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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1926-12-28 · 8 (28.12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
8 (28.12.1926)
Date
1926-12-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Seite tÄ Nr. 8 Nemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Wenn sich leise die Nacht über Venedig herniedersenkt, sind Einheimische und Frei»! e auf dem schönsten Platze versammelt, den Europa aufzuweisen hat, auf der Piazza di San Marco. Ausgehend von den diganze Fläche bis auf eine Schmalfeite umziehenden Arkaden, haben die CafSs ihre Tische weit hinausgeschoben. Auf l em freien Raum und unter den Arkaden flutet die, Menge. Müßiggänger aus aller .Herren Länder, dunkle schlanke venezianische Frauen, junge gebräunte Matrosen, die in ihre, Augen noch die Unendlichkeit des Weltmeeres tragen, lek ensfrohe Offiziere, die Zeitungsverkäufer der italienisch n und ausländischen Presse, ein Zigarettensammler in trippelndein Gange, hin und wieder ein zur Erde gefallenes Stümpchen aufhebend, geschäftig hin und her eilende Kellner Bürger, Gassenjungen. Die beiden ehernen Riesen auf dem Uhrturm schlagen mit ihren .Hämmern auf de: frei hängenden Glocke die Zeit an. Weithin schallen die vuchtigen Klänge, für kurze Zeit schmeichelndes Geigen piel llbertönend. Der mächtige Ouaderbau des Camp inile ragt mit seiner gedrungenen Spitze hinein in die schvarze sternenreiche Nacht. Zu einer gewaltigen Einheit umlassen den Platz von drei Seiten die langgestreckten Prokura, ien, in zwei Stockwerken über den Arkaden aufsteigend. Bei aller Reichhßit der Struktur im einzelnen, als Ganzes einfach und ruhig wirkend, duldet ihre Getto in Venedig Von Dr. Eugen^Schmidt lVon Herrn Dr. Schmidt Nachdruck genehmigt) streng gezeichnete Linie keine Finsternis und verbreitet siegreiche Klarheit. Zugleich »veisen 'sie das suchende Auge in ihrer Geschlossenheit und Undurchdringlichkeit auf die offene Seite des Rechtecks hin, wo durch die Strategie 6er Bauführung und durch ihre Anlage selbst die Markuskirche znni architektonischen Mittelpunkte wird. Nicht so ruhig und klar tote ihre Umgebung, vielmehr mit ihren vielen Zacken nud Türmchen im Dunkel nach oben verschwindend, leuchten, ihre Goldmosaiks und ihre Galerie eindrucksvoller beinahe u>ie am Tage. Zauberisch steht sie da, wie ein orientalisches Märchenschloß. So wird sie zum Symbol Venedigs. Denn Venedig ist wie ein Märchen. Wie ein Märchen sind sie an uns vorübergezogen: der Dogenpalast mit den Werken Tintorettos, Paolo Veroneses und der anderen Meister, die kraftstrotzende, kühne Reitergestalt des Colleoni, das Bild Bellinis in der Frarikirche, süß wie der Friede selbst. Kirchen, Paläste, Kunstsammlungen, jener Blick auf die blaue Lagune an der Insel St. Giorgio vorbei zum Lido, wo der Frühling die-Gärten mit Blumen in allen Farben geschmückt hat, jene Bilder von Glanz, Reichtum und Schönheit. Aber das Leben baut sich in Gegensätzen auf, zur Freude gehört die Trauer, zur Lust das Leid, zum Reichtuni die Armut: Getto in Venedig... Vom Markusplatz durch die enggewundene und lädenreiche Merceria gehend, besteigt man am Canal grande das Dainpfboot. In einem einzigen weiten Bogen den östlichen und ivestlichen Stadtteil verbindend, überspannt die Rialtobrücke den •1 DAS DRESDNER SPEZIALHAUS FÜR HERREN-U. KNABENKIEIDUNG — PRAGERSTRASSE-WAISENHAUSSTRASSE T

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