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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-01-28 · 9 (28.1.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
9 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemvin-eölatt der Mr elitischen Religionsgemeinde Dresden ■mb» Amtlicher Organ des GemeindevorftandeS i, Veraotwortl. Cxt> Hauptaunahmestc ckftleituui Oe für S : Bürodlrektor L.Vloemacher. Dresden - Verlas: Israelitische ReltgiouSgemeinbe Dresden - Druck: Kaden DEvmp„ DreSden-A. nserate: Zac. Gterulicht. Zeughaus straßc 2.1. Telephon 14051 - Die 29 mm Rouparaillrreile kostet 30 Pf., laufend Rabatt 2. Jahrgang W DH» Dresden, dm 2tt. Januar 1927 Rümmer 9 Monotheismus und Humanismus Von Prof. Dr. Michael Gutttnann. Breslau theismus bildet seit leuchteter Denker und nismus gehört mehr unbedeutenden Teil Monotheismus unk Humanismus sind Begriffe, deren Analyse zwei verschiedenen Gebieten angehört. Der Mono- '! Jahrtausenden das Lieblingsthema erphilosophischer Lehrsysteme, der Humain die Morallehre und zu einem nickst euch in die neuere Disziplin der Soziologie. Auch ihre Ziele scheinen verschieden. Während der Anspruch des Monotheismus nicht weiter reicht, als bis zu einem erkenntnistheori tischen Erfassen, ist die Verwirklichung des humanistischen Pr nzips rein theoretisch undenkbar. Humanismus stellt Ford« anders als praktisch Frage, ob diese zwei rungen an das Leben, und kann nicht verwirklicht werden. Es ist nun die Begriffe immer so weit voneinander standen, ob nämlich Monotheismus immer nur Sache des Philosophen, und Humanismus immer ein allgemeines n menschlichen Moral svar. ein kurzer Hinweis auf die alte Auf- Kapitel der anerkannt^ Im folgenden soll fassung der jüdischen Äradttionsliteratur gegeben werden. Tie Zusammenhänge, die Midrasch und Talmud. zwischen Monotheismus und H umanismus aufgestellt, dürfen heute noch manche Bedeutung haben und manches Interesse er wecken Im Gegensatz zu dien Evolutionstheorien hält Bibel und dpß Monotheismus die erste und ur- Glaubens ist. Gott offenbarte sich nschenpaare. Polytheismus ist dem Talmud daran fest, sprüngliche Form deschon dem ersten Mq entsprechend ein Abs lll vom ursprünglichen Glauben, ein Verlassen Gottes, ein schen Literatur, die sich Traditionen aufgebaut Vergessen Gottes. Dieser Gedanke findet wiederholten Ar sdruck bei den meisten Propheten und ist gewissermaßen der Grundgedanke der ganzen Heiligen Schrift'. Besonders säiarf tritt er in Verbindung mit Israel auf. In diesem Sinne ist die Warnung Gottes an Moses Dt. 31,16 gefaßt. Diesem Grundgedanken entspricht es auch, daß die Besse ruug deS.Lebenswa»de s, die Reue und Buße vorwiegend als eine Rückkehr zu Gott bezeichnet wird*. Diese Grundauftaff i»ng zeigt sich auch in der nachbiblinicht ganz aus jüdischen Quellen und hat'. Die erste Veranlassung zum I. Götzendienst soll Totenverehrung gewesen sein. „Denn durch allzu frühe Trauer bekümmert, hat der Vater des so schnell dahingerafften Kindes Bild machen lassen und den damals toten Menschen nunmehr wie einen Gott verehrt und auch für die Untergebenen einen geheimen Kult und Weihen angeordnet." — Eine weitere Veranlassung zur Götterbildung war die Verehrung von Königen und Herrschern und die daraus entstandene Gewohnheit, Bilder und Denkmäler dieser verehrten Fürsten anzufertigen und sie zum Gegenstand allgemeiner Anbetung zu machen. Vieles haben die Künstler selbst mit ihrem Ehrgeiz dazu beigetragen. Bei aller Wahrung nicht nur des göttlichen Einheitsbegriffs, sondern auch der biblischen und traditionellen Grundauffafsung über die uns so eigenarttg scheinende Rechfnfolge von Monotheismus und Polytheismus, ist hier der fremde Einschlag nicht zu verkennen. Ter Verfasser iv_‘r Weisheit Salomos ist nicht bloß in -Stil und Ausdruck von griechischer Bildung beeinflußt, sondern vielleicht noch mehr in Auffassung und Denkart. Da der Monotheismus das erwünschte Endergebnis menschlichen Erkennens und Glaubens ist und sein müsse, so liegt in der Uroffenbarung und uranfänglichen Anerkennung des einzigen Gottes ein Problein, das der Lösüng bedarf. Die Hauptftage war, lvie konnte man aus einem schon vorhandenen und anerkannten Monotheismus zur weniger begründeten und jedenfalls primittveren Vielgötterei gelangen? Der Verfasser der Weish. Sal. faßt die Frage von der philosophischen Sette auf und sucht eine rein logische Er-, klärung. In der Traditionsliteratur begegnen wir dieser^ Frage als offenes Problem überhaupt nicht. Diese Erscheinung muß um so mehr auffallen, als gerade die Tradltionslüeratur es ist, die den härtesten Kampf gegen das Götzentum führt und die Einheit Gottes als. die ursprüngliche Glaubensform vielfach betont. Die Auffälligkeit schwindet, wenn! man die eigenartige Einstellung von Bibel und Talmud zum Einhettsglauben näher ins Auge faßt. Es steht hier im Vordergrund mehr das ethische als das erkenntnistheorettsche Prinzip. Das vorherrschende Moment in der Trädittonsliteratnr ist nicht logischer, sondern ethischer Natur. * Au dergleichen find 1. Äon. 11. 83. Jes. Von einem treulosen 4«. 8. Her. 1ü. 16. Hof bes. Hos. 8. 7. 6. 7. Hatz die Rede. ES dürste hier 14. Die Beiftnele lassen Bon den vielen Stelle r och besonder» Nicht. 2, 12, 1. Tom. 12, 20. 50, 18. Jor. 6, 16. Czech. 14, 6, 7. 1 handeln an Gott spricht besonders Jes. a führt den Gedanken noch weiter. Vgl. ^fig ist auch von einem Vergessen Gottes genügen der Hinweis auf Dt. 6, 12. 8,11. ich leicht vermehren. n möge hier folgend« Auswahl genügen: Dt. 4, 30. 30, 2. 10. 1. Sam. 7. 3. 1. Reg. 8, 33. 47. 48. 2. Reg. 23. 25. Jes. 19, 22. 44, 22. Jer. 3. 1. 4, 1. Hos. 2. 0. 6, 1. 7. 10. 12. 7. 14, 2. Amo» 4. 6. 8. S. 10. 11. Mal. 3, 7. Pf. 78. 34. Thr. 3. 40. 6, 21. Reh. 1, 9. 2. Thron. 6. 24. 37. 38. 30, 9. 36, 13. * An erster Stelle verdient Weish. Sal. Erwähnung. 14, 12 ff. wird schon der Versuch gemocht, die als Tatsache anerkannte zeitliche Priorität des Monotheismus und di« spater erfolgte Vielgötterei in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen. Dresden-A, 1 WkMMtofe2D- . Amerikas bester Lautsprecher: Crossley Supper Musicono eingetroffen! Dresdens Radio-Spezialgeschäft Dresden- A. 1 Vihforl—frjSc 20 — Fmupndttr 23323

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