' geschichtlicher Betrachtung, eine zurückliegende Ve in ihren Voraussetzungen zu kritisieren, sondern f was mit diesen Voraussetzungen erreicht Ivurde. unseren' Fall betrifft, so muß gesagt werden, do erreicht wurde. Wenn modernste Religionsphilosophi religiöse Weltanschauung müsse ein o f f e n e s immer aufnahmefähig für neue, Werte,, die künftig der Geschichte entdecken, so ist diese Forderung genommen und erfüllt an unserem Begriffe der Thora war ein „offenes System", zu jeder Zeit mündliche Lehre neu aus sich heraus zu gebären J änderten Situationen gegenüber zu behaupten, an Jeremia 23, 29: „Ist nicht mein Wort wie der den Felsen sprengt?" sagt derMidrasch: „So wic Funken sprüht, birgt auch ein Schriftwart mehrfach Das Wort Gottes ist-unerschöpflich. :Die vielen a der verschiedenen Generationen sind uns lein Zeiche erfchöpflichkeit der göttlichen Offenbarung, die jede begeistert, ihre mündliche Thora zu schaffen. n zu verschließt diese aber kein Aufgabe ^gangenheit ' stzustelleu. Und was sehr viel ie fordert, ystem sein, e Genien vorwcgra. Diese bereit, eine sich ver- Anschluß -Hammer, dieser viele >cn Sinn." Deutungen n der Un- Generation Tw tnd sm et i Apparate u. 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Oktober dieses Jahres Sonntags von 11 bis 1214 Uhr mittags und Mittwochs von 7 bis S Uhr abends geöffnet. 419835121234979818959104787389051^2

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