Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 8 (28.12.1926)
- Date
- 1926-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 Kanal. Zur Rechten gelagert sehen wir den Fondaco dei Tedeschi? in dem früher die deutschen Kaufleute ihre Waren aufstapelten. Zur Linken ist der Fischmarkt in offener pferlergetragener Halle mit einem Trubel von Händlern und Käufern. Daneben der Landeplatz der Obst- und Gemüse; schiffe, zu dem sich schwere Barken, mühsam vorwärts gestoßen, binbewegen. Ein reges Treiben herrscht auf der Wasserstraße, der die prächtigen Renaissancepaläste, durch gotische anmutig unterbrochen, edelste Umrahmung geben. Schwarze Gondeln'mit blinkend metallischem Bug, von einem einzigen auf Widerhaken ruhenden Ruder bewegt, eilen leicht vorbei. An der zierlichen Fassade der Ca d'Oro vorüberfahrend, gewahren wir links den mächtigen Bau des Palazzo Pesaro, der in einer breiten Freitreppe aus dem Kanal aufsteigt. In erhabener Einfachheit steht gegenüber der Palazzo Vendramin-Calergi, in dem ,im Jahre 1883 Richard Wagner sein bewegtes Leben beschlossen hat. Eine Gedenktafel erinnert daran, deren Tert Gabriele d'Annunzio verfaßt hat. Weiter oben ein rötlicher, beinahe festungsartiger Bau mit stark vergitterten kleinen Fenstern, die einstigen Kornspeicher der Republik. Wir steigen am Bahnhofe aus, gehen an der S.-Geremia- Kirche und dem Palazzo Labia vorbei zum Cannaregio, dem großen Seitenarm des Canal grande, über den eine Brücke binüberführt. Ein kleines Stück noch den Cannaregio entlang und wir stehen am Eingang des Getto Vecchio. Schon bat sich ein Führer angeboten, uns den Weg durch "das Getto zu zeigen. r Ein niedriger, stark gemauerter, gefängnisartiger Torbogen gewährt Einlaß. Noch stehen-die Angeln hervor, in denen sich das schwere Tor bewegte. Aber das Tor ist fort, der Eingang ist frei. In dtzr engen Gasse, in die Mauer eingelassen, finden wir die Gedenktafel an Napoleon I., der das Getto aufgehoben hat. Es ist viel Altes in Europa gewesen, das dem Genius dieses Mannes nicht standzuhalten vermochte. Daß die Gassen sehr eng sind, ist für italienische Gassen nichts Bemerkenswertes, auch vergitterte Fenster sind allerortens in Italien üblich. Aber hier ist es finsterer, unfreundlicher. Sonst mag wohl der blaue Hinunel versöhnen, der sich dem Blicke von der Gasse aufwärts darbietet. Vermag doch unter diesem Himmel nicht leicht etwas finster auszusehen. Aber hier ist der Ausgleich nicht ganz gelungen. — An kleinen Kaufläden kommt man vorbei, an überaus starken Gittern der Fenster; hier die schwere Eisentür des Hauses scheint jedem Eindringen standzuhalten. Fünf Synagogen seien iry Getty, berichtet der Führer. Die größte, die wir eben betreten, ist die der spanischen Juden. Von außen ist sie unscheinbar lind wenig von den .Häusern der Umgebung abstechend. Im Innern wird man überrascht durch die glänzende Ausstattung, die an künstlerischer Feinheit nicht leicht ihresgleichen hat. Man »spürt sofort, daß dieser Raum unter dem Einflüsse der Kultur Venedigs entstanden ist. Hat doch kein Geringerer als Longhena, der Erbauer der Kirche S. Maria della Salute den Jnnenraum gestaltet. Ter Altar ist nicht merklich erhöht, wirkt aber durch seine reichen korinthischen Säulen, das Vorbeterpult ist einfach gehalten: eine geneigte Platte, auf zwei gewundenen Holzsockeln ruhend. Von der Decke, nahe der sich die Galerie für die Frauen entlang zieht, Hängen Refiöenz Kaufhaus Für die kalten Lase