Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 8 (28.12.1926)
- Date
- 1926-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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~TT~ Nr. 8 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligitrnSgemeinde Dresden vielarmige bronzene feuchter. Der Raum ist hoch und frei und edel. Inmitten )ieser Umgebung, die Elend. Kummer und Pein durch Jahrhunderte getragen hat. ist er wie der Glaube, der in aller Mot unbesiegbar ist. Die in Heller Eich, gehaltenen Betstühle sind nach vorne -drehbar zu öffnen, so daß jeder Platz der ersten Reihe vom Mittelgänge aus di ekt erreicht werden kann. Kleine Schilder zeigen uns d e Namen der Inhaber. Hauptsächlich sind es Namen, die au spanische Herkunft deuten, doch finden sich auch einige beutfc je darunter. Spanische Inden waren es, die Ende des 1.'., Anfang des 16. Jahrhunderts in gröberer Zahl nach Venedig auswanderten. Ursprünglich auf der Insel Giudecia angesiedelt, wohnten sie später im Getto. Seit der Aufhebung des Gettos ist die Zahl der in diesem Viertel wol nenden jüdischen Familien aber nur mehr gering, sie sind t un in anderen Stadtvierteln zerstreut. Die nächste Synagc ge, die wir besichtigen, wird von dem Führer als tedesca (deutsch) bezeichnet. Sie liegt in einem Winkel eines weiten Platzes mit hohen, vielstöckigen alten -Häusern, an Hätzlichk,it den Hinterhäusern grober Mietskasernen gleichend. Durch enge Treppen geht es hinauf, durch das Schlafzimmcr des Schammes hindurch, in einen kleinen intimen Raunl. Wie in der grohen spanischen Synagoge ist in der Mitte ein breiter Gang, zu dessen beiden Seiten sich die Sitzreil >en, Front gegen Front, anordnen. Thoraschrein und Kanzel, hier erhöht, liegen sich getrennt an den beiden Schmalsäten gegenüber. Tie blaue Decke wird von einem Fries verg rldeter Stukkaturen nach unten abgegrenzt. Ein kleiner Chor gibt der Kanzel Licht. In seiner Stille und Abgeschiede theit ist der Raum eine Zufluchtsstätte aus Sorgen und Mühen in eine ruhigere Welt. Augenblicklich ist er in TäN merlicht gehüllt, da der größte Teil der Läden geschlossen i t: bei offenen Läden muß eine Flut von Licht den Betsaal mit Hellem Glanze übergietzen. - Als ich zum Samstagabendgottesdienst durch die Pforte des Ghetto Vecchio schreite, liegt die Ruhe des Wochenendes in den Gassen. Tie K mfläden schließen. Männer sitzen an einer Gassenschenke um eine Buddel Rotwein und spielen.— Die große spanische Synagoge ist geschlossen, der Gottesdienst findet in der kleinen levantinischen Synagoge gegenüber statt. Nur weitste Personen, darunter mich Frauen und Kinder, sind im t sotteshause erschienen, dessen Wände mit rotem Damast be nannt sind. Dunkelgetönte Holzschnitzereien verleihen ihm eine anheimelnde Wärme. Die Kanzel liegt außerordentlich hoch für die kleinen Ausmaße. Die Physiognomien de; Anwesenden entsprechen dem Typ des europäischen Juden Der Schammes, der seine Berufsbezeichnung in hebräiscken Lettern und den Zusatz teinpio levanttno in lateinischen Lettern auf^ einem Messingjchild Seite 15 an der Bsust trägt, versorgt mich väterlich mit einer Tefillah. Man hat die Empfindung, von den Versammelten nicht als Fremder, sondern als zugehörig betrachtet zu werden. — Tie Gebete sind mit kleinen Abweichungen die üblichen. Nach dem Auslöschen der Hamdolohkerze reicht dä4 Schammes das Zimibllchschen herum, an dem zu schütteln und zu riechen di; kleinen Jungen nicht genug bekommen können. — Dann füljrt der Weg zurück, hinaus auf den Eannaregio. Ehedem war um diese Zeit das eiserne Gittertor geschlossen. Nun ist die Pforte frei. Das Dampfboot fährt durch. den Canal grande z»im Ponte di Rialto. In den alten Adelspalästen dem Kanas entlang brennt kein Licht. Das alte Venedig ist tot. Ader Jungitalim ist auf dem Wasser und zieht in Gondeln mit Musik und Lampions vorbei. Ein Tenor fingt sehnsüchtige Lieder in die Nacht. Ihn lösen wohl ein Dutzend Gitarren, Mandolinen und Tambourins ab, die die lustigen, rhythmisch lebhaften ^venetianischen Weisen spielen. Tie Jugend lebt. — Venedig! Der (y&obe'Q\it / pon -ßut^afe I aus fyoLjkn f^aan QTlie^ßPß; (5inf)eifspreijß. Dresden- Teßann]fr\2J 'praqgrffr.22 6cf?gffelffr.26 ßaupÜlr. 20 CerpjiQ- <$r£)ßmrut) Wollwarenhaus i Wllsdruffe Um SAXONIA Strafte 46 / Faik & Posener / Wilsdruffer Strafte 27 m 15. Januar beginnt unser nventur-Ausverkauf * rl«M«N. wardsn wir iinsar« »r«lsL bis aufs Xularsta