Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 9 (28.1.1927)
- Date
- 1927-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 9! Ter einzige Gott ist auch der Urquell aller Ethik und Mora! Ganz besonders wird der Zusammenhang betont, der zwischen der Einheit Gottes und der Einheit des menschlichen Geschlechts besteht. Hier ist die älteste Brücke zwischen Monotheismus und Humanismus geschlagen. II. Tie Urofsenbaruug ward schon dem ersten Mensckienpaar zuteil. Tas ist der Grundgedanke der biblischen Schöpfungsgeschichte. Ter Stammvater der Menschheit hatte also die Einheit'Gottes dtirch Offenbarung erkannt. Eine Spaltung des Einheitsbegriffs kann erst später erfolgt sein. Aber wie? — Rein gedanklich läßt es sich nicht gut rechtfertigen, es muß aus der inenschlichen Natur selbst erklärt werden. Ein reines Vergessen kann es nicht gewesen sein, denn äußerj lich tritt in den späteren Glaubensbegriff keine Vxrminderung, sondern ein Wachstum ein. Man glaubt inehr als früher. Was sich zunächst als Erklärung aufdrängt, rst.die Annahnie, daß zwischen der Vermehrung des Menschengeschlechts und der Spaltung des Einheitsbegriffs eine - engere Beziehung bestehen müsse. Tiefe Beziehung sieht die jüdische Tradition im sittlichen Verfall der Menschen vornebmlich in der Verletzung des Hlimanitätsprinzips. Schon >tain und Abel hatten einen .stampf miteinander, der imt deni Tod des Abel geendet hat. Ursache des Bruderzwistes ivar, nach Angabe der -Heiligen Schrift, daß das Opfer des einen Bruders giinstigere Aufnahme gefunden als das des andern Bruders'. Wenn die von der .Heiligen Schrift selbst angegebene Ur-■ ,'ache des Brudermordes die rabbinischen Agadisten nicht ganz befriedigte und nach weiteren Ursachen und Motiven suchten^, so liegt dies im Unverhältnis von Ursache und Wirkung, das uns hier entgegentritt. Ist es uns schon von der Ursackie aus schiver begreiflich, wie ne zu einem Brudermord führen konnte, so muß das Verbrechen stains um so schwerer'erscheinen als - sich aus dem Verhalten Abels zu stain — soweit der biblische Bericht reicht — keinerlei Ursache für Rachegedanken konstruieren läßt. Uns interessiert hier der biblische Bericht Liber Kam und Abel, weil er uns die Perspektive für den Entwicklungsgang der ersten Generationen des Menschengeschlechts erschließt. Mit der Vermehrung der Menschheit wuchs naturgemäß auch die Entfremdung und verniehrten sich auch die Ursachen für Neid, Gehässigkeit und Rache. Einfache Zwiekäinpfe wurden zu Kriegen erweitert: — Wie verhielt sich der Glaube zu dieser ersten Entwicklung? Tem primitiven Menschen wird iin allgemeinen eine heftige, rohe Natur zugeschrieben. Seine Gefühlswelt ist un- 4 lieber die Erkennungc-mertmale vgl. Raschi zu Men. 4, 4. Aehn- Iick .Hieran. Luesl. Heb. ebd. Lekach Tob. z. St. ' Vgl. Aptowitzer, stain und Abel 10 ff. gestüm und leidenschaftlich. Die sanftesten Regungen edler Humanität werden ihm ganz abgesprochen. Was ihm indes nicht abgesprochen werden darf, ist dev Glaube. Ja, der Glaube wirkt in ihm am so intensiver, als er die einzige höhere Kraft ist, die sein geistiges Innenleben ausfüllt. Der Glaube begleitet ihn auch in seinen Käinpfen. Man stelle sich nun zwei feindliche Stämme vor, dis gegeneinander ins Feld ziehen. Ein jeder von ihnen ist darauf bedacht, sich die Gunst seines Gottes, so gut er es e,en versteht, zu erflehen und andersefts den Fluch und der Zorn Gottes auf den Gegner heraufzubeschwören. Das trn selbstverständlich beide feindliche Stämme. — Wie solt aber derselbe Gott beide W M m reinigt Herrenanzüg Stämme zugleich anhören? Wie soll er beide zugleich begünstigen, beiden zugleich seine Hilfe verleihen, und — jetzt kommt der andre Teil des Gebetes — beide zugleich seinen Fluch und seinen Zorn fühlen lassen? Ter Urmensch dachte wohl primittv. aber eben deshalb gerade und einfach. — Ein Gott kann zwei Gegnern zugleich den Sieg nicht verleihen. Es muß daher jeder Stamm leinen eigenen Gott haben. — Schon für die dritte, also für die auf Kain folgende Generation wird der Zustand des Götzendienstes vorausgesetzt". Dem Drang nach Befriedigung von Rache und Gehässigkeit verdanken die Götter zu einem großen Teil ihre Entstehung. Mit jedem neuen Stamm entstehen naturgemäß-neue Götter und neue Götterfamilien, und zwar ganz nach dem Ebenbilde der Menschen,! mit denselben Begierden und Leidenschaften. Tie Götter selbst haben auch unter sich^ ganz nach dem Ebenbilde der Menschen ihre Kämpfe, siege und Niederlagen. Kämpfe, Siege und Niederlagen gehören zum ureigentlichen Wesen aller Götterlehren.- Es sind dies die drei Grundbegriffe der alten Welt, die im Mittelpuntt aller Volkstraditionen und Mythenkomplexe stehen. Diesen drei Begriffen gliedern sich die Lebensprobleme des alten Heidentums an. Bei der Beurteilung des Götzendienstes und des Heidentums komnit es der alffüdischen Lehre nicht so sehr « Jalkut 3itneoni Gen. § 48: „Zur Zeit Enos, des Lohnes Leth, begannen die Menschen ihren Schöpfer durch Götzendienst zu erzürnen, und erzürnten ihn durch drei Sünden." ES find hier die bekannten drei Sünden gemeint: Götzendienst, Notzucht und Blutvergießen. Man vgl. noch Gen. r. 23, 6. B . Fachmännisch gepflegte Robert Herrmann Spezialität: ' Habanas ] Zigarren-Import-Haus Rohera- und Brasils Dresden-A., Prager Strafte 20 -... . Fabrikate .. Fernsprecher Nr. 20370 :: Gegründet 1863 —. H 1 "::" ".. .1 > . Dampfbügeln - -tägige Lieferzeit Ansug 1- Hark Chemisch Reinigen, von Kleidung *7 Ansug 4M Hark Kunstplissee/Kunststopfen / Schneiderreparaturen ■Hp