Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 9 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 9 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Iungen studiert werden. Der Bodenkauf müsse in eine Hand konzentriert sein, um gegenseitige Ueberbietungen unmöglich zu machen. Um wirkliche Bauern zu erziehen, sei der Pflanzungsbau zugunsten des Getreidebaues aufzugebeu, das /.Hauptgewicht der Arbeit sei aber auf die kulturelle Tätigkeit ' zu legen. 1896 gründete er, als er erkannte, daß der Bund „Bne Moscheh" die Absichten, die er damit verfolgte, nicht verwirklichen könne, die hebräisch-wissenschaftliche Zeitschrift „Haschiloach". Alle Fragen des Judentums und des Zionismus werden in ihr von den hervorragendsten Autoren behandelt. Diese Schöpfung ist eine seiner größten Taten. Der Haschiloach wirkte erzieherisch auf das geistige Leben der hebräisch lesenden Juden. Seine jüdische Weltanschaüung legte er in den bekannten Essays, gesammelt in dem Werk „Al paraschtath derachim" (Am Scheideweg) nieder, worin er Fragen über jüdische Wesenheit und Geschichte in geschliffener Feinheit behandelt. Dieses letztere Werk ist in deutscher Uebersetzung im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienen. - In den'Jahren 1905 und 1906, den Jahren der russischen Revolution, nahm er an den Kongressen für die Gleichberechtigung der Jaden teil und trat leidenschaftlich fiir diese ein. 1907 veröffentlichte er einen Aufsatz „Tie Stunde ist gekommen", in dem er mit Nachdruck die Schaffung eines geistigen Zentrums in Palästina forderte. 11)08 siedelte er nach London über, wo er bis nach Beendigung des Krieges verblieb. 1922 verlegte er seinen ständigen Wohnsitz nach Tel-Awiw: die Stadtverwaltung ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger. Nun ist auch dieser unermüdliche Geist, dieser große Lehrer in die Ewigkeit eingegangen. Professor Guttnmnn charakterisierte die Persönlichkeit Achad Haams bei der Gedächtnisfeier in Berlin in folgenden trefflichen Worten: „Achad -Haam bat die jüdische Wissenschaft oft nicht ohne Schärfe beurteilt, aber die Wissenschaft dankt ihm für die Größe der Auffassung, von der aus er ihren Sinn und ihre Aufgabe im jüdischen Leben begriffen und aufgezeigt hat. lieber alles hinaus, was er gesagt und in seiner Lejstung hinterlassen hat, bleibt er uns als die große Denkergestctlt ein Mann, in dem der Geist des'Judentums mit den Mitteln und Formen unsrer Zeit und unsres Denkens aufs neue wesenhaft geworden ist. \, Reich ist die Wirkung, die von ihm ausgegangen ist. in allen Kreisen und Lagern des Judentums. Aber diese Wirkung ist bei weitem nicht erschöpft. Achad Haam gehört zu den Männern, die, wie sie aus dem Ewigen der Geschichte herausgedacht haben, auch von der Geschichte weitergetvagen werden. Achad Haam wird fortleben im jüdischen Volke, fortleben in der jüdischen Geschichte, vor ihm werden die Geschlechter sich in Ehrfurch neigen." i Heiliges und Profanes Von Achad $aom‘ Zu den Merkmalen, die Heiliges und Profanes vonein. ander unterscheiden, darf man auch das folgende zählen: In profanen Dingen macht uns der Zweck die Mittel nur insofern wertvoll, als sie Mittel zu demselben sind. Darum ändern und ersetzen wir die Mittel nach den Erfordernissen des Zweckes, und wenn dieser in Wegfall kommt, fallen auch die Mittel von selbst fort. 'In heiligen Dingen dagegen heiligt der Zweck die Mittel a n sich. Darum können wir sie nicht mehr ändern oder ersetzen, und selbst wenn der Zweck wegfällt, fallen die Mittel dennoch nicht fort, sondern der Zweck wird nach ihren Erfordernissen durch einen andern ersetzt. Mit andern Worten: Beim Profanen bewahren wir die Schale wegen des Kerns und werfen jene fort, sobald wir diesen gegessen haben. Beim Heiligen dagegen erheben wir die Schale in den Rang des Kerns und setzen sie nicht herab, auch wenn der Kern verdorrt ist, sondern wir geben der Schale einen neuen Kern. Die alten-Aegypter pflegten sich an bestimmten Feiertagen nur steinerner Geräte zu bedienen. Dieser Brauch war ihnen noch von ihren Urahnen überliefert, die in der „Steinzeit" lebten, als noch die Menschen den Gebrauch andrer Stoffe nicht kannten und daher alle ihre Geräte aus Stein machten (Lubbock). Obwohl sie nun später andre und bessere Stoffe für ihre Geräte zu verwenden lernten, ersetzten sie zwar im täglichen profanen Gebrauch das schlechtere Mittel unbedenklich durch das bessere. Aber an heiligen Tagen hatten sie nicht den Mut, das Alte durch das Neue zu verdrängen. Denn hier war das Mittel an und für sich heilig geworden. Die ägyptischen Priester aber gaben für die Sache höchstwahrscheinlich tiefsinnige und mystische Gründe an, d. h. sie suchten und fanden einen neuen Zweck für ein veraltetes Mittel, einen neuen Kern für eine leergewordene Schale. Und wir? Warum schreiben wir die Thora ausschließlich > Aus Achad Haams Am Scheidewege. Gesammelte Aufsätze, 1. Band. Berlin 1925, Jüdischer Berlag. ■ Apparate u. Platten sind billiger geworden „Grammophon“ Max Wendlaadt, Dr—d— - A. nar Prager StraBe 21. Eefc« StnrreatraBe AwrfihH V arri Awur^b.Appam« ■.piaig« koarmio« Apparate tan M. 50.— an (auiWusdi Rataozahlnag) Wen 11m ’phfilA Versorge Dein Kind und Deine Familie durch Abschluß einer Lebensversicherung. Diese bietet billig und sicher dis größte kontinentale Gegeuseitigkeitsanfiatt Anstalts. Vermögen 275 Millionen Schweizer Kranken Schweizerische Lebensversicherung«-«. Renienanfiatt in Zürich taMtiMflu lacluii: Imin. ftrthiir.il, Ir. Jir. 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