Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 1 (28.5.1927)
- Date
- 1927-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4892693-5447358-5769779--0395-4893034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gemeinbeblatt der Israelit ischen Religionsgemeinde Dresden «——wo 9 lmtlicheS Organ de» Gemeindevorstandes «hmhmwmk> ■ZkianttDorti. ©«toftfeitano: Bürodkekt * Hauplavaahmcstttk stk Iusnatr: Au &tyloma(btz, DnS-ca Verlag: Israelitiscbr 9ttUgiotUonarfn6< Drc<-e» - Druck: Kate» VEomp^ Drrsteu-A. Sterullcht. Aogbausstrobk 2, I. Telephon 14051 Die 29mm Ronparettle^tle kostet 30 Pf., laufend Rabatt 3. Jahrgang 91 Dresden, 6cn 28. Mai 1927" [ | Nummer Das Fest der Offenbarung Bon Rabbiner Tr. ^,»,14 Maybaum. Bingen n. Rhein Motto: »Sprechet nicht, et sind Gelehrte, Bornehme, Pro. pheten unter uns. d:ncn fqXI die Lehre angehöre», sondern ihr alle s»llt dieses Gebot beachte»; die Bibel lehrt, daß alle gleiches Anrecht habe» an der Thora, kein Rangui d Ttandcsunterschied ist da vorfanden, sondern jebe:rnann in Israel hat densell'en Anteil an ihr." (Si re Dt. 4SP. Mb.) Zu eigen und erlangen in ruhigem. geizigem Wack)stnm die Sicherheit in ihrem (Glauben. I. Im Mittelpunkt des Zchonuausfestcs steht die Erinnerung an die Offenbarung am Sinai. Das Erntedankfest ist zugleich das Fest der Offenbar mg. Für das Brot, das wir esset,. und das andere Brot, da i unser geistiges Bedürfen befriedigt, für beides danken wir an diesem Fest. Tas Fest der Offenbarung erinnert uns au unfern höchsten Besitz, an hie höchste Möglichkeit des irdiflsen Lebens: mehr zu sein als vergängliches Leben, ein Teil zr sein im Reiche Gottes. Gott offenbart sich uns Me ischen, so verkündet das Fest- Tie Offenbarung ist für uns faßbar, wenn wir Zinn und Herz öffnen all dem, was unst r menschliches Leben umgibt. Bon ©ott wissen heißt, die Offenbarung haben. Tiefes Von- Gott-Wissen ist sicher nicht ein Wissen in dem Zinne, daß dabei nur die Vernunft des Menschen in Anspruch genommen würden Die^ Vernunft ist nur ein Teil der geistigen Fähigkeiten des Menschen. Nicht nur die Vernunft, mit der wir wahr und falsch und gut ind schlecht unterscheiden, sondern auch das Gefühl, mit dem wir die Grenzlinien wahrnehmen zwischen endlich und unendlich, irdisch und überirdisch, heilig und unheilig, also das ganze, ungeteilte Vergrünst und Gefühlsleben des Menschen muß geweckt sei». _ wo die Religion nicht bloße), demütiges Festhalten des Glaubens ist, sondern der Glaube erhellt ist durch den Blitzschein einer Offenbarung. T< s Fest der Offenbarung, das wrr feiern, erinnert uns daran daß die jüdische Religion erne Offenbarungsreligion ist. To mit ist nicht bloß die wissenschaftliche Einteilung der Aeligionen ausgesprochen, die Glaubensreligion und Offen xirungsreligion unterscheidet, sondern-es-ergeben sich daraus wichtige Forderungen für die prattifche Frömmigkeit. Tie naive Frömmigkeit des Kinderglaubens und des Glaubens einfacher, unkomplizierter Menschen ist von Harmonie und Frieden umgossen. Kinder werden ins religiöse Leben geführt mtt Vermeidung aller Problematik. Sie lernen zu Gott beten und singen, unb sie tun es in glückliAter Entschiedenheit auf sich nimmt, betritt einen Weg. der. zu große fpft nm (3)ef>et und Ende gegangen, zur Offenbarung führt. Die unermüdttchen ”Ä >■ « “ m«fen [iSiemüti«""«»!® ‘ »ÄrftSüaclT“Äoliofon I Di- «MWc Tot, ju »Cr jeder erroäf>[t ift, fliijrl jeden )ii Aber letzten Endes lebt die Sicherheit dieses Glaubens von einer von außen konimenden Straft, von einem religiösen Fuhrertum.. dessen Wirksainkeit erst solche harmonische Lebenskrrise des Glaubens stiften tat»». Und dieses religiöse Führertum, wenn es echt lind stark ist, kommt von einer Offenbarung her. Wo alles Mittlertum ausgeschaltet ist, ist die Bahn zur Offeiwarung gesckiaffen. Lftenbarungsreligion ist »nverinittelte, Glauben vermittelnde Frömmigkeit. Nirgends ist die Zwiesprache zwischen Gott und Mensch so tief, ‘ und innig und klar, wie wo das eigene Erleben ohne alles Mittlertum zu Gott sich hinsucht. In der Brust solcher Mensche» lebt das Gottesbelvußtsein in einer Tiefe und Mächtigkeit, so I daß sie sckHpferisch eingreifen können in das Denken und Tun ihrer Mitmenschen, die sie durch ihr Beispiel mitrcißeu. Tic die Offenbarung haben, sichren andere gleichfalls zu ihre, entdeckten erhabenen Welt. Ter Unterschied von Führer und (Geführtem aber bleibt. Tie Religion der Geführten ist der Glaube.. Tie Offerkbarung ist der Preis derer, die sich von gebahnten Wegen fortwagten und in leidvollem Züchen und Versuchen zu jener .Höhe gelangten, wo sie die Elewißheit vom Zein Gottes berührte. Tie Lffeirbarungsgewißheit ist ein einmaliges, die Person plötzlich erfassendes und vorübergehendes Erlebnis. Wenn die Haltung des Glaubens unser ganzes Leben begleiten kann, so ist das Offenbarungserlebnis nur auf den Höhen des Lebens erwerbbar. Glaubeck kann jeder,' soll jeder und muß jeder. Aber der Offeirbarung werden wir nicht unbedingt teilhaftig, sondern nur als Erwählte. Der Glaube ist das allgemein Zugängliche in der Religion, die Offenbarung nur zugänglich dein Propheten, dem religiösen Führer, dem einzelnen nur in seinen höchsten Ztunden. Tie jüdische Religion als Lffenbarungsretigion, als Religion, die neben der Erhalttmg des Glaubens auch die Offenbarungsgewißheit pflegen will (pflegen muß, weil der Glaube nur dort stark sein wird, )vo er im Umkreis einer Offenbarung lebt), scheint einem Widerspruch zu verfallen, indem sie von allen fordert, was endgültig doch nur von wenigen Ausernxihlten, von andern nur stückhaft und ergänzungsbedürftig erreicht werden kann. Dieser Widerspruch ist aber nur ein scheinbarer. Es wird ja nicht gefordert: strebe nach Offenbarung, sondern ums gefordert nnrd in der jüdischest Religion, ist die sittliche Tat. Diese Forderung kann jedem zugemutet werden, und der sie in aller Dresden* A. 1 10 — Bi—nnt Amerikas bester Lautsprecher: Crossley Supper Musicono eingetroffen! Dresdens Radio-Spezialgeschäft Dresden*A. 1 ViktociMtofc 20 - FcnuprcAcr 2M23